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Agrotourismus in Griechenland: Hellas auf die ländliche Art

Von Klaus Bötig | 11.Juli 2011

 

Der Agrotourismus steckt in Griechenland noch in den Kinderschuhen. Zwar gibt es schon viele Pensionen in ländlichen Regionen abseits der Touristenzentren, doch im Ausland sind sie nahezu unbekannt. Guest Inn hilft, solche Pensionen zu finden.

Auch bei Guest Inn: Naxos (Foto: Christiane Bötig)

Nikos Kontosoros in Xino Nero, einem kleinen westmakedonischen Dorf an der Straße von Florina nach Kastoria und Kozani, ist einer dieser Griechen, die den Mut hatten, sich auf touristisches Neuland zu wagen. Er ist mit Leib und Seele Gastgeber. Einer von Nikos besten Freunden ist der Postbote von Xino Nero und begeisterter Reiter. Wenn Gäste der Pension Kontosoros ein paar Stunden reiten wollen, ruft er seinen Freund an, und schon kurz danach steht der mit Pferden für die Urlauber vor der Tür. Jeep-Touren durch Wälder und Berge unternimmt Nikos selbst mit seiner Klientel, führt sie dabei auf Wunsch auch ins Braunbären-Refugium von Nymphaio oder ins Wolfs-Schutzgebiet von Sklithro ganz in der Nähe. Zudem vermittelt er Mountainbikes und Kayak-Touren. Er ist Wirt mit Leib und Seele, kümmert sich liebend gern um die Besucher, die in einem der nur sechs Zimmer seiner Pension übernachten. Das im dazugehörigen Restaurant von seiner Frau mit Gemüse aus dem eigenen Garten gleich hinterm Haus regionaltypisch gekocht wird, ist eine Selbstverständlichkeit. Nikos hat sich der griechischen Marketing-Organisation >Guest Inn< angeschlossen, um im In- und Ausland bekannt zu werden und Gäste in seine Heimatregion abseits der touristischen Trampelpfade zu locken.

Auch Vangelis Michelopoulos auf Naxos, der größten Insel der Kykladen, lässt sich von Guest Inn weltweit vertreten. Naxos ist längst keine Unbekannte mehr auf der touristischen Weltkarte, aber Vangelis will seinen Gästen auch andere Seiten seiner Insel als nur Strände und archäologische Stätten zeigen. Wer in seinen Apartments Filoxenia im Dorf Galini in einem seiner sieben im kykladischen Stil eingerichteten Apartments wohnt, kann Naxos auf ungewöhnliche Weise kennenlernen. Je nach Interesse können Gäste mit den Bauern des Dorfes oder mit Vangelis selbst in die Obstgärten, Olivenhaine und auf die Felder gehen, auf Wunsch auch an deren Arbeiten teilnehmen. In Vangelis ausgedehnten Gärten kann sich jeder, der bei ihm wohnt, nach Herzenslust an frischen Obst und Gemüse bedienen. Wie nahezu alle Inhaber von Guest Inn-Betrieben ist auch Vangelis Einheimischer – und verfügt über ein weitgefächertes Netzwerk einheimischer Freunde und Verwandter, die Besuchern auch so manchen eher ausgefallenen Wunsch erfüllen zu können. So ist ein Tag mit dem Imker ebenso möglich wie ein Tag mit dem Hirten. Freilich läuft nichts nach Schema ab, wird alles ad hoc improvisiert. Feste Wochenprogramme à la All-inclusive-Anlage gibt es nicht.

Zu Guest Inn gehören nicht nur Pensionen und kleine Apartmentanlagen. Auch Ferienhäuser gehören zum Angebot. >The Little Farmhouse< auf Korfu zum Beispiel ist ein einfaches Steinhäuschen gleich neben dem Wohnhaus der Inhaberin. Sie ist eine schon seit Jahrzehnten mit einem Korfioten verheiratete Deutsche. Auf mehr als 10 Hektar gedeihen ihre uralten Olivenbäume in extremer Hanglage; von ihr kann der Urlauber sogar auf Deutsch alles Erdenkliche über die Gewinnung organischen Olivenöls erfahren. Zum Hof gehören Hunde, Katzen und hoffentlich auch dieses Jahr noch ein alter Esel, auf dem Kinder auch schon einmal aufsitzen dürfen.

 Landwirte mit Leib und Seele sind auch Nello Giannoulis und seine Frau Fotini in Vasiliko im äußersten Süden der Insel Zakinthos unmittelbar an der Grenze zu Griechenlands zweitem Meeres-Nationalpark. Auf über fünf Hektar bauen sie Mandarinen und Orangen, Zitronen, Kartoffeln, Zwiebeln, Tomaten und Melonen, Kirschen, Mispeln, Pfirsiche, Feigen, Oliven und Wein an. Sie stellen Bienenkästen auf und züchten Kaninchen, Hühner laufen ständig zwischen ihren fünf freistehenden Ferienhäusern herum. Die meisten ihrer Produkte bereiten sie in der Taverne zu, die auch noch zu ihrem >Lithies< genannten Anwesen gehört.

Im ganzen Land hat Guest Inn inzwischen 63 Mitgliedsbetriebe. Das Regionenspektrum reicht von Thrakien über Makedonien bis zum Epirus, von Korfu und Zakinthos bis Chios, Lesbos und Limnos. Hinter Guest Inn steckt das Engagement von zwei Frauen. Peggy Balitsari, Maniotin aus Piräus, und Lise Rapin aus Versailles. Sie lernten sich 1993 in Paris kennen, wo Peggy insgesamt 15 Jahre als Managerin touristischer Unternehmen und Lise als Inhaberin eines Reisebüros lebten. Sie beschlossen 2003, die Idee des ländlichen Urlaubs, wie ihn in Frankreich der Marketing-Verband >Gites de France< und in Großbritannien >Farm Stay UK< propagiert, an Ägäis und Ionisches Meer zu übertragen.  Bei der Auswahl der Mitglieder gehen die beiden starken Frauien keinerlei Kompromisse ein: Pensionswirte müssen sich vor allem für die Idee begeistern, Urlaubern mehr als nur eine Unterkunft zu bieten.

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