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Die Eselsfarm von Kefallonia

Von Klaus Bötig | 8.November 2016

Katharina Fehring lebt seit 2012 ständig auf Kefallonia, der größten der Ionischen Inseln. Aufgewachsen ist sie auf einem Bauernhof zwischen Paderborn und Kassel in Ostwestfalen. Pferde waren als Kind ihre große Leidenschaft, schon mit vier Jahren besaß sie 1988 ihr erstes eigenes Pony. Später arbeitete sie als Heilpädagogin in einem Münchner Kinderheim. Der Pferde wegen kam sie erstmals nach Griechenland, volontierte im Reitstall einer Bayerin ganz in der Nähe ihres heutigen Wohnorts Grizata. Danach ging sie erst einmal wieder nach Süddeutschland zurück, träumte jedoch von einem Leben in Hellas. 2012 war es soweit. Inzwischen hatte sie ihren heutigen Mann Christos kennengelernt, der bei OTE beschäftigt ist. Dessen Vater war Viehzüchter und Metzger, besaß in Grizata schon einen eigenen Stall. Da war es kein Problem, die Genehmigung für ihr Vorhaben zu bekommen: Auf Kefallonia Esel zu halten und Eselswanderungen für Urlauber anzubieten. Heute stehen fünf graue Eminenzen in ihrem Stall.

Drei hat sie vorbeiziehenden Roma abgekauft, eine ihrem Tierarzt auf dem Festland und einen weiteren einem heimischen Bauern. Ihre Nachbarn sind tierliebende Briten, die sich an den Unterhaltungen der Esel nicht stören.

Katharina fühlt sich inzwischen ein wenig als Bewahrerin griechischer Traditionen. Die Bauern hier halten kaum noch Esel. Für die Landwirtschaft braucht man sie nicht mehr, zum Renommieren sind Pferde viel besser geeignet. So hat sie auf der Insel auch keinen Mentor mehr gefunden, der sie in die Geheimnisse der Eselei einführen konnte. Selbst ihr Tierarzt musste sich erst einlesen. Inzwischen sind beide Experten. Einmal jährlich kommt der Veterinär zur Impfung gegen Tetanus und Grippe. Die Grippeimpfung ist besonders wichtig, denn 90% der Grippeerkrankungen verlaufen bei Eseln tödlich. Einmal jährlich wird entwurmt  und einmal im Jahr kommt der Zahnarzt. Drei Stunden täglich ist Katharina mit den Eseln beschäftigt, Stallreinigung inklusive.

Die Tiere sind zwar die Leidenschaft der jungen Frau, die sich zudem auch noch um ihren einjährigen Sohn Achilleas kümmern muss, aber nicht nur ihr Hobby. Sie will damit auch Geld verdienen und zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Darum bietet sie Urlaubern Wanderungen mit den Eseln an. Route und Dauer können frei gewählt werden, von der einstündigen Schnuppertour bis zur Ganztagestour ist alles möglich. Kinder und alle, die weniger als 55 kg wiegen, dürfen aufsitzen – für Schwergewichtigere tragen die Esel das Handgepäck und das Picknick. Katharina geht immer mit, denn die Tiere können recht stur sein. Sie erklärt unterwegs Flora und Fauna, führt die Reisenden zu alten Wassermühlen und Dreschplätzen, macht sie vor allem aber auch mit den Eigenarten der Vierbeiner vertraut. Sie kann aus deren Ohrenstellung ablesen, was sie gerade bewegt und was sie im Schilde führen und weiß zu erzählen, dass Muttertiere nur dann Milch geben, wenn sie ihren Nachwuchs im Auge haben. Darum hat sie auch die anderswo in Griechenland schon verwirklichte Idee verworfen, Kosmetika aus Eselsmilch zu produzieren. Ihr Traum ist ein anderer. Sie will demnächst therapeutisches Eselreiten anbieten, also ihre Leidenschaft mit dem erlernten Beruf verbinden. Einen ersten Interessenten dafür hat sie schon: Die auf der Insel lebenden Eltern eines autistischen Kindes.

Infos: www.donkeytrekkingkefelonia.com

 

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