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Ein Deutscher auf Rhodos: Frank Erner

Von Klaus Bötig | 4.April 2016

Als farbenblinder Autolackierer lebte Frank Erner im Sauerland. Da lernte er ein Mädchen aus Kreta kennen und flog mit ihr dorthin. Es folgte die zweite Liebe auf den ersten Blick: Auch die Insel schlug ihn sofort in seinen Bann. Er heiratete und siedelte in die Heimat des Minos um.

In jenen Vorkrisenzeiten fand er dort schnell einen Job in seinem erlernten Beruf. Doch schon nach einem Jahr verlor er durch einen Arbeitsunfall ein Auge. Versichert war er nicht, keine Krankenkasse trug die Behandlungskosten. Frank war arbeitslos und arm, aber weiterhin glücklich.

Doch dann starb auch noch ganz jung seine kretische Frau. Er kehrte seiner neuen Heimat dennoch nicht den Rücken, blieb und fand bald eine zweite Frau aus einem anderen kretischen Dorf. Die Glückssträhne hielt an. Als Wanderführer für deutschsprachige Gruppen auf Kreta verdiente er nicht nur sein Brot, sondern fand auch berufliche Erfüllung. Vier Kinder machten aus dem Paar eine Familie.

Schließlich kam die Krise. Und viele der Urlauber blieben aus, hatten zunächst Furcht vor angeblicher Deutschenfeindlichkeit und dann vor leeren Bargeldautomaten und Ladenregalen. Frank wollte seinen Platz im Paradies jedoch nicht aufgeben. Aber all seine Versuche, die Familie durch Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten, scheiterten. Deutschlands relativ gutes Sozialsystem hielt den Rettungsanker bereit. Die fünfköpfige Familie zog ins Sauerland um. Nur die älteste Tochter blieb auf Kreta zurück. Hartz IV und zwei eifrig ausgeübte Minijobs boten die finanzielle Absicherung, aber nicht die von Kreta gewohnte menschliche Wärme. Glücklich wurden weder Frank noch seine zweite Frau und seine Kinder im sozial abgefederten Sauerland.

So musste Frank nicht lange überlegen, als ihm eine rhodische Reiseagentur im Winter 2014/15 das Angebot machte, für sie auf der Insel des Sonnengotts als Wanderführer tätig zu werden. Die Familie zog wieder einmal um. Zwar nicht aufs geliebte Kreta, aber zumindest in dessen Nähe. Agenturbesitzer Vassilis kümmerte sich um alle Formalitäten. Die Familie bekam sofort ihr neues Heim, gleich hinter Vassilis Haus. Familie Erner fühlte sich umgehend im Schoße der neuen Großfamilie geborgen, zu der Agenturchef Vassilis, seine Frau sowie die beiden Söhne gehörten, die im väterlichen Betrieb als Busfahrer tätig sind. Am Tisch sitzen zum Essen aber meist noch mehr Leute, denn andere Verwandte, Freunde oder Mitarbeiter gesellen sich häufig dazu. Bei soviel Philoxenia, also Gastfreundschaft, fühlt sich Frank schon wieder fast so wohl wie auf seinem geliebten Kreta. Er empfindet sich jetzt als Grieche, nicht mehr als Kreter.

Doch in diesem Jahr muss er sich schon wieder etwas Sorgen um seine Zukunft machen. Die Buchungslage der Agentur ist heuer deutlich schlechter als im Jahr zuvor. Viele deutsche Urlauber hegen die nahezu unbegründete Angst, auf Rhodos während der schönsten Stunden des Jahres auch noch mit dem Flüchtlingsthema konfrontiert zu werden. Die fünf von der EU geforderten Hotspots wurden ja auf Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos eingerichtet – nicht aber auf Rhodos. Doch Rhodos leidet ebenso wie Kreta, Mykonos, Santorin oder gar das kleinasienferne Korfu unter dem Generalisierungswahn manch deutscher Medien.

Aber Frank hat nicht wirklich Angst. Sein Chef Vassilis möchte ihn auf jeden Fall auf Rhodos halten. Kommen keine deutschen Wanderer, muss er eben Büro- und andere Arbeiten für ihn erledigen. >Auf magere folgen immer wieder fette Jahre<, weiß Vassilis von seinem Popen. Und dann werden wieder gute Wanderführer gebraucht.

 

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