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Ein Tag mit Sogambros in Athen

Von Klaus Bötig | 27.Januar 2016

Hellas ist ein Land der Unikate. Mein Freund Sogambros, im Sommer letzten Jahres 83 geworden, ist so eins. Der Tavernenwirt vom chalkidikischen Berg Cholomondas hatte vor einigen Jahren Ärger mit einem bestechlichen Lebensmittelpolizisten. Zusammen mit seinem Sohn Christos (jetzt 50) nahm er den Nachtzug von Thessaloniki nach Athen. Ich holte beide am Bahnhof ab, wir fuhren mit der Metro ins Hotel zum Frühstück. Danach ging es mit der Metro weiter zum Innenministerium. Sogambros redete so lange auf den Mann am Empfang ein, bis der im Vorzimmer des Innenministers anrief und Sogambros den Hörer übergab. Fünf Minuten später hatte Sogambros einen Termin beim Minister für 17 Uhr nachmittags, um mit ihm das Polizistenproblem zu regeln.
>Jetzt nach Piräus<, rief Sogambros, >aber mit dem Taxi!<. 40 Minuten später setzte uns der Fahrer vor einem großen privaten Fernsehsender ab. Da kannte Sogambros eine Journalistin, die schon einmal samt Freundeskreis (parea) in seiner Waldtaverne eine gute Zeit gehabt hatte. Die wollte er bitten, einen Film über sein Problem zu drehen, doch sie war nicht da. Wir warteten 30 Minuten in der Lobby; der Pförtner wurde zum nächsten Kiosk geschickt, um für mich Zigaretten zu holen. Inzwischen war Sogambros hungrig geworden. Er kannte die Plaka nicht, von der ich ihm schon viel vorgeschwärmt hatte. Schon saßen wir wieder im Taxi, Ziel Plaka. Wir gingen in eine Taverne, mit deren Wirt Nikos ich befreundet bin. >Stell den Tisch voll<, sagte Sogambros und öffnete dann den kleinen, alten Lederkoffer, den er schon den ganzen Tag von seinem Sohn herumtragen ließ. Der Wirt musste sich zu uns setzen, während dessen Frau die Mezedakia auftrug. Sogambros zog aus dem Koffer Hunderte von Ansichtskarten hervor, die ihm zufriedene Gäste aus aller Welt geschickt haben. Ein paar Gästebücher waren auch im Gepäck, dazu ein kurzer TV-Film als Video, den ein nordgriechischer Fernsehsender mal über Sogambros und sein Umfeld gedreht hat. Zeus sei Dank hatte Nikos, der Athener Wirt, kein Abspielgerät zur Verfügung. So kamen wir doch noch zum Essen.
Danach fühlte sich Sogambros müde. Wir gingen ins nahe Hotel. Auf dem Weg dorthin erzählte er mir von seiner nächsten anstehenden Reise. Weil Nachbarn ihm sein Tavernengrundstück streitig machten, wolle er mit seinem Sohn Christos nach Ankara fliegen und dort mit einem türkischen Freund ins Nationalarchiv gehen. Er habe gehört, da liege ein osmanisches Grundbuch aus der Zeit um 1870. Darin wäre mit Sicherheit belegt, dass das Grundstück schon damals seiner Familie gehörte.
Im Hotel legte sich der alte Mann erst einmal aufs Ohr – und schlief bis zum nächsten Morgen um 4 Uhr durch. Beim Innenminister könne er ja am nächsten Morgen noch einmal wegen eines Termins vorbeischauen, erklärte er ganz gelassen. Er ist dann aber doch lieber nach Hause gefahren. Das Problem mit dem Polizisten wurde später vom Gericht zu Sogambros’ Gunsten geregelt – und die Grundbuchauszüge aus Ankara liegen inzwischen – aus dem in arabischer Schrift verfassten Türkischen amtlich ins Griechische übersetzt – auch einem Richter vor. Dumm nur, das es vor 150 Jahren noch kein GPS gab: Für die Beschreibungen von Grundstücksgrenzen in diesem Grundbuch mussten längst abgerissene Schuppen und inzwischen gefällte Bäume herhalten.
Sogambros ist trotzdem voller Zuversicht für sich und sein Land. Er hat in seinen 83 Lebensjahren so viele Probleme gemeistert, so viele Politiker reden hören und so viele Versprechungen sich in Luft auflösen gesehen, dass ihn nichts mehr erschüttern kann. Er hat ja Familie und Freunde, da bekommt man schon irgendwie Alles geregelt…

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