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Griechische Ikonen der Osterzeit – Kreuzigung und Hadesfahrt

Von Klaus Bötig | 29.Februar 2012

 

Die Ikonen der orthodoxen Kirche sind keine Sakralbilder im westlichen Sinn. Hier geht es nicht darum, biblische Ereignisse als historisches Geschehen wie in einer Art Armenbibel darzustellen, sondern theologische Wahrheiten zu verkünden. An den beiden wichtigsten Ikonen der Osterzeit wird das besonders deutlich.

 In der Welt der Ikonen findet sich beim Kreuzigungsbild die größte ikonographische Vielfalt. Der Charakter dieser Szene reicht vom stillen Meditationsbild bis hin zu hochdramatischen Darstellungen. Die schlichtesten Bilder zeigen nur eine Dreiergruppe: Christus am Kreuz, Maria und den Lieblingsjünger Johannes. Christus hängt am Kreuz mit der INBI-Tafel (INBI statt INRI, weil das lateinische >Rex< dem griechischen >Basileos< entspricht. Christi Körper bildet eine nahezu perfekte S-Form. Dadurch knicken die Arme nach unten ein. Die Daumen sind gen Himmel abgespreizt. Die Füße ruhen auf einem Podest, das Haupt ist auf die Schulter gesenkt, die Augen sind geschlossen. Maria und Johannes, die Trauergemeinde repräsentierend, sind im Trauergestus wiedergegeben.

Mit dieser Darstellung wird der wahrhaft leibliche Tod Jesu zum Ausdruck gebracht. Trotzdem wird auch die göttliche Natur Christi angezeigt: im würdevollen Tod. Anders als in der westlichen Kunst wird Christus auf klassischen Ikonen nie als Schmerzensmann gezeigt; auch nie als Objekt der Verspottung mit der Dornenkrone. Aus den Fußmalen Christi fließt Blut auf einen Totenschädel hinunter. Er liegt in einer Höhle, über der das Kreuz errichtet wurde. Es ist der Schädel Adams im Totenreich, der durch Christi Blutopfer zum ewigen Leben erweckt werden wird. Damit wird stellvertretend der ganzen Christenheit die Erlösung verheißen.

Zu diesen rudimentären ikonographischen Elementen kann eine ganze Reihe weiterer treten. Die Kreuzigungsszene kann vor die stilisierte Stadtmauer Jerusalems gesetzt sein. Aus den Wunden können Blut und Wasser fließen als Anspielung auf die Vermischung von Wasser und Wein in der Abendmahlsfeier. Zur Rechten des Kreuzes kann der römische Soldat Longinus mit der Lanze stehen, zur Linken Stephaton mit dem Schwamm. Der Blutstrahl aus der Brustwunde kann von einer kleinen Figur mit einer Schale aufgefangen werden, wobei diese Figur dann die christliche Kirche repräsentiert. In diesem Fall ist dann noch eine zweite Personifikation zu sehen, die gerade von einem Engel weggeführt wird: die jüdische Synagoge.

Das Auferstehungsbild der Ostkirche ist die Darstellung von Christi Abstieg in die Unterwelt. Ohne Zweifel klingt hier der antike Mythos von der Hadesfahrt des Herakles nach. Christus steigt, von einer Aureole umgeben und von einem Nimbus bekrönt, in die Unterwelt hinab. Er dringt gewaltsam in das Reich des Hades ein, wie die herumliegenden, aufgebrochenen Türschlösser, die Nägel und Beschläge beweisen. Er steht auf den herausgebrochenen Pforten der Unterwelt, die meist kreuzförmig auf dem Boden liegen und so die Erlösung der Menschen durch den Kreuzestod Christi andeuten.

Als erstem reicht Christus dem Stammvater der Menschheit, Adam, die Hand und zieht ihn aus seinem Sarkophag hervor. Hinter Adam steht wartend Eva. Auf der anderen Seite harren die alttestamentarischen Könige David und Salomon aufrecht stehend ihrer Erlösung. Manchmal ist ihnen noch Johannes der Täufer beigegeben, wie die Szene überhaupt durch weitere wartende Tote erweitert werden kann. Manchmal liegt inmitten der Türschlösser auch noch der gefesselte Satan als Sinnbild der Sünde, während Christus Hades, das Sinnbild des Todes, mit seinen Füßen niederhält.

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