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Klöster in Griechenland – Erlebnisse im ganzen Land

Von Klaus Bötig | 4.Januar 2012

Es gibt griechische Klöster, die weltberühmt sind. Allen voran die 20 Klöster in der Mönchsrepublik Athos auf der Halbinsel Chalkidiki. Und gleich danach die sechs Frauen- und Männerklöster auf den Meteora-Felsen beim thessalischen Städtchen Kalambaka. Hunderte anderer Klöster sind übers ganze Land und seine vielen Inseln verteilt – und aus ganz unterschiedlichen Gründen einen Besuch wert.

ie Athos-Klöster gehören zwar mit ihrer teilweise über 1000-jährigenGeschichte zu den ältesten und kunsthistorisch wertvollsten des Landes, sind dem normalen Reisenden aber nicht zugänglich. Für den Besuch der Mönchsrepublik, in der zur Zeit etwa 2300 fromme Männer leben, werden nur Männern streng limitierte Visa erteilt. Die sechs noch existierenden Meteora-Klöster, teils von Nonnen, teils von Mönchen bewohnt, locken vor allem mit ihrer einzigartigen landschaftlichen Lage auf Felsspitzen und –knollen hoch über dem Pinios-Tal, sind im Sommerhalbjahr jedoch täglich Ziel Dutzender Ausflugsbusse und Hunderter Auto- und Wohnmobilreisender. Jetzt im Winter allerdings herrscht dort weitgehend Ruhe. Und wenn die auf der anderen Seite des Pinios-Tals fast 2500 m hohen Gipfel des Pindos-Gebirge mit Schnee bedeckt sind, ist der Fernblick in winterklarer Luft noch reizvoller als in der warmen Jahreszeit.

 Im Sommer nehmen sich die Mönche und Nonnen der Meteora-Klöster kaum einmal Zeit, mit Fremden zu reden. Im Winter kann das anders sein. Eines kühlen Morgens fuhr ich mit meinem Auto zum Kloster Agios Stefanos und nahm unterwegs eine fromme Schwester auf, die Holz und Reisig gesammelt hatte. Zum Dank durfte ich mich dann im Kloster mit ihr bei einem Tässchen Kaffee unterhalten. Generell ist auch in den Klöstern wie überall die Offenheit gegenüber Fremden ganz unterschiedlich. Einige wenige Klöster wie das Gipfelkloster Profitis Ilias auf Santorin oder das Nonnenkloster Agii Theodori auf Paros lassen überhaupt keine Urlauber ein, weil ihnen bei der hohen Besucherzahl der Insel sonst überhaupt keine Ruhe mehr bliebe. Etwas häufiger sind Männerklöster wie das Kloster Limonos auf Lesbos, wo Frauen kein Zutritt zur zentralen Klosterkirche gewährt wird oder wie das festungsartige Kloster Longovardas auf Paros, zu  dem Frauen überhaupt keinen Zutritt haben. Wenn da die männlichen Partner allein hinein gehen und mit einem Mönch ins Gespräch kommen, kann es aber durchaus passieren, dass der Kaffee kocht und mit dem Tablett zusammen mit den Männern vors Klostertor geht, um auch die Damen zu bewirten. Letztlich gibt es ganz selten auch Nonnenklöster, die Männern den Zutritt weitgehend verweigern: das Kloster Genesis tou Christou  bei Argos auf dem Peloponnes zum Beispiel.

Eine einmalige Regelung haben die Schwestern im Kloster Agia Ekaterini auf Kalymnos getroffen: Zu ihnen haben zunächst einmal nur Männer Zutritt. Frauen, ob nun Griechinnen oder auch Ausländerinnen, sind ihnen einfach zu häufig zu knapp bekleidet. Deswegen lassen sie auch keine Hochzeiten und Taufen in ihrem Konvent mehr zu: Gerade die Gäste solcher Feierlichkeiten betonen ihnen ihre Dekolletees zu stark. Erweckt der männliche Besucher jedoch den Eindruck, eine sittsame Frau zu haben, wird die oft nachträglich ins Kloster gebeten….

In der Regel aber stehen griechisch-orthodoxe Klöster grundsätzlich allen Besuchern offen. Ob es zu einer nachhaltigen Begegnung mit Mönchen oder Nonnen kommt, ist freilich von vielerlei Faktoren abhängig – schließlich haben Brüder und Schwestern ja noch mehr zu tun, als Besuchern gegenüber freundlich zu sein. Bei einem Besuch im Kloster Kiras ton Angelon auf Korfu erwies es sich als hilfreich, dass ich einer Schwester, die gerade mit der Äbtissin beim Frühstück saß, Grüße von ihrem Bruder aus Deutschlandüberbringen konnte, der in einer westdeutschen Universitätsstadt ein griechisches Restaurant betreibt – eine Einladung zum Frühstück inklusive einem Schuss Ouzo im Kafedaki. Immer hilfreich ist ein gutes Gespräch. Im Kloster Paleokastro auf Mykonos führte es sogar zu einem unvorhersehbaren Vertrauensbeweis. Die damals einzige Nonne im Kloster beschenkte Pilger und Besucher gern mit einem kleinen, besonders guten Schokoladentäfelchen. Die Schokolade bezog sie regelmäßig per Post. Nun musste wieder einmal eine Rechnung beglichen werden. Die Schwester verschwand für ein paar Minuten und kehrte mit einem Plastikbeutel voller Münzen und kleiner Scheine zurück, insgesamt mehr als 500 Euro. Die sollte ich doch bitte für sie auf der Bank einzahlen, sie habe keine Lust, unter die Menschen zu gehen. Von mir kannte sie gerade einmal den Vornamen….

Besonders erfreut über Besucher sind naturgemäß Konvente, deren Bewohner selbst landwirtschaftliche Produkte erzeugen oder Handarbeiten fertigen und ihre Waren im Klosterladen verkaufen. Schon fast ein Supermarkt für Kunsthandwerk und Kulinaria ist der Kloster-Shop des weit über 100 Schwestern zählenden Nonnenklosters Evangelismos bei Ormilia auf der Chalkidiki. Sehr viel bescheidener ist das kleine Geschäfte am Innenhof im Kloster Megali Panagias auf Samos: Mit Honig, Weizengrieß, Kräutern und Olivenöl finanzieren die wenigen Mönche dort die Renovierung ihres Klosters, die sie größtenteils eigenhändig durchführen.

Die Gründe für einen Besuch griechischer Klöster können ganz unterschiedlich sein. Wer vor allem hervorragenden Zeugnisse byzantinischer Kunstgeschichte und Architektur auf der Spur ist, wird das Johannes-Kloster auf Patmos mit seiner Schatzkammer voller wertvoller illuminierter Handschriften und Ikonen nicht missen wollen, das Kloster Nea Moni auf Chios mit seinen prächtigen mittelbyzantinischen Mosaiken besuchen. Naturliebhaber schätzen Konvente in einzigartiger Lage wie die Klöster Gouverneto und Agia Triada bei Chania auf Kreta oder das große Kloster Proussos in Evritanien nicht missen wollen. Wahrhaft atemberaubend an steilen Fels geklebt erscheinen Konvente wie das schneeweiße Kloster Chozoviotissa auf Amorgos hoch über der Ägäis, das Kloster Mega Spileo in der Provinz Achaia auf dem Peloponnes oder das besonders wild-ursprünglich wirkende Kloster Agios Ioannis Prodromos im arkadischen Lousios-Tal nahe Dimitsana Da bedarf es beim Begehen der langen Holzbalkone wahrhaftes Gottvertrauen. Auch Geschichtsbewusste finden unter den Klöstern bedeutende Ziele. Im Kloster Agia Lavra bei Kalavryta auf dem Peloponnes rief Bischof Germanos von Patras die Griechen 1821 zum Aufstand gegen die Osmanen auf, im Kloster Evangelistria auf Skiathos wird die älteste blau-weiße griechische Nationalflagge gezeigt, die die Mönche hier schon 1807 hissten. Das Kloster Arkadi auf Kreta ist den Kretern wegen seiner Bedeutung in den Freiheitskämpfen Nationalheiligtum, eine fast gleichrangige Rolle spielt das Kloster Preveli an Kretas Südküste wegen seines heldenhaften Einsatzes im kretischen Widerstands gegen die deutschen Besatzer.

Um das bunte Treiben der Pilger zu beobachten, sind das ganze Jahr über die Panagia auf Tinos und das Kloster Agios Raffail auf Lesbos die richtigen Orte. Und wer selbst ein Anliegen an den Himmel hat, wird oft ganz unvermutet fündig: Als unsere damals 7-jährigeTochter wegen eines Hüftgelenkschadens eine Beinschiene trug, kamen wir zufällig ins Kloster Agia Markella auf Chios. Und da hingen doch tatsächlich Dutzende solcher Beinschienen von der Decke! Wir baten die Nonne, die uns schon länger beobachtet hatte, um Auskunft: Durch die Heilige geheilte Gläubige hatten sie dem Kloster gestiftet. Wir baten die Nonne, für uns ein Gebet zu verrichten, ein Votivtäfelchen mit einem Bein darauf auf unserer Tochter Bein zu reiben und dann an die Markella-Ikone zu hängen. Ein paar Wochen später befreite der Arzt unsere Tochter als geheilt von ihrer Schiene…

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