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Kreta: Jorgos Düsentrieb vermietet seine Wohnung bei Iraklio

Von Klaus Bötig | 17.Juli 2016

Jorgos Düsentrieb ist ein waschechter Kreta. Seine große Leidenschaft ist die kretische Musik, er spielt viele Instrumente. Sein bißchen Geld hat er mit der Installation von Sonnenkollektoren und Photo-Voltaik-Anlagen verdient. Reich ist er damit nicht geworden. Darum vermietet er jetzt ganzjährig über airbnb auch seine Wohnung an Urlauber und Überwinterer. Er selbst zieht in die untere Etage seines Hauses, wenn er Gäste hat. Das Haus steht im winzigen Dorf Athanati bei Iraklio. Da gibt es sonst keine anderen Fremden – und noch nicht einmal ein Kafenío. Familienanschluss auf Wunsch ist garantiert, ein eigenes Fahrzeug (Moped oder Auto) dringend notwendig. Ich habe selbst drei Nächte bei Jorgos verbracht – und mich pudelwohl dort gefühlt. 

>Da kommt er wieder: O Trellós<. So denken Viele in Iraklio, wenn sie Jorgos Falatakis erspähen. Der sieht die Sache anders. >Mein Herz ist ein Magnet, zieht die Verrückten an!<, ist er sich sicher. O Trellos (der Verrückte) ist trotzdem einer der Spitznamen, den Jorgos trägt. Spitznamen gehören zu jedem Griechen. Andere nennen ihn auch Jorgos Düsentrieb oder MacGyver. So, wie jener Held der US-Fernsehserie aus den 1980er Jahren, gibt es nichts, was er nicht reparieren kann. Und wie Daniel ist er auch äußerst erfinderisch. Bestes Beispiel dafür ist sein Fahrrad.

Jorgos muss schon lange nicht mehr schweißtreibend in die Pedale treten, wenn er durch Iraklio fährt. Er verpestet aber auch nicht wie die vielen Mopeds die Luft. Er setzt auf die Hilfe des Sonnengottes. Aus dem Zweirad machte er ein Dreirad, und installierte auf der so neu gewonnenen breiten Hinterachse eine kleine Solaranlage.

Er war einer der Ersten, der in Griechenland Häuser mit Solarenergie ausrüstete. Ganze Doppelseiten in Zeitschriften und etliche Stunden Fernsehreportagen waren das Ergebnis. Als die Industrie des Helios dann florierte, machte er seine Werkstatt jedoch dicht. Sein Haus war abbezahlt, die beiden Kinder groß und außer Haus. Hohe Stromrechnungen hatte er nicht zu befürchten, und sein kleiner Garten würde ihn und seine Frau schon ernähren, dessen war er sich sicher.

Die Hausse der riesigen Solarparks, viel Arbeit und das große Geld gingen so an ihm spurlos vorbei, nicht jedoch die großen Feste. Die liebt und sucht er. Er selbst spielt Laouto, Bouzouki und Gitarre. Eins der drei Instrumente nimmt er zu jedem Fest mit – und eins auch immer auf Reisen.

Letztes Jahr war die Laouto mit dabei, als er sich mit seinem Moped von Piräus auf den Weg zum heiligen Berg Athos machte (wo er schon mehr als 20 mal als Pilger war und einmal gar Solaranlagen für ein Kloster installierte). Viele der Stopps, die eigentlich nur als kurze Pause gedacht waren, endeten als kleines Fest. Jorgos kennt die Lieder vieler griechischer Regionen. Vielen derer, die er zehn Minuten vorher noch gar nicht gekannt hatte, kam es vor, als ob sie schon oft mit Jorgo zusammen gesessen und gesungen hätten. Eines dieser Feste dauerte bis spät in die Nacht. Die Einladung der Gastgeberin, auf ihrem Sofa zu schlafen, lehnte er jedoch strikt ab. Da er wie immer nur einen Raki getrunken hatte, könne er ja noch fahren und würde diese Nacht lieber an einem nahe gelegenem Strand verbringen. Mit viel Überredungskunst gelang es den Anwesenden, ihn doch zum Bleiben zu überreden. Statt aufs Sofa legte er sich davor auf den Boden.

Zu Hause wie auf Reisen trägt Jorgos fast nur seine Mechaniker-Kleidung. Die Weste ist immer die gleiche, aber nicht die selbe: Er hat mehrere von der, die ihm am praktischsten erscheint. Reichlich Werkzeug führt er auf Reisen immer mit sich. Damit kann er so manche Panne am Straßenrand beheben oder neuen Bekannten den Wasserhahn reparieren. Seine größte Rettungstat bewirkte er nach eigenem Empfinden auf dem heiligen Berg Athos. Da war er mit einem deutschen Freund unterwegs. Der trug an seinen Füßen keine Socken und wäre deshalb fast von der Sittenpolizei der Mönchsrepublik des Gartens Marias verwiesen worden. Doch Jorgo hatte Ersatzsocken dabei – natürlich die gleichen wie die, die er an den Füßen trug. Der Deutsche nennt Jorgos inzwischen seinen besten Freund und hat einen neuen Spitznamen für ihn bereit: Jorgos Sorbas.

 

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