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Leben in der Steinzeit: Choirokoitia auf Zypern

Von Klaus Bötig | 28.November 2012

 

Chirokítia war eine von vielemn steinzeitlichen Siedlungen Zyperns. 17 andere Grabungsstätten haben die Archäologen schon mit großer Wahrscheinlichkeit in die gleiche Kulturstufe verwiesen, über fünfzig weitere gehören vielleicht ebenfalls dazu. Für den Laien ist freilich keine jener Ausgrabungen auch nur annähernd so anschaulich wie die von Chirokítia.

  Die Lage der Siedlung war gut gewählt. Das neolithische Dorf lag an einem teilweise von einem Fluss umflossenen Hügel. Das Flussbett spendete den Menschen Trinkwasser und lieferte die zum Bau der Rundhütten und zur Herstellung von Gefäßen benötigten Steine. Keramik kannte man in der ersten Phase von Chirokítia, die vermutlich bis 6000 v.Chr. währte, noch nicht. Die Entfernung zum Meer war so gering, dass man auf Muscheln, Fische und Krebse als Nahrungsmittel zurückgreifen konnte; andererseits schuf die Nähe zum waldreichen Gebirge bequeme Jagdmöglichkeiten auf Dam- und Rotwild. Pfeilspitzen aus Feuerstein für die Jagd wurden in Chirokítia ebenso gefunden wie Muschelschalen. Spuren von Speiseresten geben weiteren Aufschluss über den Speisezettel der Steinzeitmenschen: Schafe, Ziegen und Schweine wurden domestiziert, Weizen, Gerste, Linsen und Erbsen angebaut. Wildwachsende Pflanzen, Pistazien, Feigen und Oliven ergänzten das Nahrungsmittelangebot.

  Dass Chirokítia sogar schon Fernhandelskontakte unterhielt, scheinen hier gefundene Obsidianstücke zu beweisen. Das glasartige, dunkle Lavagestein kommt auf Zypern nicht vor, sondern stammt wahrscheinlich aus Kleinasien oder von der Kykladeninsel Mílos.

  Wie die ca. 1000 Chirokitier wohn-ten, lässt sich an den bisher freigelegten Rundhütten deutlich ablesen. Was den Besucher verwirren kann, sind die vielen einander überschneidenden Mauern: Der heutige Anblick repräsentiert ja nicht den Bauzustand eines bestimmten Jahres. Die Archäologen haben sich vielmehr durch viele verschiedene Schichten hindurchgegraben, die Zeugnis von jahrtausendelanger Bautätigkeit in Chirokítia ablegen. Die insgesamt über fünfzig Hütten sind unterschiedlich groß und bringen es auf einen Durchmesser von bis zu
10 m. Die Mauern sind bis zu 3 m stark aus unbeschnittenen Steinen, Schotter, Stampferde (Pisé) und ungebrannten Lehmziegeln aufgerichtet. In einigen Häusern trugen Pfeiler aus Steinen, Pisé oder Lehmziegeln hölzerne Emporen von halber Raumgröße. Solche Emporen findet man heute noch in alten zypriotischen Bauernhäusern auf Balken errichtet, z. B. im Geburtshaus des Erzbischofs Makários in Panagía. Die Dachform der Rundhütten ist unter Archäologen umstritten. Offenbar gab es sowohl Hütten mit flachen als auch mit konisch gewölbten Dächern. Zum Dachbau wurden Materialien wie Holz, Schilfrohr und Lehm verwendet.

  Über die religiösen Vorstellungen und Gebräuche jener Zeit wissen wir nur wenig. Im Boden zahlreicher Hütten fanden die Archäologen Gräber, in einer Hütte gar Überreste von 26 Bestattungen. Daraus konnte man auf eine durchschnittliche Lebenserwartung von etwa 35 Jahren schließen. Die Toten lagen in zusammengekrümmter Haltung im Grab. Aus dieser ›Embryonalhaltung‹ schließen manche Forscher, dass die Chiriokitier an eine Wiedergeburt der Toten glaubten. Mehrere Tote waren aber auch mit großen Steinen beschwert, als habe man ihre Wiederkehr befürchtet. Als Grabbeigaben fand man – zumeist zerbrochen – Steingefäße sowie in den Frauengräbern schöne Ketten aus Karneol und Röhrenmuscheln.

  Bislang musste aber die Frage offenbleiben, warum man aus so vielen Jahrtausenden nur so wenige Gräber und Skelette entdeckte. Kann es sich bei den derart Bestatteten vielleicht um rituelle Menschenopfer gehandelt haben?

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