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Neuer deutsch-griechischer Verein in Nafplio

Von Klaus Bötig | 13.Oktober 2017

Julia-Konstantina Bretschneider hat Griechenlands ersten König nach eigenem Empfinden schon mit der Muttermilch in sich aufgesogen. Sie wurde vor 35 Jahren nur zehn Minuten von Ottobrunn entfernt geboren. Da nahm 1832 der 17-jährige Otto Abschied von seinem Vater König Ludwig von Bayern, um in Nafplio auf dem Peloponnes den neugriechischen Thron zu besteigen.  2009 folgte ihm Julia in den Heimatort ihrer Mutter. In München war sie vielseitige Arzthelferin bei einem Star-Gynäkologen. Jetzt verkauft sie Schokolade, geräucherten Knoblauch mit Mastix, Feigensalami mit Orangen und vor allem süße oder nussige griechische Delikatessen in einer schmucken Dolceria. Ottobrunn, inzwischen Partnerstadt von Nafplio, liegt ihr weiterhin am Herzen. Sie engagiert sich dort fürs Otto-Museum und hat dort sogar einmal als Königin Amalia an einem Festzug teilgenommen – bekleidet mit der Kopie eines Festkleides der Gemahlin des ersten griechischen Königs.
2017 startete sie eine neue Initiative: Sie war Initiatorin des Deutsch- griechischen Vereins Filia. Er soll Deutsche und Griechen in und um Nafplio zusammen bringen, die beides in sich haben, Deutsches und Griechisches. Entweder als Gene oder als Virus. Und alle, die sich für König Otto interessieren. 26 Mitglieder hat der Verein jetzt. Man trifft sich, grillt zusammen, genießt Schwarzwälder Kirschtorte, will im Winterhalbjahr auch gemeinsame Ausflüge und Wanderungen unternehmen. Julia schwebt aber auch vor, dank der Binationalität des Vereins europäische Fördergelder beantragen zu können, um gemeinsame Projekte zwischen Ottobrunn und Nafplio anschieben zu können.
Ute Kirchgässer ist ein Gründungsmitglied des Vereins. Die gebürtige Karlsruherin lebt seit 1990 in der Stadt in der Argolis. In Deutschland war sie Übersetzerin für Englisch und Französisch bei Siemens. Jetzt betreibt sie zusammen mit ihrem Mann Jannis >Die schöne Stadt<, eine Altstadt-Pension namens >I Omorfi Poli<. Das historische Haus aus der ersten Hälfte des 19. Jhs. gehört einem Bäcker, der in die Niederlande auswanderte; die Backstube im Haus wurde inzwischen in Familiengästezimmer  verwandelt. Die eigenen beiden Töchter (24 und 25) sind groß. Die eine arbeitet als Physiotherapeutin in Athen, die andere ist Kindergärtnerin und leider arbeitslos, hilft darum kräftig in der Pension und dem zugehörigen Frühstücks-Bistro mit. Ehemann Jannis, gelernter Koch und lange Restaurantbetreiber, will jetzt Bauer werden: Er ist die ständigen Kontrollen durch Marktpolizei und Finanzamtsfahnder leid und möchte nun im gröberen Stil Oregano Pflanzen und vermarkten. Ute ist ganz zur Nafpliotissa geworden, kann sich ein Leben in Deutschland gar nicht mehr vorstellen. Auch für die Töchter war ein Job in >Germania< nie eine denkbare Alternative – und Jannis würde dort wahrscheinlich eingehen.
Als Touristikerin schätzt Ute ein Anliegen ihrer Freundin Julia-Konstantina und des Vereins Filia ganz besonders: Die einstige Anwesenheit König Ottos und der Bayern in Nafplio stärker ins Bewusstsein der vielen Touristen zu bringen. “Selbst bayerische Urlauber”, weiß Ute, “haben davon noch nie gehört”. Der Bürgermeister, ein ehemaliger Sportlehrer, hat zwar erfolgreich einen Nafplio-Marathon etabliert, für Otto und die Bayern aber hat er nicht einmal einen kleinen Topf schwarzer Farbe über: Auf einer Gedenktafel am großen Felsrelief des Bayerischen Löwen ist die eingravierte englische und griechische Inschrift zwar noch gut zu lesen, die deutsche aber mangels Nachschwärzung kaum noch zu entziffern. Naja, vielleicht kümmern sich jetzt ja Ute und Julia-Konstantina darum…

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