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Reise-Tagebuch Griechenland: 27. Juni 2015

Von Klaus Bötig | 27.Juni 2015

8:00 Uhr: Heute hat es tatsächlich geklappt. Ich sitze in München am Gate, gleich geht es weiter nach Athen. Meine Frau bleibt zu Hause, hat dort nette Gesellschaft. Statt ihrer begleitet mich mein Freund Peter. Der spricht kein Griechisch, kennt Griechenland nur von einigen Urlauben her. So werde ich auch berichten können, was ein “ganz normaler” Urlauber in diesen Tagen in Griechenland sieht, denkt und fühlt. Melde mich nachher aus Korinth wieder.

18:20 Uhr: Ich sitze auf der Terrasse der Taverne Marinos in Archea Korinthos (Alt-Korinth) und schreibe am Computer, den die Taverne allen Gaesten kostenlos zur Verfuegung stellt (auch zum skypen) – unvorstellbar in good old Germany. Die Geldautomaten hier sind gut gefuellt, niemand steht dort an. Alle Griechen, mit denen ich heute sprach, sind absolut gelassen, die Schuldzuweisungen an der Krise sind hoechst unterschiedlich. Die Theorien reichen von den USA, die den naechsten Weltkrieg will, deswegen insgeheim den IS finanziert und Europa zusammenbrechen sehen will, bis zur These, alle Politiker seien ohnehin nur Marionettenspieler und wir ihre Marionetten. Deutschfeindlich ist niemand. Der Mann bei AVIS versucht sich freundlich auf Deutsch, die mit mir rauchenden Busfahrer vor der Tuer erzaehlen mir von ihren Verwandten, die in Deutschland leben. Ein Urlauberpaar aus dem Koeln-Bonner Raum, das schon seit ueber einer Woche auf dem Peloponnes unterwegs ist, erzaehlt mir, sie haetten nie Menschenschlangen vor Geldautomaten gesehen, aber auch kaum andere Urlauber, auf Wanderungen sei ihnen oft stundenlang niemand begegnet. Das Wetter ist sehr angenehm, nur 24 Grad und ein erfrischend kuehler Wind. Und die Preise sind immer noch stabil: Fuer einen halben Liter Mythos-Bier vom Fass zahle ich hier 3,90 Euro, fuer ein hausgemachtes Moussaka 7,90 Euro.

Und jetzt steht der Wirt neben mir (ca. 54 Jahre) und fuellt den Kuehlschrank auf. Ich frage ihn, wie er abstimmen wird. NEIN wird er zu den EU-Vorschlaegen sagen. Er habe bisher immer die Sparmassnahmen unterstuetzt, seine Familie habe immer konservativ gewaehlt. Aber tiefer als jetzt koenne Griechenland nicht sinken – und jetzt trete man es noch mit Fuessen. Deswegen rechnet er mit 90% Nein-Stimmen. Was danach wird, weiss er auch nicht.  Es ist ihm auch egal – aber er will sich nicht laenger demuetigen lassen. Nie sei er bisher fuer Tsipras gewesen, aber jetzt stehe er voll hinter ihm…

19:00 Der Wirt hat lange an unserem Tisch gesessen und erzaehlt. “Ich will kein Dieb werden muessen”, sagte er u.a. “Wenn die Mehrwertsteuer auf 23% erhoeht wuerde, muesste ich das an meine Kunden weitergeben. Die koennten sich das Essen zum hoeheren Preis nicht mehr leisten und kaemen nicht mehr. Dann koennte ich meine Taverne schliessen. Und dann koennte ich meine Familie nur noch als Dieb ernaehren. Auch deswegen werde ich NEIN sagen!”

23:57 Uhr: Drei Minuten vor Zwölf, um in der Gläubigersprache zu bleiben. Zeit für ein Fazit des ersten Reisetages. Ich suche mein Notizbüchlein. Was steht drin? Am Ende das Statement meines deutschen Peters: ich habe heute keinen Unglücklichen Griechen gesehen! Aus einer Bar mit Toller Dachterrasse: Sie haben das uralte Che- Poster abgehängt. Der BesitZer hat gewechselt..Die Musik ist immer noch gut, aber keiner versteht ihre Bedeutung mehr..

Zum Schluss ein Gedanke, der mich durchzuckte, als die Sonne zwischen Peloponnes und Festland im Dämmerungsgrau verschwand : Eigentlich nicht schlecht, Berg zu sein und stoisch menschliches Handeln miterleben zu dürfen

Kali nichta sas

O Nikos

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