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Reisetagebuch: 43 Stunden auf Astypalea im Mai 2017

Von Klaus Bötig | 31.Mai 2017

Unglaublich, was man auf Astypalea in nur 43 Stunden erleben kann, welch urigen Familien man begegnet – vor allem, wenn der Besuch von Bettina organisiert wird, die schon seit über 20 Jahren auf der Insel lebt:

Dienstag, 23.5.2017

10:20 Die Nisos Kalymnos legt am alten Kai von Astypalea an. Wir sind zu fünft: Meine Frau und ihre Freundin, unser erwachsener Sohn, meine junge griechische Kollegin Elisa aus Athen und ich. Die Inselgemeinde hat mich eingeladen, Astypalea zu besuchen. Ich hatte es ursprünglich abgelehnt, Unterkunft, Verpflegung und Mietwagen umsonst zu bekommen, weil ich ja drei Nicht-Journalisten dabei habe, und habe nur darum gebeten, mir einen Ansprechpartner zu benennen, der sich gut auf der Insel auskennt. Daraufhin hat man Bettina für mich engagiert. Per Mail haben wir abgeklärt, dass ich besonders an originellen Insulanern interessiert bin. Vor zwei Tagen hat sie mich dann angerufen und mir gesagt, dass sie mich in einem Haus in der Chora direkt an der Burg unterbringen wird und dass darin auch meine Begleiter schlafen könnten. Nein zu sagen war unmöglich.
Dass wir nun auch noch Elisa aus Athen dabei haben, die sich uns kurzfristig angeschlossen hat, irritiert Bettina nicht im geringsten. Sie steht am Kai und führt uns direkt zu einem recht großen Mietwagen, in dem wir alle fünf samt Gepäck Platz haben. Ich muss keinen Mietvertrag unterschreiben, nicht einmal meinen Führerschein vorzeigen. Mich nur ans Steuer setzen und Bettina folgen, die auf ihrem Moped vorausfährt.

10:45 Unser Haus liegt am Ende einer Sackgasse, da haben wir kein Parkplatzproblem. Es ist für 3000 Euro ganzjährig von einer norwegischen Familie angemietet, die es aber nur maximal 12 Tage im Jahr nutzt. Auf der Terrasse ist schon der Frühstückstisch gedeckt; für Elisa werden schnell noch ein Gedeck und ein Stuhl dazwischen geschoben. Bettina produziert selbst außergewöhnliche Marmeladen: Erdbeer-Lavendel oder Zitronen-Thymian zum Beispiel. Zu den Spiegeleiern gibt es amorginisches Meersalz; die ärtliche Zwiebackvariante “kitrinokoulouri” ist gelb, weil mit wildem amorginischen Safran versetzt. Bettina ist Safran-Fan. Das kleine, feine Restaurant, das sie im Juni in Hafennähe eröffnen will, soll denn auch “Safran” heißen.

11:20 Xenoula kommt. Der Vater der jungen Frau ist bei der Straßenreinigung angestellt. Sie spricht gut Englisch, hat auf der Insel ihr Abitur gemacht. Fürs Studium hat das Geld aber nicht gereicht. Heute ist sie arbeitslos. Ihr einziges echtes Interesse ist schon seit dem Kindergarten die Inselgeschichte. Nur darüber sprechen wir in den nächsten zwei Stunden – sie wirkt fast schon autistisch. Sie führt uns durchs Dorf und durch die Burg und zeigt uns anschließend die bedeutenste, erst 1995 emtdeckte archäologische Stätte der Insel: einen antiken Friedhof für Föten und Babies. Mehr darüber demnächst in der Griechenland-Zeitung.

13:20 Wir beziehen jetzt “unser” Haus: Doppelzimmer für Christiane und mich, Hochbett für Jonathan, direkt darunter Ausziehbett für Gila, im Erdgeschoss das Sofa für Elisa. Geht doch…

13.40 Auf zur ersten Inseltour. Jonathan kommt nicht mit, stattdessen klettern Bettina und ihr Hund in den Kofferraum. Zuerst sind drei Strände unser Ziel. An allen dreien sind die Strandtavernen noch geschlossen – die Saison beginnt auf Astypalea erst im Juni. Zwei der Strände (Vatses und Kaminia) sind nur über mittelschwere Pisten zu erreichen – ein Jeep wäre hier besser als unser Dacia-SUV mit Zweiradantrieb.

18:00 Zum Schluss besuchen wir eine Aloe Vera-Farm. Inseltischler Michalis und seine aus England stammende Frau Dafni (einst Deutsch- und Französischlehrerin) haben sie vor 3 Jahren für ihre Töchter Christina (23) und Virginia (27) gegründet. Christina hat Pädagogik studiert, Virginia Anthropologie. Beide hatten keine Berufschancen auf der Insel. Jetzt besitzen sie 6000 Aloe-Pflanzen, aber keinerlei Business-Plan. Bettina wird ihnen etwas Saft für Eis, Mojitos und andere kulinarische Kreationen. Jemand anders wird etwas Aloe für Kosmetika abnehmen, Vater Michalis seine 60 Bienenvölker in der thymianblütenlosen Zeit damit ernähren. Größere Abnehmer fehlen aber noch völlig.

19:30 Wir sind wieder in unserem Haus. Eine Grill-Party ist angesagt. Die Aloevera-Familie kommt, bringt massenweise Fleisch mit.

22:30 War ein schöner Abend. Die Küche ist perfekt aufgeräumt, wir fünf sotzen noch ein wenig. draußen im Dunklen, bewundern den tollen Sternenhimmel und lauschen dazu via App dem Funksprechverkehr zwischen griechischer Flugsicherung und den Fliegern am Nachthimmel. Leider sind viele von ihnen amerikanische Truppentransporter, die zwischen Ramstein und Nahost unterwegs sind.

Mittwoch, 24.5.2017

9:00 Bettina kommt, wir fahren Richtung Vathy. Als erstes besuchen wir eine ganz traditionelle Käserei. Die fast 80-jährigen Inhaber leben auch hier in der Einsamkeit- ohne Strom, WC und fließendes Wasser. Sie haben 200 Ziegen und stellen ihren Käse noch hundertprozentig per Hand her. Georgios stammt von der Insel Pserimos. In den 1950er Jahren besaß er ein Fracht-Kaiki und ist damit von Insel zu Insel gefahren, hat Lebensmittel und Gebrauchsgüter vom Boot aus verkauft. Danach hat er 18 Jahre lang mit seiner Frau Margo und 1000 Ziegen auf der ansonsten unbewohnten Insel Sirna gelebt, bis die Töchter schulpflichtig wurden. Beide haben inzwischen studiert, sind Käseexperten geworden. Für sie hat er eine moderne Maschine für die Käseherstellung gekauft. Sie steht völlig unbenutzt in der Käserei. Die eine Tochter arbeitet in einer Käsefabrik in Athen, die andere betreibt eine Käsehandlung auf Kalymnos. Auf Astypalea wollen beide nicht leben.
Natürlich werden wir reichlich mit Käse bewirtet. Unser Sohn Jonathan kann Käsegerüche nicht ab, bleibt darum draußen. Margo bringt ihm einen Teller mit Kirschen und Aprikosen.

11:30. Wir fahren weiter nach Vathy. Die Straße dorthin ist die am wenigsten befahrene, aber beste der Insel. Die 7,8 km haben den EU-Steuerzahler 3,985 Mio. € gekostet, inklusive Leitplanken, Katzenaugen an den Rändern und im Mittelstreifen. Die letzten 3 km sind dann mittelmäßige Piste: Da haben die Landbesitzer für den Straßenausbau keinen Fitzel Land abgeben wollen.

12:30 In Vathy ist nur eine Taverne geöffnet. Zimmer werden
hier überhaupt nicht mehr vermietet. Die wirtin gibt der neuen Straße eine Mitschuld: Früher war die Fahrt hierher so anstrengend, dass alle einkehrten und manche blieben. Jetzt kommen die Leute mit dem Mietwagen oder -moped, stellen häufig fest, dass ihnen Vathy gar nicht gefällt und drehen schnurstacks wieder um.

15:00 Zurück in unserem Haus. Gross Action ist nicht mehr angesagt. Wir bleiben in der Chora, geniessen den Abend an den Windmühlen.

Donnerstag. 25.5.2017

03:50 Der Wecker klingelt. Mit unserem Mietwagen geht’s zum neuen Hafen weitab aller Siedlungen. Der Wagenschlüssel wird unter die Fußmatte gelegt, der Wagen bleibt offen, um 5:15 Uhr legt unsere Fähre, die 30 Jahre alte Adamantios Korais, ab. Unser Ziel: Egiali auf Amorgos. Sohn und Kollegin werden auf dem Schiff bis Piräus weiterfahren.

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