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Reisetagebuch: Kos im Mai 2017

Von Klaus Bötig | 12.Mai 2017

Tag 1 (Samstag, 13.05.2017)

07:25  Mit Germania von Bremen direkt nach Kos. Der A-321 ist mit 215 Paxen voll besetzt. Freut mich für Kos!

11:32 griechischer Zeit gelandet. Terminal eine einzige Katastrophe. Nur 3 Gepäckbänder, Frauenschlange vor dem schmutzigen Klo, winzige Butzen für die Autovermieter.

11:50 Mein Koffer ist da. Die Griechin bei Avis freut sich, dass ich in Bayreuth geboren wurde. Sie hat in Nürnberg das Licht der Gastarbeiterwelt erblickt. Dann stellen wir fest, dass ich diesmal bei Hertz gebucht habe. Also Schalterwechsel. Die Griechin bei Hertz entschuldigt sich, dass sie nur Englisch spricht: Ihr Vater sei Australier. Mein Auto für die nächsten drei Tage ist ein Nissan Micra (39 €/Tag).

12:30 Ankunft in Tigaki im Hotel Mimis Beach. An der Rezeption Bianca, eine Niederländerin, die seit 13 Jahren mit dem Neffen des Hotelbesitzers verheiratet ist und zuvor 16 Jahre mit ihm in Paderborn lebte. Die Annahme des Schlüssels für meinen Zimmersafe lehne ich ab: Wo bin ich denn? Ich bin von meinem Studio begeistert: Alles Notwendige drin, alles riecht frisch renoviert, schöne Terrasse mit Rasen davor, kleines Bad mit Fenster, Pool, 25 m vom Strand – und alles für 27 €!

13:10 Bin mit dem auto in die 2,2 km entfernte Taverne Ampelos gefahren – vielleicht die beste ganz Griechenlands! 62 heiße und kalte mezedakia (tapas) auf der Karte, alle für nur 2,50 €. Top-Qualität, grosse Portionen. Bekri Meze z. B. mit 8 Stück Gulasch. Kavourma mit 2 Eiern. Auch auf der Karte: Sülze, Lammhoden, Stockfisch, Weizengrütze, Pilze mit unendlich viel Knoblauch, höllenscharfe Paprikaschoten. Die Turis um mich herum bestellen Griechischen Salat. Ich zahle für 4 Teller mit Leckereien, eine Soda und 1/4 Wein 12,80 €, bekomme noch einen Mastix-Likör auf Kosten des Hauses.

14:15 Auf zur Hundertmeterarbeit. Fürs neue Portal kosurlaub.de werde ich auf dieser Reise viele Strände in kurzen Abständen fotografieren – sowas Informatives gab’s bisher noch nicht. Dazu alle Orte ohne jede Schönfärberei.

15:00 Auto am Hotel abgestellt, zu Fuss weiter. Der tolle breite Sandstrand ist jetzt Mitte Mai noch fast menschenleer. Von all den Lokalen an der Uferstrasse ist nur eins gut besucht: Die King Size Beach Bar. Da verbringen Koer ihren Nachmittag.

16:45 Im Cafe Memories spielt Werder gegen Hoffenheim. Nach dem 0:3 gehe ich.

17:30 Nach Ortsrecherchen in die MoreMeni Bar. Modernste und chicste im Ort. Zum erstenmal in Griechenland wird mir Campari nicht freihand, sondern mit Messbecher eingeschenkt. Der Kellner gibt aber noch einen Schuss freihand hinterher. Auf der Cocktailkarte stehen der übliche Sex on the Beach und der jüngere >52 shades of grey<. Mir ist nicht danach, ich probiere lieber einen >Plums and Thyme Prosecco Squash< mit Prosecco, Thymiansaft und -blüten, Zitronensaft und Trockenpflaume.

18:30 Später Mittagsschlaf.

20:15 Weiter geht's. Hinter der Hotelbar steht Vassilis, Biancas Mann. Sein Hobby: Obst anbauen. Sogar Avocados, Aprikosen und Papaya hat er im häuslichen Garten! In Paderborn hatten er und Bianca einst eine Gyrosbude...

23:00 In der Cosy Bar läuft der ESC - ohne Ton. Stattdessen Oldies vom "Band". Ist wohl auch besser so...

24:15 In der noch immer gut mit Griechen gefüllten Kong Size Beach Bar bleibe ich vor der ESC-Abstimmung hängen. Dass Portugal gewinnt, freut mich, weil es ein Urteil gegen die Industriemusik ist - und erschreckt mich, weil es doch auch ein Votum für die Betonung der eigenen Nationalität darstellt.

Tag 2 (Sonntag, 14.05.2017)
09:00 Gut englisch gefrühstückt (6,50 €), Hotelrechnung bekommen, wieder unterwegs. Ein paar Strandfotos für www.kosurlaub.de, mit dem wesrlichsten der Liegestuhlvermieter geklönt (Flamingo Beach). Bis 1990 hat er weltweit für General Electrics als Flugzeugelektriker gearbeitet. Dann kam die Digitalisierung, er wurde zum Tavernenwirt auf Kos. Jetzt sitzt er den ganzen Tag am Strand und hofft, seine 20 Sonnenschirme (5 €/Tag) an die Leute zu bringen.

10:40 Kurzbesuch in den Ausgrabungen des Asklipion, Kaffeepause auf der Platia von Platani. Auf einem der beiden türkischen Friedhöfe des Dorfes lerne ich zufällig den Vorsitzenden der türkischen Kulturstiftung hier auf Kos kennen. Endlich eine verlässliche Quelle über die Situation der etwa 1800 türkischstämmigen, moslemischen Griechen auf der Insel!!!

13:00 Zwei Stunden habe ich für die 10 km lange Fahrt von Lambi nach Tigaki genraucht, weil ich alle paar hundert Meter angehalten habe, um die jeweiligen Strand-Verhältnisse für kosurlaub.de zu dokumentieren. Jetzt gönne ich mir im Karnagio Beach ein Glas Wein (2 € inklusive Teller mit 10 Oliven, einigen mit Oregano bestreuten Gurkenscheiben und einer halben Tomate und etwas Brot mit Olivenöl). Der Liegestuhlvermieter hier hält mich des Notizbuches und des eifrigen Fotografierens wegen zuerst für einen Steuerfahnder und zeigt mir ungefragt seine Papiere. Später stellt sich heraus, dass Verwandte von ihm seit Jahrzehnten die legendärste Gyros-Bude Bremens betreiben: Die an der Sielwallkreuzung.

14:20. Ankunft in Marmari. Direkt da, wo die Hauptstrasse auf den Strand stößt, liegt die kleine Hotelanlage Stella Maris. Ich bekomme ein DZ zur Alleinnutzung für 20 Euro. Superzimmer, Balkon mit Pool- und Meerblick, nagelneue Klobürste.

14:50 Hunger!!! Ich setze mich in die Grillstube Smiley’s und bestelle mir ein Schweinekotelett für 7,50 €. Das Kotelett kommt. Mit auf dem Teller: gegrillte Zucchini, eine kleine Gemüsefrikadelle (pitaroudi), Pommes, Tzaziki. Das natürlich unpanierte Fleisch ist dekorativ mit etwas griechischem Senf bestrichen. Zwiebelringe gibts auch noch dazu.

15:15 Ich unterhalte mich mit einer Berliner Urlauberin. Wor sprechen über Bodrum. Würde sie schon interessieren, aber wegen Erdogan fährt sie nicht hin. Vorbildlich!

17:30 Nach Ortsrecherche (Holgers Kultkneipe “Die Insel” für immer geschlossen, Kurts Kunstgalerie ebenso) und weiteren Strandfotos endlich Mittagsschlaf.

19:00 Wieder Action. Aber in Marmari ist tote Hose. Dagegen war gestern in Tigaki richtig was los.Aber toller Sonnenuntergang über Kalymnos.

21:54 Bier austrinken, dann 300 m bis zum Zimmer…

Tag 3 (Montag, 15.05.2017)

06:05 Die Sonne weckt mich. Kühlerer Nordwind heute. Klare Sicht, Kalymnos wirkt viel näher als gestern.

06:30 Zuerst ein paar Strandfotos. Dann in Niko’s Kafenio. Der hat schon auf, sechs Fischer und Bauern sind da. Nes 1,50.

07:50 Am Flughafen. Mietwagen um einen Tag verlängert.

08:10 Weiter geht’s. Alle Strandabschnitte zwischen Airport und Kefalos stehen auf dem Programm. Erste Stichstrasse zur Küste, auf dem Wegweiser steht “Blue Lagoon Village”. Eine Schranke versperrt die Einfahrt: ist ein TUI Family Life AI-Hotel. Am gesamten über 10 km langen Strand hier steht kein anderes Hotel, nur das der TUI. Gibt zu denken, oder?

09:20 Nach dem Magic Beach mit einer Taverne jetzt der Psilos Gremos Beach mit der Taverne Sunny Beach. Ich will sie fotografieren – doch das iphone ist tot. Ladegerät in die Steckdose: nix. Der junge Wirt holt seins, schoebt meine SIM ein: die ist in Ordnung. Ich setze mich ins Auto und fahre 35 km am Airport vorbei in die Stadt. Nur da gibt es Germanos, die Handykette ummer Eins in Hellas. Die rauchende Mitarbeiterin vor der Tür hat goldene Hände (oder war es doch wieder meine Panagia, die auf mein korrektes Kreuzschlagen reagiert hat?). Jedenfalls springt phony sofort an.

11:30 Ich bin wieder im Sunny Beach und kann nun meine Fotos machen. Inzwischen ist der junge Koch da. Stammt aus Kalavryta, lebt in Athen, hat einem Saisonvertrag, will dann auswandern. Für sich sieht er in Hellas keine Chancen. Aber er erklärt mir, was mit phony los war: Es hat eine Abschaltautomatik, wenn der Akku zu heiss wird (durch Sonne oder Überladung. Das gleichzeitige Drücken der beiden einzigen drückbaren Knöpfe bewirkt dann einen Neustart…

22:00 Strände, Strände, Strände. Dann ein Zimmer im Sakallis Inn in Kefalos (30 € Ü/F). Zum Essen ins The Great Aussie BBQ. Bin der einzige Gast, später gesellt sich noch ein flämisches Pärchen dazu. Wirtin Magdalini dürfte um die 70 sein. Hat lange in Sydney gelebt, dort auch ihre Kinder zur Welt gebracht. Als ihre Mutter starb, kam soe zurück. Hat mit dem geerbten Geld auf geerbtem Land das grosse Restaurant gebaut – um ihren Kindern eone Zukunft in der alten Heimat zu geben. Anfangs lief es gut,aber jetzt sind die Kinder wieder downunder – in GR sehen sie keine Zukunft für sich. Magdalini versucht mit Kampfpreisen zu überleben: grosses Rumpsteak 9 €, Rib Eye 13, T-Bone 16. Kaffee und Eukalytusbonbon (Eigenmarke Lidl) auf Kosten des Hauses.

22:50 Ein Mythos (0,5 vom Fass = 3 €) im Hotel. Zum fünften Mal heute werde ich gefragt, wie lange ich schon in Deutschland lebe. Das hört Ich gern!

Tag 4 (Dienstag, 16.05.2017)

06:30 Ein neuer Tag beginnt. Heute sind die Kefalos-Halbinsel und die nahezu unbekannten Strände an der Westküste dran.

09.30 An der Westküste fahre ich zum ersten Mal weiter als bis zum schon recht einsamen Theologos Beach, nämlich zum gut ausgeschilderten Diamond Beach. Die Piste ist zwar schmal, aber sehr gut befahrbar. Nach 800 m bin ich am Ziel. Unterhalb einer niedrigen Steilküste krümmt sich ein etwa 150 m länger Sandstrand, auf dem etwa 45 farbig angemalte Palmstrohschirme stehen. Der Weg hinunter hat an beiden Seiten zumindest aus griechischem Bambus (Kalamitäten), der in den griechischen Landesfarben angemalt ist. Wo der Weg beginnt, leben ein Esel, Kaninchen, Hühner, Gänse und Schafe in einer Art-Ministreichelzoo. An einem weiß-blauen Fahnenmast weht die griechische Flagge, eine große alte Kabelrolle steht als Tisch bereit. In einer unverschlossenen Schublade liegt ein Fernglas, damit man vorbeifahrende Schiffe beobachten kann. In zwei simple Boxen darf man Spenden für Tierfutter werfen. Ein Mensch ist nicht in der Nähe. Bauer Jannis, der das alles hier so nett gestaltet hat, kommt mit seinem uralten Moped nur sporadisch hierher, um die 5 Euro Sonnenschirmgebühr (inkl. 2 Liegen) zu kassieren…

13:00 Dem flämischen Paar, das gestern Abend in der Taverne saß, hatte ich meine Visitenkarte mit der Bitte mitgegeben, ihre Wirtsleute in der Pension Panorama in Kefalos-Kambos von mir zu grüßen. Die hatten daraufhin bei Christiane in Bremen angerufen, um meine Handynummer zu erfragen und sich dann bei mir gemeldet: Ich müsse unbedingt zumindest auf einen Kaffee bei ihnen vorbeischauen. Wir haben vor 30 Jahren einmal eine Urlaubswoche verbracht. Seitdem ist ihre Pension in all meinen Kos-Reiseführern als Empfehlung drin. Tochter Sevi, damals noch Grundschulschülerin, ist inzwischen Studienrätin für Altgriechisch und Latein, hilft aber immer noch tatkräftig in der Pension mit.

19:45 Bin in Kardamena. In den etwas außerhalb gelegenen AI-Hotels steppt der Bär, der Ort ist am frühen Abend fast menschenleer. Ich bin hundemüde und gehe früh schlafen.

Tag 5 (Mittwoch, 17.05.2017)
07:00 Noch ein paar Strandfotos bei Kardamena, dann fahre ich nach Mastichari an der Nordküste.

08:00 Am Samstag werden sich mir meine Frau, ihre beste Freindin und unser Sohn (37) anschließen. Deswegen halte ich Ausschau nach zwei Studios direkt am Strand. Die Pension Diana gefällt mir. Die Inhaberin steht gerade in der Küche. Ich spreche sie auf Griechisch an. Sie reagiert sehr unfreundlich. Ich sage ihr, dass ich kein Grieche bin. Da ist sie plötzlich superfreundlich. Ich buche zwei Studios. Hat wohl gedacht, ich sei ein Steuerfahnder oder Anzeigenverkäufer…

09:00 Mein nächstes Ziel: Der Hot Spot von Kos etwas außerhalb von Pyli. Letztes Jahr im Juni war ich erstmals dort. Das Flüchtlingslager mit momentan etwa 1000 Flüchtlingen wird gerade umgebaut: Das bisher offene Lager erhält einen geschlossenen Teil überwiegend für Nichtsyrische Flüchtlinge. Auf jeden Fall sind hier viele neue Arbeitsplätze entstanden: Ungefähr 30 Mitarbeiterautos stehen auf dem Parkplatz.

11:30 Nach Recherchen in Pyli komme ich in der Dorfkirche von Lagoudi an. Vor der Kirche sitzt eine Frau um die 50 an einem Campingtisch und häkelt aus Kunstgarn bunte Wendepüppchen, mit denen der gesamte Tisch voll steht. Sie entpuppt sich als Dobrinka aus Bulgarien, die schon seit 14 Jahren im Dorf lebt. Dorfpriester Kyriakos hat sie zu seiner Küsterin gemacht, weil seine Frau zu sehr mit den Enkelkindern beschäftigt ist. Dobrinka spricht perfekt (und ohne Pause) Griechisch, wir unterhalten uns 45 Minuten lang. Vater Kyriakos, der in jungen Jahren orthodoxer Priester in Wilhelmshaven war, versorgt uns mit Obst, Käse und Wein. Wir sprechen auch über die bulgarisch-stämmigen, islamischen Pomaken, von denen viele Tausend in Nordostgriechenland (im Bezirk Xanthippe) leben. Andere sind in den bulgarischen Rodopen zu Hause, leben aber in der Türkei. Erdogan hat sie zweimal abstimmen lassen: In der Türkei und in Bulgarien. Die Wahlreise in die alte Heimat hat er Ihnen aus türkischen Steuermitteln finanziert. Ob die mit “Nein” gestimmt haben?

17:30 Nach weiteren Stopps in Zia und Agios Demetrios komme ich im Afendoulis an, meinem Lieblingshotel in der Stadt Kos. Hier werde ich 2 Nächte bleiben. Nach einem langen Plausch mit der Inhaberfamilie gehe ich in die “Altstadt”.

21:30 Ich bin wieder einmal wütend auf TUI & Co. In der Odos Ifestou, in der in früheren Jahren bis Mitternacht kaum ein Durchkommen war, ist wie ausgestorben. Alle Geschäfte sind geschlossen, in den Cafés sitzen fast nur griechische Gäste. Alle Ausländer konsumieren für lau in ihren AI-Hotels.

23:59 Schlafenszeit!

Tag 6 (Donnerstag, 18.05.2017)

08:00 Heute mal länger geschlafen. Nach dem Frühstück im Hotel Afendoulis bringe ich den Mietwagen zum Hertz-Stadtbüro gleich um die Ecke. Dann laufe ich auf der breiten Uferpromenade mit dem besten Radweg Griechenlands entlang ins Stadtzentrum. Es ist bewölkt, darum sind jetzt tagsüber etliche Urlauber hier unterwegs. Ich gehe ins im Juni 2016 wiedereröffnete Archäologische Museum: Toll geworden, lohnt die 6 € Eintritt. Weiter zum “Westlichen Ausgrabungsgelände. Es ist seit ein paar Tagen vollständig umzäunt und leider nur noch tagsüber zu betreten.

19:00 Nach vielen weiteren Recherchen holt mich das deutsch-griechische Ehepaar Gatzakis zum Abendessen im Hotel Kos Akti ab. Sie kennen fast alle ältere griechische Ehepaare, die dort sitzen. Viele kommen fast jeden Abend. Die haben Hotels und viele Grundstücke. Braucht ein Enkelsohn einen Porsche, wird eins davon verkauft; heiratet eine Enkeltochter, bekommt sie eins als Hochzeitsgeschenk. Von einem der Seniorenpaare wissen meine Freunde, dass sie noch etwa 300 Grundstücke in Reserve haben.

01:30 Endlich im Hotel. Aber noch nicht im Bett. Kyriaki, die Tochter meines Hoteliers, und ihr Mann Dimitris sind noch wach. Wir setzen uns zusammen auf die Terrasse. Sie ist stdierze Vorschullehrerin, er ein in Australien aufgewachsener IT-Spezialist. Angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit führen sie jetzt zusammen mit Alexis und Dionysia das kleine 25-Zimmer-Hotel. Das lastet sie natürlich nicht aus. Sie möchte
n gern eine art kleines alternatives Reisebüro gründen, Urlaubern ihr Kos zeigen. Wir besprechen das. Ich erkläre ihnen, was genau sie tun könnten. Am nächsten Morgen legen Sie ein Blatt mit exakten Vorschlägen auf de Tresen der Rezeption. Binnen zwei Stunden haben Gäste eine erste Tour bei ihnen gebucht, abends startet ihr neues Business.

Tag 7 (Freitag, 19.05.2017)

08:00 Wieder Frühstück im Hotel Afendoulis, wieder Omelette mit Bacon. Kühler Wind, ich ziehe mir meine warme Jacke an.

08:30 Hotelier Alexis kommt mit seinem betagten Suzuki Jimmy, den er mir für heute überlässt.

09:00 Kollegin Elisa, Redakteurin der Griechenland-Zeitung, meine Co-Autorin fürs DuMont-Reisetagebuch “Santorin”, ist soeben auf Kos gelandet. Sie wird mich die nächsten Tage begleiten.

10:00 Sitze im Traditionscafe Aigli auf der großen Platia vor der Markthalle. Es wird von einer Frauen-Kopperative betrieben. Trinke eine Vikos Cola, hergestellt in Ioannina im Nordwesten Griechenlands. Schmeckt ausgezeichnet.

10:30 Kurzcheck des Wartezimmers eines befreundeten Arztes. Der sltuelle Ülayboy liegt wie immer obenauf auf dem Zeitschriftenstapel.

10:50 Elisa steigt aus dem Flughafenbus. Rein in den Jeep, Embros Therme. Alles wie immer. Mittagessen in der Lobby des Afendoulis. Wir, die fünfköpfige Inhaberfamilie, zwei schwedische Stammgäste am grossen Tisch. Zwei französische Frontex-Soldaten, die im Hotel logieren, werden auch noch dazu geladen, haben aber schon anderes vor. Danach bringt Alexis Elisa und mich mit seinem Pkw zur Pension Daiana in Mastichari. Heute sind hier nur noch ein paar Ortsrecherchen angesagt – und natürlich etliche Gespräche mit Einheimischen.

Tag 8 (Samstag, 20.05.2017)

09:00 Nach einem englischen Frühstück im Hafenlokal I Kali Kardia machen wir uns mit einem gemieteten Suzuki-Jeep auf den Weg zum Airport. Unterwegs wollen wir noch das Privatmuseum Hippokrates Garden mittten in der Wallachei aufsuchen. Doch schon kurz hinterm Clubhotel Euro lockt uns ein kleiner Wegweiser zur mir noch unbekannten Beach Bar Dolphin Bay. Auf einem großen grünen Grundstück dieekt am Meer stehen lose verstreut Tische und Stühle, um ein kleines Küchengebäude die eigentliche Bar. Die Brüder Dimitris und Christos rühmen sich, den besten Mojito der Insel zu kredenzen: Die frische Minze dafür schneiden sie für jeden Gast frisch direkt aus den Minzbeeeten neben den Tischen. Wir versprechen, zum Sunset wiederzukommen.

10:00 Nach 2 km ein weiterer Wegweiser zu einer mir noch unbekannten Beach Bar: Protokaravas. Sie wird sich als DER koische Insider-Tipp des Jahres erweisen!!! Erst lernen wir Wirtin Gianna und ihre dreijährige Tochter Sofia kennen. Gianna lädt uns zum Kaffee ein. Nach zehn Minuten kommt Wirt Tassos herauf. Er hat den Strand gereinigt. Wir hören, dass es auch noch einen sechs- und einen neunjährigen Sohn gibt. Und dass am 21. Juli erstmals ein Paar am Strand standesamtlich getraut werden wird und anschließend in der Beach Bar feiert. Man lädt uns für 13 Uhr zum Mittagessen ein, das deutsche Paar werde dann ebenfalls da sein. Wir versprechen, pünktlich wieder da zu sein, dann allerdings zu viert. “Macht nichts, ihr könnt auch zu acht kommen”, sagt Tassos, den ich 50 Minuten zuvor noch gar nicht kannte.

11:35 Meine Frau Christiane und ihre Freundin Gila landen pünktlich mit der Germania aus Bremen. Wir fahren jetzt nonstop zum Hippokrates Garden. Wie immer sitzt die Inhaberin selbst an der Kasse (5 € Eintritt incl. einem Glas Kräutertee). Meine jetzt drei Frauen schauen sich in dem nachgebauten Wohnhaus aus der Antike um, ich interviewe die 42-jährige Besitzerin unterm Feigenbaum. Mehr darüber demnächst in einer meiner Reportagen in der Griechenland-Zeitung.

13:15 Wir sind wieder bei Tasos, Gianna und Sofia am Protokaraves Beach. Jens und Katharina – das Brautpaar aus NRW – sind schon da. Sie erzählen von ihrer Hochzeitsplanung. Wir vereinbaren, dass sie mir Fotos mailen werden und ich dann zumindesteine Internet-Reportage über “Heiraten auf Kos” mache. Vor allem, um Tassos und Gianna zu helfen. Die beiden sind einfache Bauern, ihren Strand und ihre Beach Bar hier kennt kaum ein Tourist. Sie kochen täglich frisch für ihre Gäste mit dem, was auf ihren Feldern und Beeten gerade reif ist – alles rein ökologisch amgebaut. Auch das Futter für ihr Vieh bauen sie selbst an – und im Späterbst produzieren sie ihre eigene Holzkohle. Gute Ökonomen sind sie nicht: Im Winter wird ihmen manchmal sogar der Strom abgestellt, weil sie ihre Stromrechnung abgestellt wird. Während wir uns unterhalten, fahren sie alles auf, was ihre kleine Küche hergibt: Och habe selten in Griechenland so lecker gegessen!

16:00 Wieder in der Pension Daiana in Mastichari. Theoretisch könnten Gila und Christiane jetzt endlich ihr erstes Bad im Meer nehmen – doch die Brandung ist heute zu stark. Also Mittagspause.

19:00 Sunset Hour an der Dolphin Bay. Der Mojito ist wirklich exzellent.

22.35 Christiane und ich holen unseren Sohn (37) vom Airport ab. Er kommt aus Münchenvia Athen.

Tag 9 (Sonntag, 21.05.2017)

10:00 Wir checken die Beach Bars zwischen Mastichari und Marmari: Troullos (einfach, urig, menschenleer) und Tam Tam (sehr gepflegt, ein wenig an Sylt erinnernd, jetzt schon gut besucht). Danach geht es zu Erika’s Horse Farm. Anders, als es der Name vermiten lässt, ist Erika keine Deutsche, sondern eine waschechte Koerin. Eigentlich trägt sie den für die Kefalos-Region typischen Vornamen Perdika. Der bedeutet “Rebhuhn”. Als sie klein war, wurde sie von Griechen anderswo immer gehänselt (Macht das Fenster zu, sonst fliegt das Rebhuhn weg). Auf der Suche nach einem ähnlich klingenden Votnamen kamen die Eltern dann auf Erika…

13:00 Mittagessen im Periklis in Mastichari. Die auf Fisch und Meeresfrüchte spezialisierte Ouzeri ist auch an Winterwochenenden geöffnet und dann immer prallvoll: Hoteliers und Restaurantbesitzer, die im Sommer 24/7 arbeiten, kommen dann mit ihren Familien hierher. Wir verstehen warum! Die selbst geräucherze und dann gegrillte kleine Makrele (skoumbri) ist ein Gedicht, die Miesmuscheln in Weinsud ebenfalls. Mein Tipp: Periklis einfach sagen, wieviel man ausgeben will und ihn dann auffahren lassen, was er will!

19:00 Nach einem Mittagsnickerchen zeige ich meiner Parea noch den Hot Spot von außen, danach fahren wir zum Sonnenuntergang nach Zia hinauf. Wir kehren bei Stergios in seiner Taverne Sunset Balcony ein. Stergios hat auch im unteren Dorfteil eine größere, modernere Taverne gebaut: Sunset Balcony II. Nicht, um reicher zu werden, sondern für seine drei erwachsenen Söhne. Der älteste, Theophilos, flüstert mir zu: “Wir sind unseren Eltern unendlich dankbar, dass sie ihr Leben lang so fleissig waren. Ohne sie wären wir heute wohl arbeitslos – wie über 50% aller Griechen unter 26.”

Tag 10 (Montag, 22.05.2017)

07:50 Gerade noch rechtzeitig ins Hafencafe gekommen. Das Gewitter beginnt, kurz darauf steht die Strasse total unter Wasser. Blitze zucken, Wind kommt auf. Wir lassen die Autofähre um 9 ohne uns abfahren. Um 10 Uhr geht ja noch eine kleinere, schnellere Personenfähre hinüber nach Kalymnos. Einen Schirm hat nur Elisa dabei. Wir vier anderen rufen uns ein Taxi, um uns zum 300 m entfernt anlegenden Boot zu bringen.

10:00 Pünktlich geht’s los. Adio, Kos! War schön mit dir…

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