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Schlangen, Skorpione und Amphibien Griechenlands

Von Klaus Bötig | 13.Juli 2011

Der in Wuppertal ansässige, 1968 geborene Tierfotograf Benny Trapp widmet seine besondere Aufmerksamkeit schon seit über einem Jahrzehnt den Reptilien, Spinnentieren und Amphibien im Mittelmeerraum, insbesondere in Griechenland.  Seine Entdeckungen und Dokumentationen finden auch wissenschaftliche Anerkennung. Pionierarbeit leistete er mit einem reich illustrierten 280-Seiten-Buch über alle 62 Reptilien- und Amphibienarten des griechischen Festlands. Zudem engagiert sich Benny Trapp intensiv für den Naturschutz in Hellas und leistet auch Aufklärungsarbeit vor Ort. Auf dem Peloponnes leitet er das Schutzprojekt „Afrikanisches Chamäleon“.

Schildkröte auf Kos (Foto: Christiane Bötig)

Ich habe mich ausführlich mit ihm unterhalten. Hier eine Kurfassung des Gesprächs: 

KB: Sie haben sich als Naturfotograf auf Amphibien und Reptilien im Mittelmeerraum und insbesondere in Griechenland spezialisiert. Warum?

BT: Mein Interesse gilt seit meiner frühen Kindheit der Tierwelt, insbesondere den Amphibien und Reptilien. Sie haben mich immer schon fasziniert. In Griechenland, wo ich als kleiner Junge viele Urlaube mit meinen Eltern verbrachte, machte ich meine ersten Felderfahrungen mit diesen „Verfemten des Tierreichs“, während meine Eltern sich mehr für die Altertümer begeisterten.

KB: Verfemte des Tierreichs? Welche Arten rechnen Sie denn dazu und warum?

BT: Schlangen, aber auch Spinnen oder Skorpione. Sie machen den meisten Menschen Angst. Die entsteht aus Unkenntnis, denn leider wissen die meisten Menschen viel zu wenig über manche Mitbewohner unseres Planeten. Auch diese Tiere erfüllen ihren Zweck im Naturhaushalt und selbst giftige Tiere werden uns nur „gefährlich“, wenn sie sich von uns bedroht fühlen.

KB: Gehören Skorpione auch zu den Amphibien oder Reptilien? Und gibt es sie überhaupt in Griechenland?

BT: Skorpione gehören mit ihren acht Beinen zu den Spinnentieren. Auf dem Peloponnes beispielsweise finden wir drei Arten. Allgegenwärtig ist der Feldskorpion „Mesobuthus gibbosus“. Es gibt ihn überall, selbst in Städten, Dörfern und an den Stränden. Aber aufgrund seiner versteckten, nächtlichen Lebensweise bekommt man ihn nicht häufig zu sehen.

KB: Wie gefährlich können Skorpione und Schlangen Griechenlands denn dem Menschen überhaupt werden? Können Schlangenbisse und Skorpionstiche tödlich verlaufen? Was sollte man tun, wenn es einen getroffen hat?

BT: Zwei der drei Skorpionarten Griechenlands sind mehr oder weniger harmlos, von der dritten sind keine Angaben bekannt, da die Art sehr selten ist. Ich selbst wurde bereits dreimal vom Feldskorpion gestochen, hatte leichte Schmerzen, vergleichbar mit dem Stich einer Biene. Zum Arzt sollte man gehen, sofern man allergisch reagiert oder der Schmerz unerträglich erscheint. Panik ist stets unangebracht, denn ein Schock ist stets gefährlicher als die Wirkung des Giftes. Ich habe es vermieden, zum Arzt zu gehen, und nach wenigen Stunden war, außer einer vorübergehenden, leichten Bewegungsunfähigkeit, nichts mehr zu spüren. Der Biss der Sandotter – einer Vipernart – ist allerdings nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Ärztliche Hilfe ist dringend erforderlich. Im Krankenhaus werden den Kreislauf stabilisierende Mittel injiziert, in schweren Fällen kann es neben Schwellungen und starken Schmerzen zu Kreislaufzusammenbrüchen kommen. Erbrechen und Durchfall sind neben Angstzuständen und Schweißausbrüchen gelegentliche Folgen eines Vipernbisses. Dank der heutigen guten medizinischen Versorgung ist es meines Wissens seit Jahrzehnten zu keinem Todesfall durch Schlangenbisse in Griechenland gekommen. Ganz im Gegensatz zu den Folgen von Bienenstichen bei Allergikern…

KB: Die Tiere sind für den Menschen nicht gefährlich. Wie sieht es andersherum aus? Finden Reptilien und Amphibien noch genug ihrer Art gerechte Biotope? Was sind die größten Gefahren für Schlangen. Echsen, Lurche und Schildkröten?

BT: Die größten Gefahren entstehen durch immer mehr Straßen und immer dichteren Verkehr sowie Wald- und Buschbrände. Autos und Feuern können die Tiere nicht ausweichen. Ein besonders offensichtlicher Indikator ist die Griechische Landschildkröte. Wer Griechenland vor 20-30 Jahren bereist hat, erinnert sich gerne an die Allgegenwärtigkeit dieser Tiere. Doch irgendwann in ihrem bis zu über 50jährigem Leben werden Schildkröten über die mittlerweile vielbefahrenen Strassen wandern, die in den letzten Jahren überall gebaut und ausgebaut werden. Wer heute eine Schildkröte zu Gesicht bekommt, darf sich schon sehr glücklich schätzen.

KB: Gefährdet auch der Tourismus die Tiere?

BT: Auch der Tourismus gefährdet Amphibien und Reptilien. Vor allem entlang der Küste verlieren die Tiere immer mehr an Lebensraum durch den Bau von Hotelanlagen und Strassen, die dorthin führen. Leider werden darüber hinaus jährlich noch immer hunderte von Schildkröten von Urlaubern gefangen und mitgenommen, obwohl diese allein in Deutschland jährlich zu tausenden legal nachgezüchtet werden. Auch professionelle Händler sammeln noch immer massenhaft Tiere ab und reduzieren die Bestände zunehmend. Aber auch das als bedenkenlos empfundene „Hantieren“ mit den wildlebenden Schildkröten birgt große gesundheitliche Gefahren für die scheuen Landschildkröten. Auch wenn sie nicht wie Vögel wegfliegen können, bedeutet das nicht, dass ein Anfassen keine Bedrohung für sie darstellen würde. Unter Stress entleeren sie sich und verlieren somit lebensnotwendige Flüssigkeit. Vor allem im Sommer sind sie nicht in der Lage, diese in ausreichender Menge wieder zu sich zu nehmen, was unter Anderem zu Nierenunterfunktion führt. Man sieht es ihnen nur leider durch den Panzer nicht an, wenn sie leiden. Grundsätzlich sind Schildkröten keine Streicheltiere oder Spielzeuge für Kinder. Sie sollten nur dann angefasst werden, wenn man sie beispielsweise von einer vielbefahrenen Strasse trägt, um sie vor dem sicheren Tod zu bewahren.

KB: Gibt es für Sie denn noch Neues in der Tierwelt Griechenlands zu entdecken?

BT: Erst seit kurzer Zeit haben griechische Wissenschaftler damit begonnen, ihre heimische Fauna genauer zu untersuchen und sowohl Arten als auch Unterarten zu beschreiben. So wurde auch erst 2009 erkannt, dass es sich bei der auf Kreta beheimateten Mauereidechse nicht um die Ägäische Mauereidechse (Podarcis erhardii), sondern um eine selbstständige Art, die Kreta-Mauereidechse (Podarcis cretensis), handelt. Es gibt also noch viel zu tun.

Lesetipp:  Trapp, Benny: Amphibien und Reptilien des griechischen Festlands. Münster (Natur und Tier-Verlag) 2007, ISBN 978-3-86659-022-9, 24,80 €.

Homepage des Autors: www.bennytrapp.de

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