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Von Korfu bis Zakinthos – Tagebuch einer Reise im Herbst 2016 – Teil 3: Kefallonia und Ithaka

Von Klaus Bötig | 30.September 2016

Tag 17: Donnerstag, 29.09.2016

15:20 Pünktlich landet unsere ATR-42 der Sky Express auf dem Anna Pollatou Airport von Kefallonia. Einen Mietwagen haben wir bei Avis.gr vorgebucht (die Buchungsbestätigung erhielten wir auf Chinesisch). Für einen Citroën C4 Diesel zahlen wir für 7 Tage 191,99 €.

16:45 Ankunft in Sami auf der anderen Inselseite. Wir wollen morgen nach Ithaka, deshalb übernachten wir hier. Für ein geräumiges Studio zahlen wir 40 €. Wir werden für dieses Jahr wohl die letzten Gäste sein, man packt schon eifrig zusammen.

17:45 Bummel entlang der Uferstraße. Erfreut stelle ich fest, dass es dank “Levante Ferries” seit diesem Jahr wieder von April bis Oktober eine tägliche direkte Autofährverbindung mit Vathy auf Ithaka und Patras gibt. Das verschafft dem Ort wieder etwas Auftrieb.

Tag 18: Freitag, 30.09.2016

08:15 Wir setzen mit der kleinen Autofähre “Ionion Pelagos” nach Piso Aetos” auf Ithaka über. Dauert 30 Minuten, kostet 4 € pro Person. Mit uns an Bord ist eine dänische Reisegruppe, sonst kaum Touristen.

08:45 Am winzigen Anleger wartet schon die Autovermieterin mit einem Fiat Panda auf uns, den ich gestern Abend telefonisch vorbestellt habe (35 € für 24 Stunden). Im Mietvertrag gibt sie als Rückgabedatum den 31.09.16 ein. Ich mache sie auf den Lapsus aufmerksam. Sie streicht die 3 durch, macht aus der 0 eine 1. Jetzt muss ich den Wagen also am 1.19.16 zurückgeben. Sei’s drum!

09:15 Ankunft in Vathy. Der Ort erstreckt sich zu beiden Seiten einer tiefen Bucht, von der aus man das offene Meer nicht sieht. Die Architektur ist harmonisch und ganz im Stil der Ionischen Inseln gehalten. Ein Ort zum Wohlfühlen, aber ohne Strände. Zum Baden fährt man von hier mit Booten – oder läuft in etwa 20-40 Minuten dorthin. Jetzt badet kaum noch einer, außer Dänen sind kaum noch Urlauber hier. Und abends laufen noch Yachten ein, obwohl auch die Segelsaison fast vorbei ist. Wir machen die notwendigen Recherchen im Ort und fahren gegen 12:30 Uhr wieder weiter. Über Anogi geht es hinüber in den Inselnorden, wo wir im Restaurant “Ithaki” in Stavros exzellent zu Mittag essen.

15:00 Ankunft in Kioni, dem optisch wohl schönsten Ort der Insel. Um diese Zeit laufen die Segelyachten fast im Dreiminutentakt in die Bucht ein. Ein Zimmer zu finden, ist allerdings schwer: Die Vermieter schlafen alle. Also trinken wir einen frisch gepressten O-Saft und kehren nach kurzen Recherchen in den Hauptort Vathy zurück.

17:00 Ankunft in Vathy. Wie immer wollen wir im Hotel Mentor am innersten Ende der Bucht logieren. Das gute, modern gestylte DZ mit Frühstück kostet 60 €, 7 € weniger als bei bockig.com. Und das Hotel spart 17-20% Provision, die die verlangen. Wir fühlen uns privilegiert, da wir Zimmer 280 mit direktem Meerblick erhalten. Davon gibt es nur sechs. Am nächsten Morgen zweifeln wir an diesem Status: zum modernen Konzept des Hauses gehört es, die Fassade zum Wasser hin die ganze Nacht orange anzustrahlen. Die Strahler sind auf den sechs Balkonen installiert. Jedesmal, wenn ich kurz aufwache, denke ich, es sei gerade Sonnenaufgang.

20:45 Aufs Abendessen wird heute verzichtet. Wir kaufen uns stattdessen zwei Bananen und eine Nektarine (1 €). Verzehren das Obst zum Bier an der Platia. Die paar älteren Ausländer, die hier sitzen, scheinen alle Ex-Bewohner der ehemaligen “Kommune” von Sarakiniko zu sein, über die in den 1980er Jahren viel in der deutschen Presse berichtet wurde.

22:00 Zeit für ein Ithaka-Fazit: Weiterhin ist die Insel kein Ziel für reine Badeurlauber. Zu Stränden zu gelangen, erfordert immer Aktivität. Archäologisch Sehenswertes gibt es auf der legendären Heimatinsel des Odysseus auch nicht. Gut wandern kann man vor allem um Vathy im Süden und Stavros im Norden. Wer viele Bücher (darunter vielleicht auch die Odyssee?) lesen will, kann hier gut zwei Wochen verbringen, ansonsten reichen 2-3 Tage völlig aus.

Tag 19: Samstag, 1.10.2016

08:35 Wieder am Fähranleger von Piso Aetos. Autoschlüssel unter die Fußmatte, Nes metri me Gala choris afro an der Kantina, Ticketkauf. Vier ältere Griechen unterhalten sich. Erst werden Verwandschaftsgrade diskutiert, dann das Nahen des Winters. Dann sagt einer: “Wir leben in einer Krise!” “Krise, Krise, welche Krise? Uns geht’s doch gut,” erwidert eine Frau. “Aber die Kinder, was wird aus den Kindern”, wird noch gesagt, bevor wieder ein Themenwechsel ansteht. Schließlich ist die Fähre da, wir gehen an Bord.

09:30 Ankunft in Sami auf Kefallonia. Nächster Programmpunkt: Bootsfahrt in der Tropfsteinhöhle von Melissani (7 €). Christiane besteigt das Ruderboot, ich bleibe draußen und trinke Kaffee. Ein Hahn kräht, Hühner spazieren übers Feld von mir, eins kommt zu mir an den Tisch. Ein großer Hund beschnuppert mich kurz, später reibt sich ein Kätzchen an meinem Bein. Auch das gehört zu den schönen Griechenland-Erlebnissen: die häufige Nähe friedlicher Tiere!

11:15 Unangemeldeter Besuch bei Katharina Fehring im Dorf Grizarata. Seit 2012 lebt die gelernte Heilpädagogin, die auf einem Bauernhof in Ostwestfalen aufwuchs, jetzt schon auf Kefallonia. Früher liebte sie Pferde, heute gehört ihr Henrz außer ihrem Mann Christos und dem gemeinsamen Sohn Achilleas vor allem den Eseln. Fünf Prachtexemplare leben inzwischen auf ihrem Hof. Mit ihnen bietet sie geführte Eseltouren von beliebiger Dauer an. Wer unter 55 kg wiegt, darf aufsitzen, für alle anderen tragen dien Grautiere Handgepäck und Picknick. Mehr über Katharina demnächst in einem Porträt in der Griechenland-Zeitung…

12:00 On the Road again. Unser nächstes Ziel ist Poros an der Südküste. Die Landschaft auf dem Weg dorthin begeistert uns sehr. Nadelschlanke Zypressen bilden richtige Wäldchen, Laubbäume nehmen ihre Herbstfarben an, Heide blüht. 1600 m hoch ragt der Enos, höchster Berg der Ionischen Inseln, mal rechts von uns, mal vor uns auf.

13:00. Poros. Von hier aus gibt es eine tägliche Autofährverbindung nach Kyllini auf dem Peloponnes. Wir essen in der Ufertaverne Pantelis. Das Passwort fürs WLAN steht auf einem Pappschildchen an einem der Terrassenbäume. Genial!

14:30 Skala, den inzwischen bedeutendsten Badeort der Insel und zu über 80% in britischer Hand, lassen woir schnell hinter uns. Wir wollen heute in Katelios Quartier beziehen. Vorgebucht ist nichts.

15:15 im “Odyssia” am nördlichen Ortsrand haben wir ein geräumiges, modernes Apartment für eine Nacht bekommen (50 €). Zum Strand sind es von hier 100 m.

17:00 Kein Mensch am Strand, nur zwei spielende Kinder im Wasser. Ich nehme mein drittes Bad auf dieser Reise. Zwischen Wellenbrecher und Ufer ist das Wasser nur knapp 1 m tief – ein riesiges Becken für Nichtschwimmer und ideal für Ballspiele im Meer. Nur meine Zehen berühren den sandigen Grund, der Rest meiner 75 kg erhält vom Salzwasser Auftrieb.

18:30 Gin Tonic (5,50 €) in der Beach Bar Allou Yialou. Jeder hier scheint perfekt Englisch zu sprechen.

19:15 Abendessen im Cozy, das mit “Creative Greek Cuisine” wirbt. Zu Recht, wie sich herausstellt. So gut wie hier haben wir in Hellas selten gegessen. Christiane bestellt eine hausgemachte Zwiebelsuppe, ich mi Talagani-Käse und Porree gefüllten Schweinebraten. In die Mitte kommen Austernpilze mit geräuchertem Balsamico und geräuchertem Käse. Mein Schwein wird von etwas Salat und sauleckeren, hauchdünnen und ungeschälten Kartoffelscheiben begleitet. Dazu bestellen wir eine kleine Flasche Wasser und einen halben Liter weißen, inseltypischen Robola-Wein vom Fass sowie Brot. Der Service ist super ( mein Aschenbecher wird mehrmals ausgetauscht), der Kellner spricht etwas Deutsch. Die Rechnung: 28,50 €. Einen großen Teller Apfelspalten mit Honig und Sesam gibt es zudem kostenlos als Dessert vom Haus.

22:00 Absacker in der Nemesis Bar. Wir werden von Dionysia (Denise), der Chefin höchstpersönlich, bedient. Als Kind mit den Eltern nach Chicago gegangen, dort “sozialisiert”, als Oma (2 Töchter, 4 Enkel) nach Kefallonia zurückgekehrt und einfach nur nervig. Sie spricht Ausländern das Recht ab, über Griechenland zu schreiben. Ich frage sie: “Dürfen nur Esel über Esel schreiben? Ist es für Esel nicht auch interessant, sich selbst auch mal aus dem Blickwinkel von Hund, Katze und Hahn zu betrachten”? Sie sucht sich andere Gesprächspartner. Ihr Geschäftspartner Nikos, der neben mir am Tresen sitzt, schaut mich entschuldigend an und flüstert mir zu: “Du sprichst besser Griechisch als sie!”

Tag 20: Sonntag, 2.10.2016

08:00 Weil’s so schön war gleich das vierte Bad dieser Reise. Dann schlichtes Frühstück beim Bäcker am Strassenrand.

10:00 Lourdata. Unangemeldeter Besuch bei Susan Fisch von Pension, Taverne und Seminarzentrum Trifilli. Auch über sie will ich ein Porträt für die Griechenland-Zeitung schreiben. Susan, witzig und geistreich, ist erste Anlaufstelle für alle Ausländer, die sich für Natur- und Umweltschutz auf der Insel, aber auch für alle, die auch im Urlaub vegan und/oder glutenfrei essen wollen. Vor 28 Jahren ist sie aus der Gegend um Zürich hierher gekommen. Im Frühstücksraum entdecke ich eine Info-Mappe von Attika Reisen. Zwei Zimmer hat sie dem Münchner Reisebüro als Kontingent überlassen. Für die Gäste dieses Jahres zahlen die Münchnet erst nächstes Jahr die Rechnung – so unverschämt sind leider viele Reiseveranstalter!

10:50 Cafe Platanos in Lourdata. Wirt aus Wales. Im Innenraum eine riesige Sammlung alter Kaufmannswaagen. Im Angebot: Über 150 Flaschenbiere aus aller Welt, dazu Biere aus 18 griechischen Mini-Brauereien. Wir bestellen englischen Tee: mit losen Teeblättern aufgegossen, mit Milch dazu. Kurz darauf kommt Tassos, bestellt sich einen Ouzo. Der füllt ein ganzes Wasserglas. Wir unterhalten uns angeregt. Wie so viele Kefallinioten hat er bis zu seiner Heirat or nunmehr 34 Jahren zur See gefahren. Danach hat er als Schiffsmechaniker vor allem Touristenyachten betreut. Seit 2 Jahre. ist er in Rente und liest viel über seine Insel. Ich könnte seinen Geschichten stundenlang zuhören. Über den auf den Ionischen Inseln nach italienischer Art gefeierten Karneval zum Beispiel. Die beiden grössten Inselstädte, Argostoöi und Lixouri, erzählt er, seien sich traditionell spinnefeind. Im Karneval kann man diese Feindschaft am besten ausleben. Einmal schickten die Karnevalisten denen von Argostoli ein ganzes Boot toter Hunde als Dekoration für ihre Umzugswagen. Im nächsten Jahr klauten die Narren aus Argostoli die grosse Figur des König Karneval am Faschingssstag. Da musste der Umzug am nächsten Tag ohne seine Majestät stattfinden – worüber sich halb Griechenland schieflachte.

15:30 Nach vielen kleinen Recherchen parken wir vor dem Hotel Ionian Plaza in Argostoli. Da unser Sohn heute abend für drei Nächte zu Besuch kommt, haben wir eine Suite mit zwei Schlafzimmern gebucht (107 € inkl. Frühstück via booking.com). Es ist seinen Preis wert.

19:00 Wir sitzen im Cafe Ikarus gegenüber vom Terminal-Building. Jenseits der Piste versinkt die Sonne im Meer. Unser Sohn hatte letzte Nacht Dienst, ist direkt vom Radarschirm zum Check-In in München gegangen und mit Singapore Airlines nach Manchester geflogen. Von dort kommt er gleich mi Thompson, der britischen TUIfly, hier an. War die schnellste und billigste Möglichkeit, um heute von München nach Kefallonia zu kommen. Am Mittwoch wird er dann kurz nach 6 mit Aegean nach Athen fliegen, um von dort dank China Airlines rechtzeitig zum Spätdienst wieder in München zu sein. Gesamte Flugkosten: knapp 400 Euro.

20:20 Vor einer halben Stunde ist die Thompson gelandet, jetzt sind wir schon wieder im Hotel.

23:50 Abschiedsparty im Pub “Old House”. Nach über 30 Jahren schließt es für immer seine Pforten. Zu viele Steuern erzwingen hohe, Publikum abschreckende Preise, immer neue Behördenauflagen machen die Kosten untragbar.

Tag 21: Montag, 3.10.2016

08:00 Und wieder scheint die Sonne. 21 Grad. Heute geplant: Eine Tagestour nach Fiskardo im Inselnorden. Die direkte Straße dorthin ist immer noch nicht durchgehend befahrbar. Man hat das bei einem Erdbeben eingestürzte Teilstück zwar repariert, aber das ist wieder eingestürzt. So muss man einen Umweh hoch hinauf in die Berge machen – landschaftlich sehr schön.

13:00 Mittagessen am Hafen von Fiskardo. Zusammen mit Assos, wo wir heute Morgen Kaffee tranken, sicherlich der optisch schönste Ort der Insel. Aber die vielen Yachten hier verderben die Preise. Im Irida zahlten wie für einen Choriatiki, ein Stifado, eine schlichte Fischsuppe und ein Thunfischsteak plus zwei Limonaden 48 Euro. Der Geschmack war okay, die Portionen aber waren klein. Und ein kostenloses Dessert gab’s auch nicht. Dass man hier auf Touristennepp aus ist, zeigt ein handgeschriebener Zettel auf dem Speisekartenaushang des Restaurants “Lagoudera II”: “Für Griechen 20% Rabatt”.
Trotzdem kann ich Fiskardo für einige Urlaubstage empfehlen. Es gibt mehrere markierte Rundwanderwege, Möglichkeiten zu mehreren relaxten Bootsausflügen, kleine Strände in Ortsnähe, Motorboote zu mieten.

15:45 Stop in Rosie’s Cafe im Bergdorf Karia. Es gibt hier frisch in der Fremch Press aufgebrühte Kräutertees. Und meine Sitzbank ist lang und weich genug für ein Nickerchen.

17:15 Strandtest. Meine Chefredakteurinnen wollen mehr Strand- als Kirchen- und Klosterbeschreibungen. Also bebe ich mich jetzt schon zum fünften Mal in 20 Tagen in die Fluten, Tendenz deutlich steigend. Ketzt also der Traumstrand Myrtos Beach. Die weißen, glatten Kiesel rollen in der leichten Brandung, ich sinke bis zu den Knöcheln in sie ein. Toll ist der Blick auf die Steilwände hintetm etwa 30-40 m breiten Strand, zu dem eine serpentinenreiche Asphaltstraße hinunter führt. Etwa 80 Leute sond noch außer und am etwa 400 m langen Beach, nur an einem kleinen Fleck werden von einer schlichten Beach Bar Liegestühle vermietet.

19:00 Wieder am Hotel in Argostoli. War ein toller Tag auf einer tollen Insel!

19:30 Bier an der Platia im “Sapin Noir” (5 € der halbe Liter). Hat das jüngste Publikum, die attraktivsten Bedienungen und vor allem das schnellste Internet. Zum ersten Bier gibt’s langweilige Potato Chips, zum zweiten je eine köeine Scheibe Baguette mit warmer kefallionitscher Landwurst auf warmem Senf. Da könnte man zum Trinker werden…

20:30 Wir sind im Fischrestaurant Kyani Akti in Argostoli. Die Tische stehen auf Holzplattformen direkt über dem Wasser, das durch Spalten im Bohlenboden gut zu sehen ist. Heute fünf Teller für uns drei: Gegrillter Räucheraal, Daktili-Muscheln, Stockfisch mit Kartoffel-Knoblauch-Püree, Seeigelsalat und Chorta-Salat. Dazu eine Flasche Robola-Wein. Wir sind begeistert und zahlen dafür gern 96 Euro, Nachtisch vom Haus inklusive.

Tag 22: Dienstag, 4.10.2016

19:00 Feierabendbier an der Platia von Argostoli. Heute Vormittag Recherchen in der Stadt. Yvonne Walser getroffen, die schon seit Jahren See-Kayak-Touren anbietet, Dauer zwischen 4 Stunden und 10 Tagen. Auch bewohnte und unbewohnte Inseln werden dabei angepaddelt. Dann mit der Autofähre in 25 Minuten hinüber ins Städtchen Lixouri (Pkw inkl. Fahrer 4, Begleitperson 2,80 €). Auf der Lixouri-Halbinsel liegen einige der schönsten griechischen Sandstrände, darunter der Xi Beach: rötlicher Sand vor niedriger hellgrauer Steilküste. Auch tolle Ferienhäuser sind hier zu mieten (mit Platz für bis zu 8 Personen), z.B. über das korfiotischen Reisebüro Agni Travel oder den Tiroler Veranstalter Idealtours, der im Sommer auch Direktflüge von Innsbruck nach Kefallonia anbietet.
Später mit der Fähre wieder zurück nach Argostoli; sie fährt jede halbe Stunde. Bier an der Platia, panierten heißen Mastello-Käse aus Chios im Captain’s Table an der Uferstraße, noch einen Tsipouro im neuen Mezedopoleio Beverinos. ich Im Captain’s Table sitzen zwei nackte Puppen friedlich nebeneinander auf einem Sofa, die eine schön schwarz, die andere “weiß” – als wollten sie der Welt ein Vorbild sein.

Tag 23: Mittwoch, 5.10.2016

05:30 Wir bringen unseren Sohn (36) zum Airport, er fliegt via Athen nach München zurück.

08:20 An der Platia gibt es zwei große Kioske. Dem einen habe ich seine Camel ohne Filter schon alle abgekauft, jetzt ist der zweite dran:
“Haben Sie Camel ohne?”
“Ja”
“Wie viele?”
“Sechs”
“Geben Sie mir bitte alle”
“Ich gebe Ihnen fünf, eine behalte ich!”
Wahrscheinlich hat der Kiosk einen wenig rauchenden Stammkunden für diese Marke – und der darf nicht frustriert werden…

10:00 Erster Stopp in Agios Georgios mit seiner markanten venezianischen Burg. Von ihren Bastionen aus sehen wir die MS Eurodam der Holland-America-Lines den Hafen von Argostoli anlaufen. Etwa 60 Kreuzfahrtenschiffe haben 2016 hier festgemacht; die Zahl kann die Insel bestens verkraften.Santorin erreicht diese Zahl in einer Woche.

11:30 Im Besucherraum der Robola-Winzergenossenschaft auf der Omalos-Hochebene treffe ich die 30-jährige Rubina aus Athen, die jetzt schon den zweiten Sommer hier gejobbt hat. Als studierte Chemie-Ingenieurin ist sie arbeits- und wohl aussichtslos. Im Winter hält sie sich dank EU-Förderprogrammen über Wasser. Sie spricht sehr gut Deutsch, war zwei Jahre lang in München. Am schlimmsten an der Krise findet sie für sich selbst, dass sie ihr Leben nicht planen kann…
Natürlich unterhalten wir uns auch über die Weinkellerei. Etwa 500 000 Flaschen werden im Jahr produziert. Im Shop kostet die teuerste Flasche 15 €. Die 309 Genossenschaftsmitglieder erhalten pro Kilo angelieferter Trauben 1 €. Jedes Jahr findet auf dem Kellereigelände am Wochenende vor und nach dem 15. August ein großes Weinfest mit bis zu 6000 Besuchern statt. Für 2 Euro können die dann soviel Wein konsumieren, wie sie vertragen oder auch nicht. Musik und Volkstanz gibt es kostenlos dazu, Essen kann man billig kaufen. Da möchte ich mal hin!

12.15 Stippvisite im Kloster des Inselheiligen, des Agios Gerassimos. Etwa 10 Nonnen leben hier noch. Die neue Klosterkirche ist eine der größten und am teuersten ausgestatteten ganz Griechenlands. Viel stimmungsvoller ist die alte Klosterkirche. Jeden Morgen um 4.30 Uhr beginnt hier der Gottesdienst, an dem auch Laien teilnehmen dürfen – nichts für mich!

13:30 Auf bestens ausgebauter Asphaltstraße sind wir auf den Ainos hinaufgefahren, stehen jetzt an der Antennenanlage auf 1613 m Höhe. So weit hinauf gelangt man auf den griechischen Inseln sonst mit normalem Pkw nur noch in den Weißen Bergen Westkretas. In den dunklen Tannen-Urwäldern hier wurden mehrere schöne Picknickplätze angelegt. Die Aussicht ist phantastisch, umfasst auch ganz Zakinthos inklusive Bucht von Laganas. Wir sehen deutlich den Flughafen von Argostoli, von dem wir morgen starten werden und auch die Bahn von Zakinthos, auf der wir dann etwa 25 Minuten später aufsetzen werden: Grandios, Start- und Zielflughafen zugleich sehen zu können!

15:00 Endlich Mittagessen: unterm Feigenbaum auf einer der urwaldhaft grünen Terrassen der kleinen Taverne Kastro. Für mich gibt es Schweinegulasch in einer würzigen Rotweinsauce, für Christiane eine Jacket Potato. Ich habe dazu eine Flasche Soda bestellt. “Mia sodoula”, wiederholt der Wirt, “ein Sodalein!”. Diese Verkleinerungsform habe ich noch nie zuvor gehört…
P.S. Die Taverne liegt in einem Funkloch, bietet auch kein WLAN. Kein einziger Gast sitzt mit Device in der Hand am Tisch. Ein selten gewordener Anblick!

16:45 Mittagspause im Hotel.

18.30 Zum Tagebuchschreiben ins Sapin Noir. Die flotte Bedienung bringt mir ungefragt mein Bier.

22:15 Immer noch im Sapin Noir. Der französische Name bedeutet übrigens >Schwarztanne<, und die ist oben am Ainos massenhaft zu finden.

Tag 24: Donnerstag, 6.10.2016

09:10 Freddo Espresso im Cafe Libretto. 15 m links das Parteibüro der Kommunisten, 15 m rechts das der Faschisten.

10:30 Nach letzten Recherchen im Städtchen fahren wir zum ARK-Tierheim am Rande der Stadt. Marina, die aus Kolumbien stammende Chefin, ist gerade nicht da, aber ihr griechischer Partner Lefteris. Wir sprechen mit Joyce, einer jungen Holländerin aus der Umgebung Rotterdams. Die studierte Verhaltensforscherin arbeitet hier seit 18 Monaten quasi unentgeltlich zum Wohle der etwa 360 Hunde und 70 Katzen. Hut ab! Wir lassen natürlich eine Spende da, mehr können wie momentan nicht tun.

11:15 Stopp in der urigsten Weinkellerei der Insel, Divino im Dorf Pessada. Winzer Gerassimos sitzt mit seinem Freund George, einem griechischen Australier, auf der Terrasse. Gerassimos produziert nicht nur 100 000 Flaschen Wein und Retsina pro Jahr, sondern auch drei Jahre reifenden Balsamico und einen mit Rosenöl aromatisierten Weinessig nach uralter kefallionischer Tradition. Georgios ist Journalist und über Neuerungen und Pläne auf der Insel bestens informiert. Das Gespräch mit ihm ist für mich besonders ergiebig.

13:30 Ankunft am Flughafen von Argostoli. In gut zwei Stunden geht unser Flieger nach Zakinthos ( eine JetStream 41 diesmal). Jetzt wird erst einmal im “Ikarus” gegenüber vom Terminal gemampft. Für Paxe, die hier auf verspätete Flieger warten, hat das Lokal sogar einen Pool!

15:05 Außer uns will nur noch eine Frau mitfliegen. Eingecheckt haben wir schon. Die Sicherheitskontrolle ist unbesetzt. Ich klopfe an die Scheibe der Polizeistation. Eine Polizistin kommt heraus. Sie macht gern jederzeit den Check, sagt sie , aber wir sollten doch besser später kommen. Drinnen dürften wir schließlich nicht rauchen!

15:55 Los geht’s! Sechs Paxe simd ausgestiegen, fünf sitzen geblieben, drei zugestiegen. Acht Leute fliegen also nach Zakinthos, wo wir schon 10 Minuten nach dem Abheben aufsetzen.

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