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Von Korfu bis Zakinthos – Tagebuch einer Reise im Herbst 2016 – Teil 4: Zakinthos

Von Klaus Bötig | 7.Oktober 2016

Tag 24: Donnerstag, 6.10.2016

16:55 Ankunft in unserem Stammhotel, dem Diana direkt am Markusplatz (60 € Ü/F). Da nutzt man jetzt das Dach: Für einen kleinen Pool und eine moderne Lounge Bar. Toller Blick über die Dächer der Stadt hinüber zu den Bergen des Peloponnes.

20:00 Frühes Abendessen am Markusplatz im neuen italienischen Restaurant Alastea. Als Vorspeisen einen Salat aus Schwarzaugenbohnen (Mavromatia) und einen Riesenteller Gnocchi mit regionalem geräucherten Schweinefleisch (Xiromeri). Dann noch eine große, hauchdünne Pizza mit Prosciutto. Der Rotwein dazu ist für mich die Entdeckung des Jahres: ein Papaioannou Nemeas 2010 aus der Agiogirtiko-Traube. Der kann mit fast jedem guten Rioja mithalten!

Tag 25: Freitag, 7.10.2016

12:00 Seit drei Stunden regnet es in Strömen, blitzt und donnert es. Wir haben auf der Terrasse einer schlichten Snack Bar Zuflucht gesucht. Innen hängt eine Gitarre an einem der Kleiderhaken. Nach zehn Minuten holt sie sich ein älterer Mann und beginnt, zakinthische Lieder zu spielen. Ein anderer singt kräftig dazu. Wieder einmal wird meine Erfahrung bestätigt: Zakinthos ist die sangesfreudigste Insel Griechenlands. Einmal war ich während der jährlichen Tourismusmesse Philoxenia in Thessaloniki zu einem Essen eingeladen, das die Inselregierumg für Touristiker aus aller Welt in einer Taverne gab: Mittendrin stand der Inselgouverneur auf und schmetterte gekonnt eine italienische Opernarie!

16:15 Wir sind jetzt seit 24 Stunden auf Zakinthos. Weil heute kein Strandwetter ist, sind einige hundert Touristen in die Stadt gekommen- überwiegend Skandinavier, Niederländer und Briten. Deutsch ist kaum zu hören, auf Speisekarten und in touristischen Publikationen ist Russisch die zweite Fremdsprache.

18:00 Es regnet immer noch ein wenig, der Peloponnes wird von Wolken verhüllt. Wir gehen los, um für morgen ein Auto zu mieten. Bekommen einen Fiat Panda, 115 & für 5 Tage.

19:00 Sauwetter. Da sind nur Cafe- und Kneipenrecherchem möglich. Momentan sitzen wir im Greco Cafe an der Uferstraße. Wie die meisten Lokale auf dieser Insel recht teuer. Wer bestellt hier wohl eine Flasche Champagner für 350 Euro?

Tag 26: Samstag, 8.10.2016

7:30 Zoologischer Himmel. Die noch dunklen Wolken hier und da am Himmel nehmen jede Minute andere Tierformen an. Der Krokodilskopf bekommt eine Warze, die bald wieder weg ist , die Haarspitzen des Pudels färben sich golden – da ist immer was los!

8:15 Im Frühstücksraum sitzen nur Chinesen. Sie kommen jeden zweiten Tag und bleiben jeweils zwei Nächte.

10:30 Kurzbesuch in der urigsten und preiswertesten Fischtaverne der Insel, Porto Roulis. Das Kilo besten Fisches kostet hier nur 45 €, die Cola kostet 1,20 €. Kaninchen gibt’s auch (9 €).

15:30 Die Saison geht hier auf Zakinthos zu Ende. Nach dem 15. Oktober sind fast alle Hotels außerhalb der Stadt geschlossen. Etliche Hotels, Tavernen und Mini-Märkte sind jetzt schon dicht. Im Schatten kann man auch mittags schon gut eine leichte Jacke gebrauchen, abends kann man ohne Strickjacke oder Pullover schon gar nicht mehr draußen sitzen. Am Strand hingegen liegen jetzt durchaus noch ein paar Leute in der Sonne, auch gebadet wird noch. Wir haben uns heute im Hotel Ionian Star in Alykes einquartiert (55 € Ü/F). Empfehlenswertes Haus direkt an der Flussmündung.

Tag 27: Sonntag, 9.10.2016

09:00 Nach einem -wohl der sehr geringen Gästezahl wegen- recht dürftigen Frühstück starten wir zu unserer Tour in den Inselnorden, der mir schon immer viel besser gefiel als der Süden. Wir entdecken die mir bisher noch unbekannten Lykia-Strände. Einer davon ist sogar als “Nude Beach” ausgewiesen. Überm Zugang zu einem anderen Teil steht “Spa Sulphur and Collagen”. Ein Spa hier in der Wallachei? Wir erkundigen uns an der Kantina am kleinen Parkplatz und erfahren: Das Schild ist das einzige bisher realisierte Element eines von der Inselgemeinde gehegten Plans, die im Meer entspringenden Schwefelwasserquellen medizinisch und touristisch zu nutzen. Das Wasser kommt aus kleinen Aushöhlungen in der Felswand und fließt je nach Wind und Strömungen auch in die nähere Umgebung. Man kann mit wenigen Zügen hinschwimmen. Dass man da ist, merkt man am etwas milchigen Wasser, intensivem Schwefelgeruch und deutlich niedrigerer Wassertemperatur als drumherum.

10:45 Kleines Gespräch mit der Schweizerin Yvana Pyromalis, die zusammen mit ihrem einheimischen Mann ganz nahe am Makris Gialos Beach sieben sehr schöne Studios und ein Restaurant betreibt – alles schweizerisch supersauber und gepflegt. Die Zimmervermietung lief heuer hervorragend, ins Restaurant aber kamen kaum Gäste: Die Urlauber sparen, wo sie nur können.

12:45 Wir starten zu einer 140-minütigen Bootstour zum weltberühmten Shipwreck Beach und zu den Blauen Grotten. Wir fahren nicht von Agios Nikolaos aus, wo ein halbes Dutzend Touristenbusse stehen, sondern fahren weiter zum kleinen Kai der Familie Potamitis unterhalb des Leuchtturms, wo Busse gar nicht hinfahren können. Vater Potamitis hat hier vor etwa 30 Jahren begonnen, Turis in die Grotten zu rudern. Heute besitzt die Familie ein großes Schnellboot für den Shipwreck Beach und zwei kleinere für Fahrten in die Grotten. Außerdem gehören der Familie inzwischen die beiden Tavernen ganz in der Nähe, zwei als Ferienhäuser erbaute Windmühlen und ein Badekai. Das alles ernährt auch die drei Söhne und die Tochter samt deren Familien.

15:50 Kaffeepause im Elies Park. Dessen Gründer hat einst sein Geld als Strassenbauunternehmer verdient. Sein Hobby war aber immer schon der aufgelassene Steinbruch seiner Familie. In dem hat er allerlei gesammelt – von Schrottautos über landwirtschaftliches Gerät bis hin zu Felsbrocken in Tiergestalt. Einiges hat er nach alten Vorbildern neu erbaut, einen Dreschplatz und eine Windmühle zum Beispiel. Sein Thema ist die Vergänglichkeit. Eintritt für seinen Park nimmt er nicht. Im Gegenteil: oft führen er oder seine 13-jährige Tochter noch persönlich durchs Gelände. Auch die angeschlossene Taverne wirft kein Geld mehr ab: Von den täglich etwa 20-30 Besuchern des Parks trinken meist nur 2 einen Kaffee hier.

16:35 Jetzt schauen wir uns den Shipwreck Beach von oben an. Eine Gruppe aus der Ukraine bereitet sich gerade aufs “Abseiling” aus 200 m Höhe vor.

21:00 Nach einem Steak im “Fidelio” gehen wir wieder in die Jungle Bar schräg gegenüber, die als einzige weit und breit auch im Winter geöffnet sein wird. Wirt Markos, ca. 38 Jahre alt, hat seine letzte Urlaubsreise im Jahr vor der Geburt seiner heute 12-jährigen Tochter unternommen. Fünf Wochen mit dem Auto von Athen über Ancona bis in die Algarve und zurück an der Biskaya entlang. Tagsüber langsam auf kleinen Küstenstraßen, weil seine Frau nicht gerne schnell fuhr. Vom Wein zum Abendessen wurde seine Frau immer sehr müde und schlief im Auto gleich ein. Dann frass er noch schnell Kilometer auf der Autobahn, um ein bisschen voran zu kommen. Übernachtet wurde im Auto. Den nächsten Urlaub plant er für November 2017: Dann wollen sie mit dem Auto durch Griechenland touren, solange das Geld reicht.

Tag 28: Montag, 10.10.2016

8.30 Kräftiger Regen. Es stehen kaum noch Liegestühle am Strand.

9:30 Kein Regen mehr. Weiter geht’s also mitsamt Gepäck. Noch ein paar Stunden schönes Zakinthos, dann müssen wir uns in die Touristenhölle an der Bucht von Laganas stürzen. Anlaufpunkte: das unbewohnte Kloster Anafonitrias, die Taverne des Priesters in Kambi, die besonders urigen Bergdörfer Giri und Loucha, Kiliomenos mit seinem zwei guten Tavernen, Agalas mit “Art Gallery”. Dann kurze Fahrt durch Laganas, den schrecklichsten aller Urlaubsorte in ganz Griechenland. Man sollte es dem Erdboden gleichmachen – im Winter natürlich, wenn fast niemand dort wohnt.

15:00 Wir beziehen Quartier im Strandhotel Crystal Beach in Kalamaki, dem ausser dem Porto Koukla einzigem empfehlenswerten Hotel an der ganzen Bucht von Laganas (DZ Ü/F jetzt 40 €, WLAN kostenpflichtig). Via booking.com
wäre es 15% teurer gewesen!

20:25 Die meisten Restaurants und Bars hier sind schon geschlossen. Wir sitzen in einer der drei noch geöffneten. Außer uns sind noch 4 Gäste da. 2 Gäste wollen die Rechnung. Sie hatten 4 Bacardi Cola a 6 Euro. Was ist 6×4 fragt die Bedienung den Wirt…

23:00 Der Abend ist doch noch interessant geworden. Wirt Spyros wurde gesprächig. Sein Großvater hat hier in den 1950ern vier Hektar Land für ein Paar Pantoffeln erworben. Vom Parzellenverkauf in späterer Zeit zehrt Spyros noch heute. Über Kalamaki und Laganas erzählt er, dass inzwischen über 80% der Lokale und Diskos Albanern gehören. Er ist auch einer der relativ wenigen Griechen, die die Ursache für alle Probleme Griechenlands allein bei den Griechen sehen. Und er ist sich sicher: Griechenland wird untergehen. Ein Indiz: wenn es hier in der Gegend ein Problem gibt, kommt keine Polizei mehr. Sie hat schlicht kein Geld für Benzin mehr…

Tag 29: Dienstag, 11.10.2016

8:00 Draußen tost ein Sturm. Im Internet sehe ich später, dass es teilweise ein Tornado mit richtig zerstörerischen Windhosen war, die Dächer abdeckten und Bäume fällten. Wir fühlten uns zu keiner Zeit gefährdet. Hörten später auch noch, das sei schon der vierte Tornado in diesem Herbst gewesen. Und 2008 habe ein Tornado sogar die dort üblichen Dächer abgedeckt und Matratzen und Möbel aus den Hotelzimmern dort ins Meer gewirbelt…

19:00 Wieder bei Spyros in der Zante Island Bar. Heute haben wir zuerst die Schrecken von Laganas fotografiert und in meine fb-timeline eingestellt. Dann waren wir am Porto Sostis, wo der Sturm die Brücke hinüber nach Cameo Island zertrümmert hat. Dann im schönen Hotel Porto Koukla und am Leuchtturm von Keri. Da gibt es eine der schönsten Kantinas des Landes. Man sitzt auf Strohballen, Baumsegmente dienen als Tische und man blickt aus über 150 m Hähe die weiße Steilküste entlang. Dann Einkehr in der Taverne Lighthouse mit dem höchsten Fahnenmast und der größten griechischen Flagge von ganz Hellas. Zum Abschluss noch Limni Keriou mit seiner Pechquelle und zwei guten Tauchschulen.

22:00 Haben in der exzellenten Taverne Zepos gegenüber unseres Hotels Crystal gegessen. Da gibt es sogar von der Familie selbst auf Zakinthos gebrannten Tsipouro – eine absolute Seltenheit!

Tag 30: Mittwoch, 12.10.2016

8:00 Überwiegend blauer Himmel. Laut Vorhersage soll das nun für die nächsten vier Tage so bleiben. Tagsüber bis 23, nachts mindestens 16 Grad. Am Pool liegen schon die ersten Handtücher auf den Liegen.

11:00 Wolkenbruch.

16:00 Wieder in der Inselhauptstadt. Die Hotels sind voll mit überwiegend jungen chinesischen Pärchen. Wir bekommen ein Zimmer mit Meerblick im Strada Marina direkt an der Uferstraße (50 €).

Tag 31: Donnerstag, 13.10.2016

7:30 Tolle Morgenröte über dem Peloponnes, prächtiger Fernblick.

9:00 Ich kaufe die Fährtickets für morgen von Zakinthos nach Kyllini auf dem Peloponnes. 7,80 €/Person. Wir werden mit Levante Ferries fahren. Deren Schiff ist erst 32 Jahre alt. Das der Konkurrenz, Kefallonian Lines, bringt es auf stolze 41 Jahre.

11:00 Gestern habe ich auf facebook ein kleines Suchspiel veranstaltet. Jetzt will ich den Preis eintüten und zur Post bringen. Im Schreibwarengeschäft bekomme ich den passenden Umschlag. Kostenlos, weil’s ja nur einer ist…

11:30 Ein junger Bartender, dessen Frisur ich besonders gut fand, hat mir die Adresse seines Coiffeurs gegeben. Da bin ich jetzt, um
mir einen Termin zu holen. Heute hat er eigentlich keinen mehr. Da ich aber ja morgen schon abreise, verkürzt er seine Mittagspause: um 13:30 Uhr soll ich kommen!

13:30 Waschen, schneiden, Barttrimmen, nochmals Waschen, Fänen – calles zusammen 15 €.

17:00 Wir steigen etwa 40 Minuten lang recht steil brgan zum Dorf Bochali mit phantastischem Blick auf die Stadt und übers Meer hinweg auf den Peloponnes.

Tag 32: Freitag, 14.10.2016

10:30 Ciao bella! Wir fahren hinüber aufs Festland. Um 16:55 geht unser Flieger von Araxos nach Hannover mit der ungeliebten TUIfly nach Hannover, am Abend werden wir in Bremen sein. Nächsten Freitag geht es dann weiter nach Kreta!

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