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Wandern in Nordgriechenland und auf den Ionischen Inseln

Von Klaus Bötig | 1.November 2017

Patricia Dinkel-Nikolaou ist am Rande des 1244 m hohen Erzgebirges aufgewachsen, ihr heutiger Mann Kostas Nikolaou etwa zur gleichen im fast doppelt so hohen Pindos-Gebirge in Nordwestgriechenland. Kennengelernt haben sie sich in den 1980er Jahren in Sachsen, wo Kostas als Sohn guter Linker ein Stipendium an der Universität in Halle an der Saale bekommen hatte. Sein Studienfach war Geschichte. Sie bekamen eine erste Tochter und stellten einen Ausreiseantrag. Zwei Tage nach dem Mauerfall durften sie am 11. November 1989 ganz offiziell ausreisen.

Eins war von vornherein klar: Sein Studium würde Kostas beruflich in Griechenland nichts nutzen. Also gründeten beide zusammen ein frondistirio – eine Abend- und Nachhilfeschule für Deutschunterricht. Die betreiben sie auch heute noch in der epirotischen Kleinstadt Arta nahe dem Amvrakischen Golf. Da haben sie immer hohe Berge im Blick, denn ohne die könnten sie nicht leben.

Mit Beginn der >Krisis< 2010 ging es mit dem Geschäft rapide bergab. Sie hatten 50% weniger Schüler und mussten den Verbliebenen auch noch bis zu 50% Rabatt gewähren. Daraufhin beschlossen die beiden – inzwischen Eltern zweier Töchter – durch eine andere Form des Bergauf und Bergab Geld hinzu zu verdienen: Sie gründeten ein kleines Wanderreise-Unternehmen. Das betreiben sie noch heute mit Leidenschaft, obwohl das frondistirio wieder besser läuft: Ausreisewillige Akademiker, vor allem Ärzte, Architekten und Ingenieure, sind ihre neue Kundschaft.  Eine der beiden Töchter, die in Deutschland Jura studierte, hilft jetzt fleißig mit, diese >zweite Gastarbeiterwelle< auf ein Leben zwischen Rhein, Oder und Elbe vorzubereiten.

Bei aller Arbeit hat Kostas aber auch noch Zeit für seine Hobbies. Er fühlt sich dem heimischen Boden verbunden, von dem er ja auch ein paar Krumen geerbt hat. 17 Tonnen Apfelsinen und Mandarinen tragen seine Bäume – doch bei Erzeugerpreisen zwischen 15 und 16 Cent erntet er nur noch Früchte für seinen eigenen Bedarf und einige Freunde. Mehr Freude bereitet ihm sein Rebgarten. Da gedeihen Merlot, Cabernet und Chardonnay. Auf etwa 500 eigene Flaschen kommt der Freizeitwinzer im Jahr, die er alle an Freunde verschenkt. “Mich um meinen Wein zu kümmern”, sagt Kostas, “erspart mir den Psychotherapeuten.”  Der Wein ist auch Grund für die Wahl seines Traumreiseziels, das er einmal im Leben besuchen möchte: Die nordostspanische Weinbauregion Rioja.

In Arta leben Patricia (52) und Kostas (54) gerne. Besonders wissen sie da den Winter zu schätzen: In Arta ist die einzige Fachhochschule Griechenlands für Volks- und traditionelle Musik angesiedelt. Die zählt etwa 150 Studenten, die sich während des Wintersemesters gern ein paar Euro mit Auftritten in den Mezedopolia des Städtchens verdienen. Fast jeden Abend treten angehende Berufsmusiker irgendwo auf.

Das Wandern mit seinen kleinen Gruppen möchte Kostas auf keinen Fall mehr missen. Die Teilnehmer kommen überwiegend aus den deutschsprachigen Ländern. Patricia kommt gerne mit, wenn das frondistirio ihr dafür Zeit lässt. 18 Touren haben sie für 2018 auf ihrer Homepage ausgeschrieben, etwa 6-8 Reisen werden wahrscheinlich zustande kommen. Liebstes Wandergebiet ist Kostas seine Heimat, das Tzoumerka-Gebirge. Aber weil viele Urlauber nach Meer verlangen, organsiert er auch ein- oder zweiwöchige Touren entlang der epirotischen Küste oder auf den Ionischen Inseln zwischen Korfu und Zakinthos. 2017 war zum ersten Mal eine Kombination aus Yachting und Wandern im Angebot, 2018 wird es erstmals ein spezielles Wanderprogramm für Senioren geben. 5-8 km stehen da täglich auf dem Plan. Zur Routine soll das Wandern mit Gästen für die beiden aber nie werden. “Der letzte Abend einer Tour ist immer der traurigste”, sagt Kostas, “da müssen Freunde auseinandergehen!”

Infos: www.wandern-natur.com

 

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