Viele Menschen träumen davon, ihre Reiseerlebnisse zu teilen und vielleicht sogar davon zu leben. Doch wie wird man eigentlich Reiseautor? Klaus Bötig, der über 35 Jahre lang Reiseführer schrieb, teilte gerne sein Wissen über dieses besondere Handwerk.
Was einen guten Reiseführer ausmacht
Ein Reiseführer ist mehr als eine Auflistung von Sehenswürdigkeiten und Hotelempfehlungen. Er ist ein Begleiter, der dem Leser hilft, ein fremdes Land zu verstehen und zu erleben.
- Praktische Informationen: Öffnungszeiten, Preise, Anfahrt – das Grundgerüst
- Kontext: Geschichte, Kultur, Zusammenhänge verstehen
- Persönliche Note: Eigene Erfahrungen und Empfehlungen
- Ehrlichkeit: Auch Nachteile und Enttäuschungen benennen
- Aktualität: Regelmäßige Überprüfung und Aktualisierung
Die Recherche vor Ort
Die wichtigste Arbeit findet nicht am Schreibtisch statt, sondern unterwegs. Ein guter Reiseautor besucht jeden Ort persönlich, testet Restaurants selbst, übernachtet in den Hotels, die er empfiehlt.
Klaus Bötig verbrachte oft Wochen in einer Region, um sie wirklich kennenzulernen. Er sprach mit Einheimischen, besuchte Orte zu verschiedenen Tageszeiten, ließ sich treiben und entdecken.
Das Schreiben selbst
Reiseführer-Texte müssen präzise und informativ sein, dürfen aber nicht langweilig werden. Die Kunst liegt darin, auf wenig Platz viel zu vermitteln und dabei die Atmosphäre eines Ortes einzufangen.
Tipps für angehende Reiseautoren
- Führen Sie ein detailliertes Reisetagebuch
- Notieren Sie Preise, Namen, Öffnungszeiten sofort
- Fotografieren Sie Speisekarten, Schilder, Details
- Sprechen Sie mit Menschen – jeder hat eine Geschichte
- Schreiben Sie zeitnah, solange die Eindrücke frisch sind
Der Weg zum Verlag
Der klassische Weg führt über Verlage wie Marco Polo, DuMont oder Lonely Planet. Diese suchen regelmäßig Autoren für bestimmte Regionen. Wichtig sind Ortskenntnisse, Sprachkenntnisse und Schreibproben.
Alternativ können Sie heute auch selbst publizieren – als E-Book, Blog oder auf Reiseportalen. Der Vorteil: Sie haben volle Kontrolle. Der Nachteil: Die Reichweite müssen Sie selbst aufbauen.
Kann man davon leben?
Die ehrliche Antwort: Nur wenige Reiseautoren können ausschließlich vom Schreiben leben. Die meisten kombinieren verschiedene Tätigkeiten: Reiseführer, Zeitschriftenartikel, Reiseleitung, Vorträge, Fotografie.
Wer reich werden will, sollte einen anderen Beruf wählen. Wer aber seine Leidenschaft zum Beruf machen möchte, kann als Reiseautor ein erfülltes Leben führen – auch wenn es kein luxuriöses ist.
„Das Schönste am Beruf des Reiseautors ist nicht das Reisen selbst, sondern die Möglichkeit, anderen die Augen für die Welt zu öffnen."

