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Drei starke Frauen auf Samos

Von Klaus Bötig | 6.November 2016

Wer schon einmal auf Samos war, kennt gewiss auch Eva vom >Webstuhl< in Koumaradei. Von dort gibt es Neues zu vermelden – verpackt in ein Porträt von Eva & Co, das ich neulich für die Griechenland-Zeitung schrieb:

Im Bergdorf Koumaradei hält fast jeder Fremde auf seiner Samos-Rundfahrt an. Hier arbeiten die Dorfbewohner mit- statt gegeneinander, haben diesen nach den vielen Erdbeerbäumen in der Umgebung benannten Weiler zum Urlaubserlebnis gemacht.  Zwei Tavernen mit Panorama-Terrassen verwöhnen sie mit Köstlichkeiten aus der Region, Familie Klironomou nimmt schon seit vielen Jahren an den Hängen gesammelte Kräuter von den Sammlern entgegen, trocknet und verpackt sie. Tochter Georgia gewinnt aus Kräutern im eigenen Labor ätherische Öle. Ein Imker bietet seinen Honig an, zwei ganz unterschiedlich arbeitende Keramiker arbeiten vor Ort. Und alle gemeinsam freuen sich, dass ihr Dorf durch ihre Aktivitäten und die Besucher aus der Ferne am Leben erhalten wird.

Seele des Dorfes ist Eva Eleftheriou.

Das Mädchen aus Koumaradei ging schon 1965 im zarten Alter von nur 15 Jahren nach West-Berlin und blieb dort fast 30 lange Jahre. 18 davon arbeitete sie im Promi-Café Möhring, bediente Filmstars und Bundeskanzler Helmut Kohl. Später machte sie sich als Textilgroßhändlerin selbständig – bis ihre Schwägerin im Heimatdorf aus Gesundheitsgründen nicht mehr weben und die Eltern unterstützen konnte. Da siedelte sie wieder nach Samos über. Ihr Mann Harold, mit dem sie dieses Jahr Silberhochzeit feiert, ging begeistert mit. Der ehemalige Pilot der US Air Force war ohnehin schon in die Insel verliebt.

Weben konnte Eva nicht. Drum ließ sie von drei Webstühlen im Dorfhaus nur einen als Museumsstück stehen, baute den ehemaligen Eselstall um und eröffnete im April 1994 in beiden Räumen ihr Geschäft >Der Webstuhl<, das heute Kultadresse ist. Alle Mitglieder der Frauenkooperative der Region sind verpflichtet, mindestens eine Handarbeit pro Jahr an sie zu liefern. Auch andere Samioten bringen ihr ihre Produkte wie Keramik und Olivenholzschnitzereien, handgemachte Seifen und Naturkosmetika. Olivenöl gewinnt ihre Familie selbst.  Aus dem westthrakischen Soufli senden ihr die letzten griechischen Seidenmanufakturen edle Stücke. Vor allem aber ist Eva immer gesprächsbereit, erzählt in perfektem Deutsch von ihrem Dorf und seinen Menschen, hält ein Fotoalbum bereit, das das Dorfleben im Winter illustriert.

Im April 2016 hat Eva ihren Laden an die Burgenländerin Monika Tamvaklis verkauft, denn in Griechenland darf sie nur Rente beziehen, wenn sie sonst keinerlei Geld verdient. Monika kam vor 27 Jahren als Reiseleiterin für Touropa Austria auf die Insel, verliebte sich in Land und Leute: genauer gesagt in den Dorffeuerwehrmann Babis. Mit dem zusammen lebt sie einsam in den Bergen auf ihrer Farm, baut Wein und Oliven an, brennt den hier Souma genannten Tresterschnaps. Und jetzt führt sie im Sommer Evas Laden. Dabei hilft ihr die Samiotin Maritsa, die als Zweijährige mit ihren Eltern nach Schwaben auswanderte, nach fast 25 Jahren in die Heimat zurückkehrte und den Laden jetzt auch mit ihren Malereien samiotischer Landschaften und Natur bereichert.

Eva ist trotzdem noch jeden Vormittag im Webstuhl zugegen. Aber sie freut sich auch, jetzt noch mehr Zeit für ihre Leidenschaften zu haben: Einheimischen, Touristen und auf Samos lebenden Ausländern in jeder Lebenslage zu helfen und nebenbei noch ihren Lebenstraum zu verwirklichen: Ein schönes Heimatmuseum zu schaffen. Da will sie auch zeigen, wie das Leben während ihrer Kindheit war – als sie ihre Schulaufgaben im Schein von Petroleumlampen erledigten, auf Erdstraßen mit Esel und Pferd in die Nachbardörfer und zu Kirchweihfesten ritten und ihre Häuser mit selbst geschaffenem Schönen zierten. Es soll auch ein Dank an alle Berliner sein, die ihr, wie sie sagt, “immer mit großem Respekt, Liebe und Freundschaft” begegnet sind.

 

 

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