Gavdos heute: Ein Reisebericht

Gavdos ist die südlichste Insel Europas. Weiter südlich kommt nur noch Afrika. Wer hierher reist, sucht nicht das typische Griechenland mit weißen Kirchen und blauen Kuppeln. Wer hierher kommt, sucht das Ende – oder vielleicht einen Anfang.

Die südlichste Insel Europas

Etwa 40 Kilometer südlich von Kreta liegt Gavdos im Libyschen Meer. Knapp 50 Menschen leben hier das ganze Jahr über, im Sommer kommen einige hundert Besucher hinzu. Die Insel ist etwa 30 Quadratkilometer groß, hat aber nur wenige Kilometer asphaltierte Straße.

Der südlichste Punkt Europas ist das Kap Tripiti an der Südspitze von Gavdos. Dort steht ein riesiger Holzstuhl als Kunstwerk – ein beliebtes Fotomotiv für alle, die es bis hierher geschafft haben.

Anreise nach Gavdos

Von Paleochora an der Südwestküste Kretas fahren Fähren nach Gavdos. Die Überfahrt dauert etwa drei Stunden und kann bei Wellengang abenteuerlich werden. Im Sommer verkehren die Fähren mehrmals wöchentlich, außerhalb der Saison seltener.

Auch von Sfakia (Hora Sfakion) gibt es Verbindungen, allerdings weniger regelmäßig. Die Fährpläne ändern sich von Jahr zu Jahr – vor der Reise unbedingt aktuell informieren.

Wichtig für die Planung

  • Bei starkem Südwind fallen Fähren oft aus
  • Immer einen Puffertag einplanen
  • Rückfahrticket gleich bei Ankunft kaufen
  • Bargeld mitnehmen – es gibt keinen Geldautomaten

Unterkünfte auf Gavdos

Hotels im klassischen Sinne gibt es auf Gavdos nicht. Die wenigen Unterkünfte sind einfache Zimmer, Studios oder Apartments. Die meisten befinden sich im Hauptort Karave oder im Dorf Sarakiniko.

Im Hochsommer sollte man vorbuchen – die Kapazitäten sind begrenzt. Außerhalb der Saison findet man meist problemlos etwas, muss aber flexibel sein.

Wildcampen auf Gavdos

Gavdos ist einer der letzten Orte in Griechenland, wo Wildcampen noch weitgehend toleriert wird. Vor allem an den abgelegenen Stränden wie Sarakiniko und Agios Ioannis zelten im Sommer Individualreisende aus ganz Europa.

Offiziell ist Wildcampen auch hier verboten. In der Praxis wird es geduldet, solange man sich respektvoll verhält: keinen Müll hinterlassen, keine Feuer machen, die Natur schonen. Die Gemeinde hat an einigen Stellen einfache Sanitäranlagen aufgestellt.

Wer hier campt, sollte gut vorbereitet sein: Trinkwasser ist knapp, Schatten rar, die Sonne gnadenlos. Mückenschutz ist Pflicht, ebenso eine gute Isomatte – der Boden ist steinig.

Die Strände von Gavdos

Die Strände von Gavdos gehören zu den schönsten und einsamsten Griechenlands. Das Wasser ist kristallklar, der Sand hell, und oft hat man den ganzen Strand für sich allein.

Sarakiniko

Der bekannteste Strand der Insel. Hier treffen sich im Sommer die Camper und Aussteiger. Es gibt eine einfache Taverne und ein paar Zimmer. Der Strand ist breit, das Wasser flach – ideal zum Baden.

Agios Ioannis

Noch abgelegener als Sarakiniko. Der Weg hierher führt durch Kiefernwald und ist zu Fuß oder mit dem Geländewagen machbar. Am Strand steht eine kleine Kapelle, sonst nichts.

Korfos

Der Hauptstrand nahe dem Hafen. Hier legen die Fähren an, hier gibt es die meiste Infrastruktur. Für Tagesausflügler der einfachste Strand zu erreichen.

Was Gavdos nicht bietet

Wer nach Gavdos kommt, muss wissen, worauf er sich einlässt. Es gibt keinen Geldautomaten, keinen Supermarkt, kein Krankenhaus. Die Mobilfunkverbindung ist unzuverlässig, Internet gibt es nur in wenigen Unterkünften.

Es gibt keine Diskotheken, keine Boutiquen, keine Sehenswürdigkeiten im klassischen Sinne. Es gibt nur das Meer, den Wind, die Sterne und die Stille. Für manche ist das alles. Für andere viel zu wenig.

Mein Fazit

Gavdos ist kein Reiseziel für jeden. Es ist ein Ort für Menschen, die das Einfache suchen, die mit wenig auskommen können, die die Einsamkeit nicht fürchten.

Wer das mitbringt, findet hier etwas Seltenes: einen Ort, der sich dem Tourismus weitgehend entzogen hat. Nicht aus Trotz, sondern weil er so weit weg ist, dass sich der Massentourismus nicht lohnt.

„Am südlichsten Punkt Europas sitzt man auf einem Holzstuhl und schaut aufs Meer. Dahinter kommt Afrika. Manchmal reicht das als Erkenntnis für eine ganze Reise."

Praktische Informationen

  • Anreise: Fähre von Paleochora oder Sfakia (Kreta)
  • Fahrzeit: Ca. 3 Stunden
  • Beste Reisezeit: Mai bis Oktober
  • Unterkünfte: Begrenzt – vorbuchen empfohlen
  • Geld: Kein Geldautomat – Bargeld mitnehmen
  • Verpflegung: Wenige Tavernen, Selbstversorgung sinnvoll

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