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Sofia – die Bienenflüstern von Korfu

Von Klaus Bötig | 21.Januar 2017

Sofias Katze hieß >Pempti<., denn sie hatte sich an einem Donnerstag bei ihr einquartiert. Zuvor hatte sich Sofia Pagati  tagsüber oft allein gefühlt. Da kam ihr Pempti ebenso recht wie einst >Freytag< dem Robinson Crusoe. Endlich hatte sie einen ständigen Gesprächspartner, denn ihr Mann Giorgos betreute den ganzen Sommer über einen kleinen Verkaufsstand am großen Parkplatz von Paleochora. Da kamen täglich Hunderte von Urlauber vorbei und konnten kaufen, was Sofia und ihre Bienen produzierten. In ihren Bee Park Skiadena, den sie auf ihrem einzigen Wegweiser am Straßenrand auch als >Imkerei Hamburg< ausgibt, trauen sich hingegen nur eine Handvoll Reisende jeden Tag.Sofia und Giorgos haben sich einst in der deutschen Hansestadt kennen und lieben gelernt. Sie hat dort und in Buchholz/Nordheide 17 Jahre lang gearbeitet, sprudelt Hochdeutsch wie ein Wasserfall. Ihr Mann ist lange zur See gefahren, war nur auf Landgang in Hamburg. Jetzt leben die beiden im kleinen Dorf Liapades nahe der Westküste Korfus. Sofia ist zur Bienenzüchterin geworden, obwohl sie selbst Honig überhaupt nicht mag. Ein alter Imker im Dorf hatte sie gebeten, sich nach seinem Ableben um seine Völker zu kümmern und ihr alles beigebracht, was sie wissen musste. Inzwischen ist sie zur Bienenflüsterin avanciert. Mit Chemie kommen ihre fleißigen Bienen selbst im Krankheitsfall nicht in Berührung. Sie setzt auf Melissotherapie, hat ihre eigenen Rezepte und Methoden entwickelt. Ausländische Imker, die sich lange mit ihr unterhalten, fahren meist so beeindruckt fort, dass sie in Notfällen ein Ferngespräch mit ihr führen. Gerade erst hat sie ein Russe angerufen, der sie im Sommer kennengelernt hatte. Er wollte wissen, wie er seine Bienenvölker am besten durch den harten russischen Winter bringt.

Sofias Bienenpark ist weit mehr als eine Imkerei. Sie und ihr Mann haben einen kleinen Olivenhain in ein chaotisches Paradies verwandelt, in dem man stundenlang sitzen mag. Für Kinder liegen Bälle und Spielzeug herum, Giorgos hat mit eigenen Händen Spielgeräte geschmiedet und bunt angemalt. In einer primitiven Hütte samt WC kocht sie Gästen einen Kaffee, am offenen Verkaufsstand darf man nicht nur den Honig verkosten, sondern auch die Marmeladen, das in Sirup eingelegte Obst, Oliven und Käse. Neuerdings gehören auch Salben auf Bienenwachsbasis zu Spofias Sortiment. Um sie herstellen zu können, hat Sofia sogar ein Fernstudium der Homöopathie abgeschossen. Jetzt plant sie ein Buch – ihre Biografie. Die sieht sie als größte Herausforderung ihres Lebens an.

Leicht war das nie. Zu Wohlstand hat es das fleißige Paar nie gebracht. Gern hätten sie Strom für den Bienenpark. Doch die 1480 Euro, die der Anschluss ans öffentliche Stromnetz kosten würde, haben sie nicht in Reserve. Immer wieder hindern sie kleine Ereignisse am Sparen. Dass ein Zahnkranz am Moped für 480 Euro ersetzt werden muss, nehmen sie als unausweichlich hin. Über böse Nachbarn hingegen ärgern sie sich maßlos. Im letzten Sommer haben Neider ihre bescheidene Hütte verwüstet, das Bargeld aber liegen lassen. Ein paar Wochen später wurde ihnen gar ein ganzes Bienenvolk gestohlen. Von ihren eigenen Landsleuten schwärmt Sofia im Gegensatz zu vielen Touristen überhaupt nicht mehr. Schon gar nicht, seitdem ein Jäger im Herbst ihre >Pempti< erschoss.

 

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