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Von Korfu bis Zakinthos – Tagebuch einer Reise im Herbst 2016 -Teil 1: Korfu

Von Klaus Bötig | 13.September 2016

Wieder geht’s los! Diesmal für fünf Wochen auf die Ionischen Inseln. Hinflug nach Korfu, Rückflug ab Araxos auf dem Peloponnes. Auf dem Programm: Korfu (inkl. einer Woche Familientreffen im AI-Hotel), Erikoussa, Lefkada, Meganisi, Kefalonia, Ithaki, Zakinthos, Patras. Zweck: Recherchen für meine Marco Polo Bände “Korfu” und “Zakinthos”, das DuMont-Reisetaschenbuch “Korfu/Ionische Inseln”, den Baedeker “Korfu” und einen neuen DuMont Direkt “Korfu”. Dazu Artikel für Griechenland-Zeitung und Griechenland-Journal – und topaktuelle Infos, skurrile Begebenheiten und Krisenberichterstattung für diesen Blog. Fotos dazu poste ich auf Facebook, wo auch Kommentare willkommen sind. Alles wie immer ohne Sponsor, alles auf eigene Kosten – was für Reisejournalisten und Reiseblogger ja keineswegs selbstverständlich ist. Wenn mich jemand unterwegs – aus welchen guten Gründen auch immer – kontaktieren will, bitte Kontakt via Facebook oder Mail aufnehmen!

Tag 1: Dienstag, 13.9.2016

09:33 Die Koffer sind gepackt. Um 15:55 soll der Airbus A-319 der “Germania” mit uns an Bord von Bremen nach Korfu abheben. Vorausgebucht sind die ersten drei Nächte im Hotel Konstantinoupolis in der Stadt Korfu (Direktbuchung), eine Nacht im Hotel Melina in Kassiopi (booking.com) und eine Woche All-Inclusive im Hotel Mitsis Roda Beach in Roda an der Nordküste (via Bucher) sowie ein Mietwagen für 11 Tage (Avis) auf Korfu und ein Flug mit Sky Express am 26.9. von Korfu nach Preveza/Lefkada.

19:41 Der Pilot trifft die Landebahn.

19:58 Mit dem Taxi fahren wir für 10 € in unser Hotel Konstantinoupolis am Alten Hafen. Der Fahrer ist sehr gesprächig. Wir passieren den Ostern 2016 in Betrieb genommenen neuen Fernbusbahnhof (Green Busses) an der Umgehungsstraße. “Der bringt den Taxis Zusatzgeschäft, weil man ihn ja kaum zu Fuß erreicht”, meine ich. “Nein”, sagt er, “nichts hat sich dadurch verändert. Es gibt Reiche, die laufen hin, und Arme, die nehmen sich ein Taxi. Der Reiche denkt, er tut was Gesundes, der Arme sagt sich: Dann trinke ich halt zwei Kaffee weniger. Was auch immer geschieht, wird im Kopf entschieden, nicht durch die Lebensumstände.” Diese seine philosophische Quintessenz wiederholt er im Laufe der nächsten zehn Minuten mindestens noch dreimal.
Wir kommen an der traditionellen Seifenfabrik Patounis vorbei. Die ist im Hochsommer durch einen Brand schwer beschädigt worden und hat ihren Betrieb nach 131 Jahren eingestellt. “Naja”, meint der Taxifahrer, “da ein neues fünfgeschossiges Haus mit zehn Eigentumswohnungen zu je 250 000 € hinzustellen, ist sicherlich einträglicher, als Seife zu sieden!”

20:45 Wir haben Zimmer 209 bekommen, das schönste im Hotel. 6 m langer Balkon, 70 cm breit. Ein Tisch, ein Stuhl und der A/c-Kasten drauf, die Europaflagge drüber. Ich trinke im Café-Restaurant “Black Cat” unten im Hotel ein Bier. Der Kellner ist der gleiche wie immer, ein schon lange auf Korfu lebender Albaner. Am 29. November schließt das Lokal: Dann verlässt das letzte Kreuzfahrtenschiff der Saison den Hafen. Mein Albaner wird für drei Monate in seine alte Heimat zurückkehren.

21:30 Gleich hinterm Hotel liegt die Altstadt. Wir gehen 80 m und schon sind wir in der Odos Prosalendou. Die ist seit ein paar Jahren studentischer Abendtreff. Ein Beer Restaurant, eine Vinothek, eine Souvlakistube und drei Tsipouradika haben ihre Tische und Stühle auf die enge Gasse gestellt. Ich bin hier so alvt wie drei der übrigen Gäste zusammengenommen. Wäsche hängt an auf den Balkonen, viele Fensterläden sind windschief und brüchig. Auf fast jedem Tisch liegt Drehtabak, als Musik sind nur griechische Klänge zu hören. Wir bestellen einen halben Liter Wein, eine große Flasche Wasser, ein Tzaziki, einmal Sheftalies, einmal kleine gebratene kopflose Fische und als Salat Tsigarelli: gekochte Blätter von sieben verschiedenen Wildpflanzen in einer angenehm scharfen Soße. Preis für alles zusammen: 24,50 €. Das Dessert kommt kostenlos vom Haus.

Tag 2: Mittwoch, 14.9.2016

08:00. Wir werden von einer Instrumentalversion der griechischen Nationalhymne geweckt. Sie erklingt hier am Alten Hafen jeden Morgen um diese Zeit, weil dann in der Marinestation unterhalb der Neuen Festung die griechische Flagge gehisst wird.

08:15 Gegenüber unseres Hotels setzen Shuttlebusse das erste bunte Völkergemisch ab. An der Mole des Neuen Hafens haben bereits drei Kreuzfahrtschiffe festgemacht, darunter als kleinstes die “Mein Schiff 2″. Später wird noch ein viertes hinzukommen. Alle zusammen spülen heute etwa 10 000 Portemonnaies an Land.

11:00 Erste längere Kaffeepause nach Recherchen in der Altstadt. Wir setzen uns ins Café Europa an der Esplanade. Heute ist der kirchliche Festtag der Kreuzeserhöhung. Gottesdienste in fast allen Kirchen. Wer dabei war, kommt aus dem Gotteshaus mit frischen Basilikumzweigen heraus. In den Cafés an der Esplanade liegen viele solcher Zweige auf den Tischen.

11:20 Wir zahlen. Die Preise sind für dies Café in allerbester Lage und angesichts 24% Mehrwertsteuer völlig okay: frischer O-Saft 3,70, Espresso 2, Cappuccino 3,10 und Tzizimbira (korfiotische Zitronenlimo mit Ingwer) 3,10 €.

11:45 Im Garten des britischen Gouverneurspalastes, in den 1820ern von maltesischen Gastarbeitern aus von Malta importierten Steinblöcken erbaut, streicheln wir das 2008 von der Region Piemont aufgestellte Marmordenkmal für die 1943 von den Deutschen hier ermordeten italienischen Offiziere. Ihre Leichen warfen unsere Soldaten ins Meer. Kurz darauf besorgten sie dann die Deportation der korfiotischen Juden in deutsche Konzentrationslager. Warum wir den Marmor gestreichelt haben? Christiane war vor kurzem in New York. Da werden am Ground Zero Besucher dazu aufgefordert, die Stahlplatten mit den Namen der Opfer zu streicheln. Eine schöne Geste, wie wir finden.

12:00 In der Mitte der Esplanade warten einspännige Fiaker auf Gäste. 40 € kostet die 30-minütige Fährt um die Altstadt, bis zu 5 Gäste haben Platz. Wir gehen zu Fuß weiter.

13:45 Mittagessen in der Markttaverne O Rouvas. 2x Huhn mit Nudeln, 1 Tzaziki, 1 großes Wasser, 1/4 Wein und Brot für 21,60 €.

15:00 Siesta im Hotel.

17:30 Recherchen 2. Teil.

19:30 Wir gehen nach Faliraki, der früheren Auswandererstation, hinunter und setzen uns ins ehemalige Strandbad Alekos Beach. Heute heißt es “Imabari”, ist eine Hippe Beach Bar. Wer etwas konsumiert, darf Sonnenliegen und – Schirme kostenlos nutzen. Ein toller Badeplatz für Stadturlauber. Wir ordern einen Signaturen Cocktail (8-15 €) und einen Gin Tonic (6 €). Große und kleine Schiffe ziehen vorüber, ein paar Abendschwimmer sind im Wasser, das gegenüberliegende griechische und albanische Festland ist in eine sich ständig verändernde Wolkenlandschaft gehüllt. Blitze zucken darin. Hunderte von Mauerseglern schwirren durch die Lüfte. Dann verfärben sich Wolkenregionen abendsonnenrot. Auf dem Gelände des venezianischen Alten Forts gehen die ersten Lichter an, auch das Meer wird violett. Als es schließlich ganz dunkel ist, spazieren wir auf der Uferstraße zum Alten Hafen hinunter und ergattern im “Ektos Skediou” den letzten freien Tisch.

21:30 Uhr Hier im “Ohne Plan” gibt es keine Speisekarte. Der Gast bekommt wahlweise auf Griechisch oder Englisch täglich neu geschriebene Liste mit dem tagesaktuellen Angebot vorgelegt. Dazu erhält er Block und Kuli und schreibt auf, was er wünscht. Eine gute Übung für Griechischlernende! Wir bestellen Politiki Salata, Rote Beete, Schweinerippchen mit Kartoffeln, drei extrem scharfe Paprikaschoten, Wasser und 1 l Wein. Kostet 27,70 €.

Tag 3: Donnerstag, 15.09.16

08:00 Nationalhymne. Heute nur ein mittelgrosses Kreuzfahrtenschiff im Hafen. Wieder Recherchen in der Stadt.

13:00 Mittagspause im schlichten Poseidon am Alten Hafen. Hierher kommt man gern für Grillfleisch und Ouzo. Alle drei lesbischen Ouzo-Marken aus Plomari, die weithin als die besten Griechenlands gelten, stehen auf der Karte: Plomariou, Barbayiannis, Mini und dazu noch der makedonische Barbatzim. Das 0,2 l-Fläschchen kostet 9 oder 11 €.
Ich trinke nur Wasser!

13:45 Jetzt stehen ein paar Preisrecherchen auf dem Programm. Fahrten mit dem Stadtbuslinie kosten innerstädtisch 1,20 €, in die Badeorte Benitses, Kontokali, Gouvia, Komeno und Dassia sowie zum Schloss Achilleion 1,70 €. Tagestickets sind für 5 € zu haben. Tagesausflüge ins albanische Städtchen Sarande inkl. Busfahrt ins antike Butrint kosten heuer 33 €, das Retourticket zur der Stadt Korfu vorgelagerten Insel Vido 2 €.

16:00 Wir fahren mit der neuen Buslinie 15 zum Flughafen. Sie verbindet alle 30-60 Minuten den Anleger der Igoumenitsa-Fähren mit der Innenstadt und dem Stadtbuslinie-Terminal, dem neuen Fernbusbahnhof und dem Airport. Super!

17:00 Wir übernehmen für 11 Tage einen über Lufthansa gebuchten Avis-Mietwagen. Der Skoda Octavia kostet uns 29 € am Tag.

19:00 Familientreffen 1. Teil. Welcome in der Roof Garden Bar auf dem Hotel Cavalieri.
1/2 l Fassbier 6 €, Cocktails 8 €, Espresso 4 €. Aussicht unbezahlbar. Zum Abendessen gehen wir ins En Plo in Faliraki, sitzen direkt am Wasser. Atmosphäre und Service exzellent, Essen guter Durchschnitt, Kosten inkl. Retsina ca. 25 €/Person.

Tag 4: Freitag, 16.09.16

07:30 Heute bin ich schneller als die Nationalhymne, denn wir wollen weiterfahren.

11:45. Mittagspause im kleinen Privathotel Dassia Beach, meinem Top-Tipp für einen ruhigen Badeurlaub in typisch griechischem Ambiente und in der Nähe der Inselhauptstadt. Etwa 30 Zimmer auf 2 Etagen, alle mit Balkon zum nur 12 m entfernten Meer hin. Im Erdgeschoss Lobby und Restaurant, davor eine größere Terrasse mit Espen und Blätterdach. Davor die 1 m breite. Schön gepflasterte Uferpromenade. Dann gleich der zwar nur 3-4 m breite Kiesstrand mit für Restaurant- und Hotelgäste kostenlosen Sonnenliegen und -Schirmen. Ins Wasser hinausgebeugt auf Stelzen eine größere hölzerne Plattform mit weiteren Liegen und Leitern gleich in den Schwimmerbereich. Typische Tavernenkost mit sehr gutem Preis-Leistungsverhältnis und sehr freundlichem Personal. Zur Stadtbuslinie 2 nur fünf Minuten zu Fuß. 1,70 €, abends bis da. 23 Uhr.

13:30 Kurzer Stopp an einem Aussichtspunkt. Ein Bauer steht da und verkauft von seinem Pick-up herunter eigenes Obst. “ich bin doch nicht blöd und kaufe Pflanzenschutzmittel von der Industrie, die ihr dann mitgezählten müsst”, sagt er. Touristen bemängeln, sein Obst sei zu teuer. Seine bedenkenswerte Erwiderung: Man kauft doch nichts, weil es billig ist, sondern weil es gut ist. Bei mir dürft ihr alles probieren. Und dann nehmt ihrs und zahlt oder nehmt es nicht und geht. Auch gut, ihr seid doch freie Menschen!”

14:45 Ankunft in Kassiopi, wo wir für eine Nacht eins der 24 Zimmer (Ü/F 90 €) im Boutique-Hotel Melina Bay direkt am Hafen gebucht haben. Kassiopi ist für mich der schönste Urlaubsort auf Korfu, wenn man nicht den Strand unmittelbar vorm Hotel haben muss. Der Hafen war schon in der Antike berühmt: Hier konnten sich griechische und römische Seefahrer nach der Überfahrt von Italien her von der Seekrankheit erholen bzw. vor der Überfahrt auf gutes Wetter warten. Überragt wird der Hafen von einer Burgruine auf einem dicht begrünten, niedrigen Halbinsel. Auf der liegen, 5 Gehminuten vom Hafen entfernt, zwei schöne kleine Kiesstrände und die exzellente Taverne Tricolore (4-Gang-Menü ca. 26 €). Im ganzen Ort gibt es nur kleine Hotels und Pensionen, weit und breit kein AI. Kassiopi ist ein richtiger Ort, in dem auch im Winter Einheimische Leben – an Korfus Küste eine Seltenheit. Mir gefällt auch die kleine, erst ab dem späten Nachmittag als solche erkennbare Platia mit einem namenlosen Kafenio alten Schlags und netten Café-Bars mit typisch korfiotischen Terrassen unter vorgezogenen Holz-Ziegeldächern. Wenn man sich hier die Häuser ringsum in Muße anschaut, entdeckt man noch viel korfiotischen-venezianische Architektur. Die Urlauber in Kassiopi sind fast alle britische Mittelständische aus allen Altersgruppen. Aus den Lautsprechern nahezu aller Lokale ist nur gesetztere angloamerikanische Musik zu hören, Cider steht auf fast allen Getränkekarten. Wir gönnen uns ein großes Mythos (3 €) und einen großen Strongbow-Cider (4 €), jeweils einen halben Liter.

21:30 Wir sitzen auf der Terrasse der Snackbar Virginia auf der dem Hotel gegenüberliegenden Hafenseite, trinken Tsipouro vom Epirus und essen griechische Landwurst mit Pommes. Toll der Blick aufs Hotel – Foto habe ich auf Facebook gepostet!

Tag 5: Samstag, 17.09.16

08:15 Exzellentes Frühstücksbüffet im Hotel. Die Spannung steigt: Heute Mittag beginnt unsere einwöchige All- Inclusive-experience im Hotel Mitsis Roda Beach!

10:00 Ankunft im Mitsis Roda Beach. Unser Zimmer ist schon fertig, wir können gleich einziehen. Unsere Tochter, ihr Mann, ihre beiden Kinder (3 Jahre/10 Monate) und die Schwiegereltern unserer Tochter sind als TUI-Gäste zehn Minuten früher direkt vom Airport her eingetroffen: Sie müssen bis 13 Uhr auf ihre Zimmer warten.

Tag 7: Montag, 19.09.16

23:00 Nach über 60 Stunden im AI ein erstes Fazit: Das überwiegend einheimische Personal ist ausgesprochen nett, obwohl es hier naturgemäß ja nicht gerade mit Trinkgeld verwöhnt wird. Mit ihrem Hotelier sind Sie zufrieden. Er zahlt zuverlässig jeden Monat am 5. oder 6.
Unverschämt ist die WLAN-Politik. Nur im Lobbybereich gibt es kostenloses WLAN, das nicht einmal bis auf die Terrasse reicht. Ansonsten wird abkassiert: 1 Tag 8 (Premium 10) Euro. 9 Tage 34 bzw. 39 Euro! In jedem Café, in jeder Bar im nahen hat man WLAN umsonst!
Die Bestückung der Bars ist ein Horror. Es gibt kein einziges Markengetränk, nicht einmal gegen Zuzahlung. Getränke werden bis 24 Uhr ausgeschenkt. Am besten sind noch das Bier, der rote Landwein und der inseltypische Koum Kouat-Likör. Ein Barmann gibt aber einen Denkanstoß: Markengetränke wie Metaxa oder Ouzo Mini gehören ja längst internationalen Grosskonzernen. Die Fake-Produktion aber ist in griechischer Hand…
Das Essen ist gut. Keine Gourmetkost, aber gute Touristenhotelküche. Typisch korfiotischen: viele Saucen sind gut gewürzt, manche sogar etwas scharf. Essen gibt es ausschließlich als Büffet, Getränke werden Glasereien an den Tisch gebracht.
Das Publikum ist international. Am meisten wohl Franzosen und Deutsche, aber auch Briten, Tschechen und Polen. Wenig Russen.
Raucherfreundlichkeit: In allen Innenräumen herrscht Rauchverbot, es gibt auch keine Raucherbar. im Hotelgelände und am Strand stehen nur ganz wenige Aschenbecher. Mir leistet hier der von der Nordsee mitgebrachte Strandaschenbecher gute Dienste.
Kinderfreundlichkeit: Es gibt nur einen kleinen Spielplatz. Wäre schön, wenn im weitläufigen Hotelgelände und am Strrand ab und an eine Schaukel, eine Wippe, eine Rutsche oder ein Sandkasten aufgestellt wären. Der Sandstrand fällt sehr kleinkindfreundlich flach ab – dafür gibt es aber im gesamten Hotel kein Plantschbecken für Kleinkinder. Außerdem gibt es immer wieder Stufen, die nur manchmal von Rampen flankiert sind.
Hygiene: Alles wirkt sauber (dafür sorgen vor allem Albaner). Wir fänden es jedoch gut, wenn an den Eingängen zu Restaurants und Bars Händedesinfektion wie auf Kreuzfahrtschiffend möglich und verpflichtend wäre!
Umgebung: Zum Ort Roda geht man auf der Straße etwa 15-20 Minuten, zu überwindender Höhenunterschied etwa 100 m. Am Strand entlang benötigt man etwa 10-13 Minuten. Am Strand gibt es gleich neben dem Hotel einen Mini-Market und eine Taverne.
Individual- und Tagesgäste: Tagesgäste zahlen 40 € und dürfen dafür alle AI-Leistungen in Anspruch nehmen. Für ein sehr geräumiges Doppelzimmer mit Privatpool und AI werden jetzt 75 € pro Person verlangt.

Tag 9: Mittwoch, 21.09.16

09:00 Wir parken unseren Mietwagen am Hafen von Sidari und gehen ins Reisebüro Valseros, um Tickets für die Überfahrt nach Erikoussa zu kaufen (20 € hin und zurück pro Person).Inhaber Philippos (52) sitzt am Counter. Wir kennen uns noch nicht, trotzdem quatschen wir mit ihm ein halbes Stündchen. Am Ende bittet er uns, ihm aus dem Hotel Erikoussa einen Stapel Inselprospekte für ihn mitzubringen.

09:40 Unter der letzten Tamariske vorm Kai stellen der Skipper und sein Matrose gerade ihre Mopeds ab. Dann hüpfen sie in ein winziges Boot, rudern erst ein paar Schläge und werfen dann den Außenbordmotor an, um zum Personenfährboot “Afroula” hinüber zu fahren, dass 150 m vor dem Kai in der Bucht ankert. Es scheint also pünktlich um 10 Uhr losgehen zu können.

10:00 Es geht nicht pünktlich los. Der Anker sitzt fest, lässt sich nicht lichten. Etwa 25 Passagiere warten auf dem Kai, einige Kisten Bier, Soft Drinks, Tafelwasser und Tomaten warten auf Mitnahme.

10:20 Ein dritter Mann kommt aufs Kai, besteigt ein schnelles Boot und fährt hinüber zur Afroula, um zu helfen.

10:37 Der dritte Mann kehrt zurück und verkündet: “In fünf Minuten geht’s los!”

10:52 Der Anker ist jetzt tatsächlich vollständig gelichtet.

10:56 Die Afroula legt am Kai an, wir steigen aufs Boot, das für 60 Passagiere zugelassen ist. Wir sind 27.

11:00 Mit genau einer Stunde Verspätung wird abgelegt. Was wir über Erikoussa wissen: Etwa 200 ständige Bewohner, zwei Hotels mit zusammen etwa 30 Zimmern, eine Pension. Eine Bäckerei, zwei Mini-Markets, je nach Jahreszeit 2-4 Tavernen. Ein jährlich wechselnder junger Arzt, zwei Polizisten, kein Priester. Eine Grundschule mit 1 Lehrer und zur Zeit 3 Schülern. Drei- bis viermal wöchentlich Verbindung mit der kleinen Autofähre Alexandros K, mehrmals wöchentlich per Personenfähre mit Agios Stefanos, im Sommer außerdem drei- bis fünfmal wöchentlich mit Sidari mit unserer Afroula.

11:40 Der Käpt’n hat Vollgas gegeben, nach 40 Minuten legen wir in Erikoussa an. Kurz vorher ist schon die “Pegasus” aus Agios Stefanos angekommen und hat viel Fracht angelandet, darunter sogar einen etwa 6 m langen Laternenmast. Sie wird mit Autos abgeholt. Wir gehen ein paar Schritte. Gleich fallen die vielen hölzernen Wanderwegweiser auf. So lernen wir, dass eine Inselumrundung zu Fuß 10,5 km lang ist. Vom Kai ist ins Ortszentrum gehen wir 170 m. Es wird durch das kleine, schon Jahrzehnte alte, aber immer gut gepflegte Hotel Erikoussa mit angeschlossenem Restaurant und das Café-Restaurant Oasis markiert. Das hat als Snack-Bar und Kafenio ganzjährig geöffnet. Im Hotel werden zwar neuerdings ganzjährig Zimmer vermietet; Bar und Restaurant sind aber nur von Mai bis September geöffnet.
Das ist Erikoussas Problem: Die meisten der inzwischen gut herausgeputzten Häuser stehen die meisten Monate leer. Ihre Bewohner leben in Athen oder im Ausland, kommen nur für die Sommerferien.

14:00 Wir essen im Hotelrestaurant sehr gut zu Mittag. Wirt George, ein Mann in den 30ern, gibt mir die Prospekte für Filippos mit. Er macht mich auf den noch recht neuen englischen Bestsellerroman von Yvette Manessis “When the cypress wisperst” aufmerksam, der auf Erikoussa spielt. Und er erklärt mir, dass sich gern jeder an ihn wenden kann, der nach Erikoussa kommt. Er stellt stets die Fährfahrpläne auf die Website seines Hotels, leiht Gästen privat seine Vespa, verteilt kostenlose eine Wanderkarte und ist auch bei der Zimmersuche auf Othoni und Mathraki behilflich, die zusammen mit Erikoussa die “Diapontischen Inseln” bilden.

15:30 Pünktlich fährt die Afroula nach Sidari zurück, macht dabei einen kleinen Schlenker zu den schönen Felsformationen am Canal d’amour.

16:30 Ankunft in Sidari.

17:40 Wieder in unserem AI-Hotel in Roda. Welch unterschiedliche Welten! Tagesausflüge nach Erikoussa werden hier nicht angeboten…

Tag 13: Sonntag, 25.09.2016

09:00 Heute geht es ohne Armband weiter. Wir mussten im AI noch um einen Tag verlängern (60 € AI pro Person), da mich am Freitag ein Darmvirus niedergestreckt hatte. Der hatte von uns Zehn in den Tagen zuvor schon jeweils für einen Tag überfallen. “Der treibt im September oft sein Unwesen auf ganz Korfu”, erklärt uns ein Einheimischer, “aber er bleibt in Jedem ja nur für einen Tag”.

10:00 Unser erster Besuch gilt Sophia in ihrer “Imkerei Hamburg/Bee Park Skiadena”. Sophia, wohl Mitte 50 und einäugig, hat lange in Hamburg gelebt und dort auch ihren Mann Giorgos kennengelernt. Nach Korfu zurückgekehrt, entdeckte sie durch Zufall ihre Liebe zur Imkerei. Ein alter Imker aus ihrem Dorf gab ihr all sein Wissen weiter. In einem alten Olivenhain außerhalb des Dorfes schuf sie zudem ihren Bee Park, der mit Hilfe ihres Mannes zu einem wahren Kinderparadies wurde. Der bastelte Spielgeräten, Tische und Bänke. Käpt’n Blaubär steht zwischen anderen Plüschtieren, Bälle liegen herum. Kein Auto weit und breit, viel schattiger Platz zum Toben, fünf Kätzchen als Spielkameraden, Eintritt frei. Die Erwachsenen werden währenddessen von Sophia bestens auf Deutsch unterhalten. Sie erzählt von ihrem Leben, von Bienendieben und Vandalen, aus dem Dorfalltag und natürlich von Bienen. Heuer hat sie gerade ein Homöopathie-Fernstudium auf Deutsch abgeschlossen und wendet ihre Kenntnisse auf eigene Salben und Hautcremes an. Auch ihre Bienen leben ganz ohne Chemie. Inzwischen suchen Imker aus aller Welt bei ihr Rat. Im letzten Spätherbst rief ein russischer Imkerneuling bei ihr an und fragte, wie er seine Bienenvölker durch den russischen Winter bringen könne. Sie wusste Rat. Im Frühjahr schickte er ihr ein Kilo seines russischen Honigs. Was er nicht wusste: Sophia mag keinen Honig!

11:00 Nächster Stopp in Pelekas. Kaffeepause im traumhaft schön gelegenen kleinen Hotel Levant auf dem Gipfel eines Hügels. Schon Kaiser Wilhelm II. beobachtete von dort aus gern den Sonnenuntergang. Der Fels, auf dem er dabei saß, heißt seitdem “Kaizer’s Throne”.

11:45 Am Südende des Pelekas Beach sind wir mit der gebürtigen Hamburgerin Claudia verabredet, die hier zusammen mit ihrem Mann und dessen Eltern das Restaurant und die Pension “Bella Vista” betreibt – ebenfalls in schönster Sonnenuntergangslage. Auch Reiner aus Hannover und Annika aus München sind da. Annika gibt die Zeitschrift “Korfu Treff” und die gleichnamige Website heraus. Reiner ist Physiotherapeut, bietet Wanderungen auf Korfu an, Yoga ohne Namaste und Om, craniosakrale Therapie und Kurse in Tiefenentspannung. Mehr über die drei demnächst in meinen Korfu-Reiseführern…

13:40 Über einen 1,4 km langen Feldweg kommen wir von Vraganiotika zur Öko-Farm Bioporos”, traumhaft schön und völlig einsam inmitten viel Grüns etwas oberhalb des Küstensees Korission gelegen, den nur eine schmale Dünennehrung vom Ionischen Meer trennt. Agathe und Kostas Vlassi betreiben hier ein kleines Öko-Restaurant, wo es außer Bio-Wein sogar Bio-Tsipouro (Tresterschnaps) gibt. Außerdem steht auf ihrem 7 hat großen Gelände ein Ferienhaus für 2-6 Personen (95-120 €/Tag).

15:30 Ankunft in Moraitika, wo die Saison schon sichtbar zu Ende geht. Mitte Oktober spätestens machen alle Hotels dicht. Wir werden morgen Mittag nach Preveza/Lefkada weiterfliegen.

Tag 14: Montag, 26.09.16

09:30 Wir checken aus, dürfen uns aber vorher noch das Fotobuch mit sehr professionellen Fotoshootings rund um die Hochzeit von Maria, der Tochter der Wirtin, anschauen. Außerdem erzählt die Wirtin, dass das Hotel in zehn Tagen schließt. Dann fahren sie und ihr Mann für ein paar Tage mit dem Auto in Urlaub: auf den Peloponnes oder auf eine andere ionische Insel.

11:00 Wir sitzen im Café Aegli in Perama und schauen den Piloten der landenden Urlauberjets in die Augen. Für Planespotter ist Korfu wohl der schönste Platz in Europa, weil man die Flieger hier von verschiedenen Standorten -alle mit schönen Abend Cafés- beobachten und fotografieren kann.

12:00 Mietwagenrückgabe am Airport. Um 14:00 soll es mit Sky Express weitergehen. Ich will die Zeit nutzen, um für Donnerstag einen Weiterflug von Preveza nach Kefallonia zu buchen. Die Homepage der Fluglinie ist recht umständlich, da will ich lieber beim Agenten am Airport zu buchen. Nach dreimaligem Fragen finde ich das Büro von SkyServe, die hier für die kritische Fluglinie zuständig ist. Einen Counter gibt es nicht, ich muss ins Büro hinein. Da sitzt eine blonde Dame mittleren Alters am Computer, nimmt gerade eine Buchung zweier Franzosen an, erzählt ihnen, das sie schon zweimal mit Air France nach Thailand geflogen sei. Ich erzähle den Franzosen von einigen meiner lustigen Erfahrungen mit Sky Express, dann verabschieden wir uns mit Handschlag. Die blonde Dame hat mich nun ganz für sich allein. Sie nimmt meinen Buchungswunsch entgegen. Den Vornamen meiner Frau (Christiane, nicht Christina!) muss ich ihr dreimal vorsprechen. In Tipppausen unterhalten wir uns über Ihren harten Job. Im Sommer landen wöchentlich drei Maschinen von Sky Express auf Korfu, im Winter immerhin noch zwei. Für die Passagierabfertigung ist sie ganz allein zuständig – vom Check-In bis zur Verabschiedung an der vordringenden Flugzeugtreppe. Da steht sie denn auch, als wir 21Paxe in die 30-sitzige JetStream 31 einsteigen. Den Namen meiner Frau hat sie sich gut gemerkt und wünscht mit kräftiger Stimme “Kalo taxidi, Christiane!”

14:00 Pünktlich auf die Minute rollt unsere zweimotorige Turbo-Prop-Flugzeug zum Start. In exakt 30 Minuten werden wir in Preveza wieder aussteigen. Da beginnt dann Teil 2 dieses Tagebuchs als neuer Blog.

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