Flüchtlinge und Urlauber

Die östlichen Ägäis-Inseln waren lange Zeit vor allem als Urlaubsparadiese bekannt. Doch in den Jahren der großen Fluchtbewegungen wurden Kos, Lesbos, Samos und Chios zu Orten, an denen zwei Welten aufeinandertrafen: Touristen auf der Suche nach Erholung und Menschen auf der Flucht vor Krieg und Elend.

Ankunft auf Kos

Die Insel Kos liegt nur wenige Kilometer vor der türkischen Küste. Bei klarem Wetter sieht man Bodrum mit bloßem Auge. Es ist diese Nähe, die Kos zu einem der Hauptankunftsorte für Flüchtlinge machte.

Am Hafen von Kos-Stadt, wo Kreuzfahrtschiffe anlegen und Touristen flanieren, sah man auch die Schlauchboote. Die Bilder waren surreal: Hier der Urlauber mit Sonnenhut und Cocktail, dort Familien mit durchnässten Kindern, die alles verloren hatten.

Die Reaktionen der Einheimischen

Die Griechen reagierten unterschiedlich auf die Situation. Viele zeigten große Solidarität – sie brachten Essen, Kleidung, Wasser. Fischer retteten Menschen aus dem Meer, Tavernenbesitzer öffneten ihre Türen.

Andere machten sich Sorgen um den Tourismus, ihre Lebensgrundlage. Würden die Urlauber wegbleiben? Würde das Bild der paradiesischen Inseln Schaden nehmen? Die Angst war verständlich, auch wenn sie manchmal zu Unmut führte.

Die Überfahrt nach Samos

Mit der Fähre ging es weiter nach Samos. Auch hier das gleiche Bild: Eine wunderschöne Insel mit grünen Bergen und türkisem Meer, und gleichzeitig ein Ort, an dem täglich neue Boote ankamen.

In Pythagorio, dem malerischen Hafenort, standen Zelte neben den Yachten. Die Kontraste waren schwer zu ertragen, aber auch schwer zu ignorieren.

Begegnungen

Am eindrücklichsten waren die Begegnungen mit einzelnen Menschen. Der syrische Arzt, der sein Haus in Aleppo verloren hatte und nun mit seiner Familie auf dem Boden einer Turnhalle schlief. Die afghanische Mutter, die mir Fotos ihrer zerstörten Heimat zeigte. Der junge Mann aus dem Irak, der Englisch sprach und mir seine Geschichte erzählte.

Es waren keine anonymen „Flüchtlinge", sondern Menschen mit Namen, Geschichten, Träumen.

Was bleibt

Die große Fluchtwelle ist abgeebbt, die Bilder sind aus den Nachrichten verschwunden. Aber auf den Inseln sind die Spuren noch da: Die Lager, die Hilfsorganisationen, die Erinnerungen.

Griechenland hat in dieser Zeit gezeigt, wozu Menschen fähig sind – im Guten wie im Schlechten. Die Inseln der östlichen Ägäis werden nie mehr nur Urlaubsparadiese sein. Sie sind Orte der Geschichte geworden.

„Reisen bedeutet auch, die Augen nicht zu verschließen vor dem, was unbequem ist. Wer nur das Schöne sehen will, hat die Welt nicht wirklich gesehen."

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