Wenn Touristen an griechische Spirituosen denken, fallen meist zwei Namen: Ouzo und Metaxa. Doch die Welt der griechischen Destillate ist weitaus vielfältiger. Von den Bergen Kretas bis zu den Inseln der Ägäis hat jede Region ihre eigenen Traditionen und Spezialitäten.
Ouzo: Der Klassiker
Ouzo ist zweifellos das Nationalgetränk Griechenlands. Der Anisschnaps wird traditionell mit Wasser verdünnt, wobei er sich milchig-weiß färbt – der sogenannte Louche-Effekt. Dazu gibt es Mezedes, kleine Häppchen, die den Alkohol im Magen puffern.
Die besten Ouzos kommen aus Lesbos, insbesondere aus dem Ort Plomari. Namen wie Ouzo Plomari, Barbayiannis oder Mini haben Weltruf. Jeder Produzent hat sein eigenes Rezept, seine eigene Mischung aus Anis, Fenchel und anderen Kräutern.
Tsipouro: Der Trester
Tsipouro ist ein Tresterbrand, ähnlich dem italienischen Grappa. Er wird aus den Resten der Weinproduktion – Schalen, Kernen, Stielen – destilliert. Im Gegensatz zum Ouzo kann Tsipouro mit oder ohne Anis hergestellt werden.
In Nordgriechenland, besonders in Makedonien und Thessalien, ist Tsipouro das bevorzugte Getränk. In den Tsipouradika, speziellen Lokalen, wird er in kleinen Karaffen serviert, begleitet von reichhaltigen Mezedes.
Raki/Tsikoudia: Der Kreter
Auf Kreta heißt der Tresterbrand Tsikoudia oder Raki (nicht zu verwechseln mit dem türkischen Rakı). Er wird traditionell nach der Weinlese im Herbst gebrannt, oft in improvisierten Brennereien auf dem Land.
Raki ist mehr als ein Getränk – er ist Teil der kretischen Kultur. Er wird zur Begrüßung angeboten, bei Feierlichkeiten getrunken, und ein Abend in einer kretischen Taverne endet fast immer mit einem Glas Raki auf Kosten des Hauses.
Mastiha: Das Harz von Chios
Mastiha ist ein einzigartiger Likör, der nur auf der Insel Chios hergestellt werden kann. Er basiert auf dem Harz des Mastixbaums, das seit der Antike geerntet wird. Der Geschmack ist unverwechselbar: harzig, leicht süßlich, mit einem Hauch von Pinienwald.
Mastiha hat EU-Herkunftsschutz – nur Produkte aus Chios dürfen den Namen tragen. Sie wird pur getrunken, auf Eis, oder als Zutat in Cocktails verwendet.
Metaxa: Der Weinbrand
Metaxa ist streng genommen kein Weinbrand, sondern eine eigene Kategorie: eine Mischung aus Weinbrand und Muskatmost, verfeinert mit mediterranen Kräutern. Die Sterne auf der Flasche (3, 5, 7, 12) bezeichnen die Reifezeit.
Seit 1888 wird Metaxa in Athen produziert. Im Gegensatz zu den anderen Spirituosen ist Metaxa weniger traditionell-griechisch, aber weltweit bekannt und ein beliebtes Mitbringsel.
Souma: Der Rhodische
Auf Rhodos und einigen Nachbarinseln wird Souma getrunken, ein Feigenschnaps. Er wird aus den ersten Destillaten der Feigenmaische gewonnen und hat einen intensiven, fruchtigen Geschmack.
Wie man griechische Spirituosen trinkt
- Niemals auf leeren Magen: Immer mit Mezedes
- Langsam genießen: Keine Shots, sondern kleine Schlucke
- Gesellschaft: Spirituosen trinkt man in Gesellschaft
- Temperatur: Ouzo und Tsipouro leicht gekühlt oder mit Eis
- Wasser: Bei Ouzo gehört Wasser dazu
„In Griechenland trinkt man nicht, um betrunken zu werden. Man trinkt, um zu genießen, um zu reden, um das Leben zu feiern."

