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Kurzurlaub/Städtetrip: Drei Urlaubstage in Athen 2018

Von Klaus Bötig | 9.Februar 2018

 

Warum immer direkt auf die Insel? Oft ist der Flug über Athen viel günstiger – und schenkt Gelegenheit, die griechische Hauptstadt (mal wieder) richtig zu durchstreifen. Wir zeigen Ihnen hier nicht nur, wie Sie 50-60 Stunden in Athen optimal gestalten, sondern verraten Ihnen auch, was die Abende Ihnen zu bieten haben. Vielleicht wollen Sie hinterher gar nicht mehr weiter.

Tag 1

Mittags schweben Sie ein. Sie haben ein Hotel in der Plaka gebucht, der Altstadt unterm Akropolisfelsen. Expressbus X95 bringt Sie direkt zum Syntagma-Platz, die Metro auch nach Monastiraki. Die letzten Meter ins Hotel geht’s zu Fuß.

Als erstes steigen Sie Ihrem Hotel aufs Dach. Fast alle gastlichen Häuser in der Plaka haben einen Roof Top Garden. Über alte Ziegeldächer hinweg sehen Sie die Akropolis zum Greifen nah, ihr gegenüber ragt der steile Fels des Lykavittos mit Tonsur und weißem Georgs-Kapellchen übers weitgehend weiße Häusermeer.  Hier zwischen Lykavittos und Akropolis werden Sie den Großteil der nächsten 48 Stunden verbringen.

Appetit? Urgriechisch kommen Souvlaki und Kebab in den großen Grilltavernen Thanassis, Bairaktaris und Savvas auf die Tische. Die stehen direkt auf der engen Mitropoleos ganz nah am Monastiraki-Platz. Roma spulen >Ta Paidia tou Pirea< herunter, pakistanische Rosenverkäufer wissen nicht, was sie tun, einheimische Bettler verkünden die Krise. Für 10 Euro wird man satt, Limo inklusive.

>Welcome to Athens Flea Market< verkündet ein Banner gleich neben der alten Metro-Station Monastiraki. Stillen Sie Ihre Neugier. Ein paar Schritte auf der Odos Ifestou werden genügen, dann biegen Sie lieber nach links ab und stehen am Rand der antiken Agora. Zwischen der antiken Markthalle, der Stoa des Attalos, und dem bestens erhaltenen Hephaistos-Tempel hindurch schweift der Blick übers Grüne hinauf zum Akropolis-Felsen: Athen wie aus dem Bilderbuch. Hinauf gehen Sie morgen ganz früh, denn jetzt sind viel zu viele Kreuzfahrttouristen dort oben. Umkreisen Sie den Fels lieber – autofrei und völlig entschleunigt. An der Metrostation Thissio überqueren Sie die Gleise der ältesten Metrolinie Athens, die nach Piräus führt, und umrunden nun die Akropolis auf breiter Flaniermeile entgegen dem Uhrzeigersinn. Der Dachgarten >Thissio View< lockt zur Pause. Als einziger bietet er die Möglichkeit, Propyläen, Nike-Tempel, Erechteion und Parthenon zugleich zu sehen. Da schmeckt der Freddo Espresso oder der Hauscocktail Rosita mit Tequila und hausgemachtem Chili-Sirup und Rosmarin noch einen Tick besser. Ein paar Schritte weiter lohnt ein Blick auf den Programmaushang des Sommerkinos Thissio: Vielleicht kommen Sie ja heute Abend wieder, um Hollywood-Stars mit Seitenblick auf Athens Götterfelsen agieren zu sehen.

Vorbei am antiken Herodes-Attikus-Theater, heute Main Stage der Athener Festspiele, führt Sie Ihr Bummel nun zum Akropolis-Museum (Mo nur bis 16, sonst bis 20, Fr sogar bis 22 Uhr). Das wird Sie mindestens 90 Minuten lang faszinieren. Danach wird ein wenig auf der Terrasse der Museums-Cafeteria gechillt. Deren kulinarischer Schwerpunkt sind Getränke und Spezialitäten aus allen Regionen des Landes, Käse und Weine inklusive.

Danach sind es nur wenige Schritte – vorbei am Gelände des antiken Dionysos-Theaters – hinein in die Plaka. Bummeln Sie einmal die Odos Adrianou bis zur Platia Agoras hinunter und Sie haben gesehen, welche Allerwelts-Souvenirs die griechische Metropole zu bieten hat. Zwischen viel Kitsch findet sich aber auch Hochwertiges: Haris Cotton mit griechischen Kollektionen aus Leinen und Baumwolle,  Ioanna Kourbela mit ihrer minimalistischen Damenmode oder das zweigeschossige La Stampe, das nur weibliche Mode griechischer DesignerInnen anbietet.

Nun knurrt wahrscheinlich Ihr Magen. Im >Scholarchio< kommt der Kellner mit einem Tablett voller Köstlichkeiten an ihren Tisch auf der lauschigen Terrasse. Sie wählen, was er vor Ihnen abstellen soll. So war es früher in vielen griechischen Tavernen der Brauch. Ausgefallenere Spezialitäten serviert Ihnen das >To Kafeneio< gleich gegenüber. Da hat sich schon Jamie Oliver begeistert den Magen mit 18 Mezedakia und vier Desserts vollgeschlagen – sogar Räucheraal in einer Ouzo-Dillsauce steht auf der Karte.

Zum Nightcup erwartet Sie dann eine der urigsten Bars des Landes: Brettos. Gäste aus ganz Griechenland und aller Welt scharen sich um einen einzigen langen Tisch oder sitzen zu beiden Seiten des Verkaufstresens. An einer Wand türmen sich mit Ouzo, Brandy und Nichts gefüllte alte Fässer, zwei weitere Wände säumen Regale voller bunter Flaschen. Man kommt schnell miteinander ins Gespräch – und das bis 2 Uhr am Morgen.

Tag 2

Ausschlafen können Sie daheim. Wenn Sie die Akropolis ohne viel Trubel erleben wollen, stehen Sie pünktlich um 8 Uhr vor ihrem Eingang. Zwei Stunden werden Sie wohl dort oben verbringen. Danach kraxeln Sie noch auf den Areopag, in der Antike Sitz des obersten Athener Gerichtshofs. Langsam kehren Sie ins Heute zurück – mit einem kurzen Abstecher durchs 19. Jahrhundert. Sie finden es im winzigen Viertel Anafiotika. Nicht einmal ein Moped drängt sich hier durch die armbreiten, stufenreichen Gassen. Blumen und Katzen haben es in Beschlag genommen. Niemand wagt es hier, die 150 Jahre alten Häuschen  abzureißen, die sich Arbeiter von der Kykladeninsel Anafi in den Anfangsjahren des jungen Athens erbauten: Man würde auf Antikes stoßen, die Archäologen würden das Grundstück enteignen.

Nächstes Ziel ist die orthodoxe Kathedrale Athens, die Mitropolis. Ein kurzer Blick hinein genügt, viel schöner ist die sogenannte Kleine Mitropolis gleich daneben. Sie stammt aus dem 12. Jh.

Total im Heute angekommen sind Sie dann auf der Odós Ermoú, einer der Haupteinkaufsstraßen des modebewussten Athen. Irre griechische Schuhe sind da ein Blickfang, Zara und H&M sind auch vertreten. Leicht ansteigend führt die nach dem antiken Gott des Handels benannte FußgängerzoneErmou   zum Syntagma-Platz. Ein Selfie mit den Gardesoldaten des Evzonen-Regiments vor dem Grabmal des unbekannten Soldaten ist da fast Pflicht, bevor es rechts vom ehemaligen Königsplast und heutigem Parlamentsgebäude hinein in den Nationalgarten geht. Hohe Palmen verkünden Süden, am kleinen Teich füttern Großeltern mit ihren Enkeln die Enten. Der Verkehrslärm ist kaum noch zu hören.

Der gegenüberliegende Parkeingang liegt an der Irodou Attikou. Auf ihr ein paar Schritte nach rechts und Promi-Spotting ist angesagt: Da liegen nämlich die Amtssitze des Minister- und des Staatspräsidenten. Ein paar Schritte nach links und man steht vor dem Benaki-Museum. Gleich darauf ist man am Kolonaki Square, wo die immer noch Reichen und vielleicht nur äußerlich Schönen gern ihren Kaffee trinken. Eine kurze Busfahrt ist nun angesagt: Mit Linie 6 vom Kolonaki Square bis zur Haltestelle 4H Lykavittou. 69 Stufen führen von ihr hinauf zur Talstation der Standseilbahn auf den Lykavittos, die im Fels schnurgerade nach oben strebt. Welch ein Rundumblick! Ganz Athen liegt dem Betrachter zu Füßen, sogar auf die Akropolis schaut man hinab. Piräus ist zu erkennen, bei guter Sicht über den Saronischen Golf hinweg sogar die Küste des Peloponnes.

Ein von meterhohen Agavenblüten gesäumter Fußweg führt vom Gipfel den Berg wieder hinab und durchs Edelviertel Kolonaki hindurch zurück zum Syntagma-Platz. Gut, dass das Hotel jetzt ganz in der Nähe ist – denn am Abend geht das Programm ja noch weiter. Wer sich keine besondere Veranstaltung herausgepickt hat, begibt sich am besten nach Psirri. Das ehemalige Gewerbeviertel mit vielen kleinen Läden und Manufakturen ist seit Jahren ein Zentrum des Nightlife mit vielen guten Tavernen und Bars. Wer hinterher abrocken will, zieht später weiter in die Musikclubs in Gazi, dem Viertel ums alte Athener Gasometer. Wer griechische Folklore sucht, wird in der stufenreichen Odos Mnisikleous fündig, wo auch griechische Touristen aus der Provinz tanzend die Plaka genießen. Mit die besten Cocktails Europas werden im >Baba au Rum< zwischen Psirri und Syntagma-Platz gemischt. Freunde der zeitgenössischen Kunst treffen sich in der >Booze Cooperativa< gleich nebenan oder im >Metamatic:taf<, das einer alten Karawanserei ähnelt. Romantiker ziehen noch einmal Richtung Akropolis und genießen Athen bei Nacht vom stets frei zugänglichen Areopag aus.

Tag 3

Heute geht’s weiter – zum Urlaubsziel oder zurück nach Hause. Aber ein Vormittag bleibt noch. Wer noch nicht drin war, widmet ihn am besten dem Archäologischen Nationalmuseum nahe dem Omonia-Platz, wo man im >Café Veneti 1948< ganz hervorragend frühstücken und zu Mittag essen kann. Wer sich lieber noch einmal unters Volk mischt, geht vom Omonia-Platzt aus in die andere Richtung, auf der Odos Athinas am Rathaus und dem Denkmal für die Drachme vorbei zu den Markthallen. Da findet sich unter Gewürzen und Kräutern, Spirituosen und Nüssen, Oliven und traditionellen Süßwaren sicherlich auch ein kulinarisches Souvenir.

Ganz Aktive stehen wieder früh auf und fahren mit der Metro bis zur Endstation in Piräus. Die vielen Inselfähren liegen gleich vor den Bahnhofstüren. Da fällt es schwer, nicht an Bord zu gehen. Vielleicht bleibt aber noch Zeit für eine etwa einstündige Piräus-Rundfahrt mit dem Linienbus 904, der an der nahe dem Bahnhof gelegenen Platia Karaiskaki abfährt. Er umrundet einmal die Halbinsel, auf der Piräus erbaut ist, passiert antike Stadtmauerreste samt ansatzweise erhaltener Türme und die riesige Zea Marina, wo die Superyachten der immer noch Reichen in den Jahren der Krise nicht weniger wurden.

NEUES FÜR ALTE HASEN

Wer Athen schon gut kennt, ist auf Neues gespannt.  Vor allem als Geschenk an die Griechen ist das neue Stavros Niarchos Cultural Foundation Centre mit seinen weitläufigen Gärten, Opernhaus, Nationalbibliothek, zwei sehr guten Restaurants und einem Super-Shop für griechisches Design und  geworden. Da lohnt ein Blick aufs Programm: www.snfcc.org. Wie es  um die zeitgenössische Kunst bestellt ist, checken Sie am besten selbst im National Museum of Contemporary Art in der ehemaligen Fix-Brauerei (www.emst.gr). Erst im Januar 2017 eingeweiht wurde zudem das Museum der antiken Technologie (www.kotsanas.com).

INFOS

Busse und Metro: oasa.gr

Plaka-Hotels mit Dachgärten: aforathens.com, douros-hotels.com, centralhotel.gr, electrahotels.gr, plakahotel.gr, athenswas.gr u.a.m.

Tavernen: scholarhio.gr, tokafeneio.gr

Bars: brettosplaka.com, babaaurum.com, boozecooperativa.com, theartfoundation. metamatic.gr

Shopping: ioannakourbela.com, hariscotton.gr

Museen: theacropolismuseum.gr, benaki.gr, namuseum.gr

Veranstaltungskalender: In Ihrer aktuellen Griechenland-Zeitung, auch unter griechenland.net

Reiseführer: Meine beiden Bände DuMont Direkt Athen und Marco Polo Athen

 

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