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Sougia - ein Dorf auf Kreta

Von Klaus Bötig | 27.April 2013

Sougia

 

Am letzten Urlaubstag kommen wir nach Sougia am Lybischen Meer. Der Ort selbst hat viel von seiner alten Schönheit eingebüßt, ist kaum noch wieder zu erkennen, hat fast nichts mehr gemein mit dem, was ich hier vor 35 Jahren sah. Doch seine Einrahmung in die Landschaft ist die gleiche geblieben: Ein langer Strand, ein wenig Sand und viele Kieselsteine, Steilküste nach Osten hin bis zum Horizont. Unterhalb dieser Steilküste keine Öffnung gen Süden, als wolle Kreta, die Heimat der ersten Hochkultur auf europäischem Boden, mit dem gegenüberliegenden Afrika nichts zu tun haben.

 

Aber der Grund dafür ist keine Kultur-Arroganz. Die Natur hat alles vorgegeben. Hier an der Südküste gibt es nur ganz wenige Küstenorte – Paleochora, Sougia, Agia Roumeli, Loutro, Chora Sfakio. Als es noch kein dichtes Straßennetz auf Kreta gab, als die hohen Berggipfel noch natürliche Grenzen zwischen Nord und Süd waren, waren sie die Tore zur Welt für die Bergdörfer im Süden Kretas. Doch die übrige Welt lag weit entfernt. Die kleinen Schiffe, die kamen, konnten sich nur an den griechischen Küsten entlang der griechischen Inseln bis in den Süden Kretas vorwagen. Frachtensegler trafen aus Piräus ein, beladen mit allen Gütern, die die große Welt und die griechische Hauptstadt zu bieten hatte. Sie fuhren nicht leer zurück, nahmen die Produkte mit, die die Bauern auf ihren Feldern angebaut, in ihren Häusern genäht, geschnitzt und gewebt hatten. Dadurch waren diese kleinen Orte an der Südküste Kretas wahre Marktplätze, Tag und Nacht geöffnet, denn Schiffe kamen, solange es hell war, von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Und wenn es dann dunkel wurde, saßen die Schiffer in den Tavernen und erzählten von dem, was die meisten Menschen Südkretas noch nie in ihrem Leben gesehen hatten: von der übrigen Welt, der hinter den Bergen und der jenseits des Meeres.

 

Als ich vor 30 Jahren zum ersten Mal in Sougia war, da zeigten mir die Dorfbewohner noch die alten Kaschemmen, in denen die Fässer standen, in denen Bauern, Matrosen und Kapitäne zusammen Wein tranken. Sie zeigten mir die Keller, in denen die landwirtschaftlichen Produkte lagerten, bis sie von einem der seefahrenden Händler gekauft wurden. Und es gab noch viele Menschen, die jene Zeiten erlebt hatten. Die Straße – Erfolg des Fortschritts – hat hier in Sougia alles verändert. Bedauern mag ich das nicht. Denn: wären wir ohne diese Straße je nach Sougia gelangt? Hätte ich ohne diese Straße jemals von Sougia’s Vergangenheit erfahren? Sicherlich nicht. Alles hat eben seine Zeit und wenn sie vorüber ist, tritt anderes an ihre Stelle.

 

Der Text ist ein Auszug aus meinem Buch >Tage auf Kreta<. Wer Lust hat, kann es auf http://www.tageaufkreta.de/ kostenlos ganz durchblättern (und auch bestellen).

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